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Mehr Gehalt? Arbeitgeber geben sich knauserig - trotz hoher Inflation

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Von: Lisa Mayerhofer

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Die hohe Inflation lässt die Reallöhne in Deutschland immer weiter sinken. Arbeitgeber reagieren einer Studie zufolge nur mit zögerlichen Gehaltserhöhungen auf diese Entwicklungen.

Berlin – Die hohe Inflation lässt die Reallöhne in Deutschland immer weiter zusammenschrumpfen. Im dritten Quartal von Juli bis September lagen die Löhne auf dem Papier zwar um 2,3 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Zugleich kletterten aber die Verbraucherpreise um 8,4 Prozent – die Reallöhne sanken somit um 5,7 Prozent. Das ist laut Statistik der stärkste und langanhaltendste Reallohnverlust seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2008.

Die Beschäftigten in Deutschland mussten damit bereits das vierte Quartal in Folge einen Reallohnverlust hinnehmen, wie die Statistiker betonten: Im zweiten Quartal von April bis Juni waren die Reallöhne um 4,4 Prozent gesunken, im ersten Quartal um 1,8 Prozent und im letzten Quartal 2021 um 1,4 Prozent gegenüber dem jeweiligen Vorjahresquartal.

Report: Gehaltserhöhungen von durchschnittlich 3,5 Prozent für das Jahr 2022

Erwerbstätige können sich also von ihrem Gehalt durch die Inflation immer weniger leisten. Eine aktuelle Studie zeigt, dass den Arbeitgebern die Situation ihrer Angestellten durchaus bewusst ist – doch sie begegnen dieser Entwicklung nur mit zaghaften Gehaltserhöhungen. Das legt der Salary Budget Planning Report der Unternehmensberatung WTW nahe, demzufolge Unternehmen mit Gehaltserhöhungen von durchschnittlich 3,5 Prozent für das Jahr 2022 auf die aktuelle Inflation reagieren. 

Die Umfrage wurde zwischen April und Mai 2022 online durchgeführt, in Deutschland nahmen 699 Unternehmen aus verschiedenen Branchen teil. Auf Nachfrage der Wirtschaftswoche gab WTW an, dass beinahe die Hälfte der Unternehmen die Löhne um 3,1 bis fünf Prozent anheben wird – oder dies schon getan hat. Etwa 25 Prozent erhöhen das Gehalt ihrer Mitarbeiter zwischen zwei und drei Prozent, sieben Prozent der Firmen nur um unter zwei Prozent. Immerhin: 13 Prozent der Befragten planen eine Erhöhung zwischen fünf und sieben Prozent – und vier Prozent wollen sogar eine Gehaltserhöhung von mehr als 7,5 Prozent springen lassen.

Erhöhung der Gehaltsbudgets vor allem wegen Fachkräftemangel

Damit bleiben die Gehaltserhöhungen unterm Strich in den meisten Fällen hinter der Inflation zurück. Warum sind die Arbeitgeber aber so zögerlich? „Größere Sprünge in den Personalkosten müssten Unternehmen mittelfristig auch auf ihre Produkte umlegen, was ihre Position im internationalen Wettbewerb schwächen könnte“, sagt Florian Frank, Head of Work & Rewards bei WTW. „Zudem können es sich nach der Pandemie nicht alle leisten, ihre Personalausgaben in großem Maße zu erhöhen.“

Dennoch haben dem Report zufolge etwa 62 Prozent der Unternehmen ihre ursprünglichen Gehaltserhöhungsbudgets aufgestockt – auch wegen der Inflation. Der wichtigste Grund für die Erhöhung der Budgets liegt laut Report jedoch darin, dass es für die Unternehmen immer schwieriger wird, passende Mitarbeiter zu finden. Für knapp zwei Drittel gab dies den Ausschlag dafür, mit größeren Gehaltserhöhungsbudgets zu planen, so die Unternehmensberatung.

Mit Material der dpa

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