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„Stornierungswelle“ - Wohnungsbau schlittert in die Krise

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Von: Patricia Huber

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Die Folgen der Corona-Pandemie, der Ukraine-Krieg und die steigenden Zinsen belasten den Wohnungsbau. Den Baubetrieben flattern jetzt massenhaft Stornierungen ins Haus.

München – Der Wohnungsbau erlebte in den vergangenen Jahren einen regelrechten Boom. Kaum Zinsen und enorm hohe Immobilienpreise sorgten in der Branche für volle Auftragsbücher. Doch mit der Corona-Pandemie begann die glänzende Fassade zu bröckeln. Gestörte Lieferketten und fehlende Materialien sorgten für Verzögerungen beim Bau. Hinzu kam dann noch der Ukraine-Krieg und vermehrte Probleme bei der Materialbeschaffung.

Wohnungsbau: Aufträge gehen zurück

Der Höhenflug im Baugewerbe ist also vorerst vorbei. Zuletzt hatten die steigenden Zinsen für mehr Verunsicherung gesorgt. Im deutschen Bauhauptgewerbe gehen die realen Umsätze und Aufträge zurück, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag berichtete. Unter diesen Bedingungen könnten längst nicht so viele Wohnungen gebaut werden wie benötigt, warnen die Verbände der Bauindustrie und des Baugewerbes.

Preisbereinigt kamen im Juni laut Statistik 5,5 Prozent weniger Aufträge herein als einen Monat zuvor. Zum Vorjahresmonat bedeutete das sogar einen Rückgang um 11,2 Prozent. Dieser Entwicklung blickt auch der Präsident des Bundesverbands Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen, Dirk Salwski, mit Sorge entgegen. In einem Pressestatement erklärt er: „Das ist keine Delle beim Neubau, das ist die Vollbremsung einer ganzen Branche“

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Bauindustrieverband-Chef warnt: Keine Entspannung am Wohnungsmarkt in Aussicht

Private Bauherren müssten neben hohen Baukosten und steigenden Zinsen noch die steigenden Energie- und Lebenshaltungskosten stemmen, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes, Tim-Oliver Müller. „Da entscheiden sich derzeit doch einige gegen den Hausbau. Aber auch bei institutionellen Investoren werden etliche Wohnungsbauprojekte auf den Prüfstand gestellt und erst einmal verschoben. Eine Entspannung für den angespannten Wohnungsmarkt wird es so nicht geben.“ Inzwischen sei auch der Hochbau im Auftrag von Unternehmen rückläufig.

Die Entwicklungen führen sogar schon dazu, dass zahlreiche Aufträge storniert werden. Das bestätigt auch ifo-Forscher Felix Leiss: „Wir beobachten seit April eine Stornierungswelle.“ Nach Daten des Münchner ifo-Instituts lagen die Stornierungsmeldungen im Wohnungsbau in den letzten Monaten bei zehn bis 15 Prozent, vor einem Jahr lagen sie nur bei zwei Prozent.

Der Baugewerbeverband ZDB nennt zusätzlich die unklaren Förderregeln als Investitionshemmnis. „Mehr und mehr Projekte werden infrage gestellt. Zu den ausbleibenden Aufträgen kommen Stornierungen hinzu“, schildert Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa die Lage. Man werde in den kommenden Monaten noch deutliche Einschläge sehen. (ph/dpa)

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