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Ukraine-Krieg: Ratingagentur Moody‘s verkündet Zahlungsausfall Russlands

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Von: Thomas Schmidtutz

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Der Rote Platz in Moskau: Die Ratingagentur Moody‘s hat jetzt auch offiziell den Zahlungsausfall Russlands festgestellt.
Der Rote Platz in Moskau: Die Ratingagentur Moody‘s hat jetzt auch offiziell den Zahlungsausfall Russlands festgestellt. © Jens Kalaene/dpa

Russland hat wegen der westlichen Sanktionen Probleme, seine Schulden im Ausland zu begleichen. Jetzt hat die Ratingagentur Moody‘s den Zahlungsausfall festgestellt.

Update 28. Juni, 08.21 Uhr Die US-Ratingagentur Moody’s hat wegen nicht fristgemäß beglichener Schulden bei internationalen Investoren einen Zahlungsausfall Russlands festgestellt. Im konkreten Fall geht es um Zinszahlungen zweier Staatsanleihen, die auch nach Ablauf einer Verzugsfrist von 30 Tagen nicht bei Gläubigern angekommen seien, teilte das US-Unternehmen am Montag (Ortszeit) in New York mit. Russland ist wegen der westlichen Sanktionen derzeit nahezu vollständig vom internationalen Kapitalmarkt abgeschnitten und kann die Zahlungen daher nicht leisten.

Die US-Regierung hatte den bevorstehenden Zahlungsausfall am Montag am Rande des G7-Gipfels in Bayern als Beleg gewertet, dass die Sanktionen gegen Russland wirkten. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow hatte die Vorwürfe der Zahlungsunfähigkeit hingegen zurückgewiesen. Russland habe die fälligen Anleihezahlungen geleistet. Wenn diese wegen der Sanktionen nicht bei den Gläubiger ankämen, sei dies nicht das Problem Moskaus, sagte Peskow.

Die Folgen des Zahlungsausfalls für die Finanzmärkte gelten unter Experten jedoch als begrenzt. Viele Beobachter hatten in den vergangenen Monaten wegen der Sanktionen mit einem faktischen Zahlungsausfall Russlands gerechnet. Eine Staatspleite liegt aber nicht vor, da das Riesenreich auf milliardenschweren Devisen-Reserven sitzt. Das letzte Mal, dass das Land seine Rechnungen bei internationalen Gläubigern nicht beglich, war 1918 nach der bolschewistischen Revolution.

Russland vor dem Zahlungsausfall - Kreml-Sprecher kontert: „Nicht unser Problem“

Update, 27. Juni, 12.15 Uhr – Kremlsprecher Dimitri Peskow hat westliche Spekulationen um einen bevorstehenden Zahlungsausfall Russlands zurückgewiesen. Die Vorwürfe seien „rechtswidrig“, zitierte die russische Nachrichtenseite Gazeta Peskow den Putin-Sprecher auf Twitter. Danach habe die Russische Föderation die entsprechenden Zahlungen bereits im vergangenen Mai „in Fremdwährung“ geleistet. „Dass diese die Empfänger nicht erreichten, ist nicht unser Problem“, erklärte Peskow mit Blick auf die umfassenden Sanktionen gegen russische Banken. 

Russland vor dem Zahlungsausfall - Russischer Finanzminister poltert: „Ist eine Farce“

Erstmeldung vom 27.6.2022 - Russland steht unmittelbar vor dem ersten Zahlungsausfall auf Auslandsschulden seit über 100 Jahren. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters hatten mehrere Investoren in Taiwan bis Sonntagabend eigentlich fällige Zahlungen nicht erhalten.

Unter Juristen ist allerdings umstritten, ob die Frist für die Begleichung durch den Kreml offiziell bereits am Sonntagabend endete oder erst mit dem Ende des darauffolgenden Arbeitstags, also am Montag (27. Juni). Beobachter erwarten angesichts der harten Finanzsanktionen des Westens allerdings nicht, dass sich die Lage bis zum Montagabend noch ändert und der Kreml seine Gläubiger doch noch bedienen könnte. Sollte auch diese letzte Frist verstreichen, wäre es der erste russische Zahlungsausfall (Default) auf Auslandsschulden seit 1918.

Russische Anleihen: Schonfrist läuft ab

Im konkreten Fall geht es um zwei Fremdwährungsanleihen im Volumen von 29 Millionen auf Euro sowie um eine Staatsanleihe über 71 Millionen Dollar. Ursprünglich hätte Russland die entsprechenden Zinszahlungen für beide Anleihen bereits am 27. Mai leisten müssen, ließ den Termin jedoch verstreichen. Damit setzte eine 30-tägige Schonfrist ein, die jetzt endet.

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Drohender Zahlungsausfall: Russischer Finanzminister poltert

Moskau hat den Vorwurf der mangelnden Zahlungsfähigkeit zuletzt wiederholt zurückgewiesen. Der drohende Zahlungsausfall sei eine „Farce“, hatte der russische Finanzminister Anton Siluanow vor wenigen Tagen gepoltert. Wöchentlich flössen Milliarden von Dollar aus Energieexporten in die Staatskasse.  Doch wegen der geltenden Sanktionen könne man die fälligen Anleihen nicht bedienen. Es sei offenkundig, dass der Westen Russland vorsätzlich in die Zahlungsunfähigkeit treiben wolle, hatte es zuletzt mehrfach aus dem Kreml geheißen.

Wegen des Angriffs auf die Ukraine hatte der Westen die größten russischen Banken vom globalen Finanzsystem abgeschnitten und die milliarden-schweren Währungsreserven der russischen Zentralbank eingefroren.

Drohender Zahlungsausfall: Kurzfristig verkraftbar

Kurzfristig dürften die Folgen eines möglichen russischen Zahlungsausfalls wohl begrenzt bleiben, erklärten Analysten der Dekabank. Immerhin ist Russland aktuell kaum verschuldet. So liegt das Verhältnis von Gesamtschulden zur Wirtschaftsleistung derzeit bei etwa zwanzig Prozent. Zudem liegt nur geringer Teil der Staatsschulden in den Händen ausländischer Gläubiger.

Mittelfristig lassen sich Risiken des Ausfalls allerdings derzeit kaum absehen. Zunächst müssten mindestens 25 Prozent der betroffenen Gläubiger einen formellen Zahlungsausfall feststellen. Ob sich daraus ein sogenannter Cross-Default ergeben würde, ist gegenwärtig fraglich. In diesem Fall würden nicht nur die vom aktuellen Zahlungsausfall betroffenen Anleihen, sondern alle Auslandsschulden Russlands als notleidend gelten. Allerdings ist offen, ob ein solcher Schritt vor internationalen Gerichten Bestand hätte. (utz)

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