Kampf gegen Covid-19

Curevac: Tübinger Biotech-Unternehmen rüstet sich mit Millionen für Produktion von Corona-Impfstoff

Curevac-Zentrale in Tübingen: Der Biotech-Spezialist investiert Millionen in eine Ausweitung seiner Produktionskapazitäten.
+
Curevac-Zentrale in Tübingen: Der Biotech-Spezialist investiert Millionen in eine Ausweitung seiner Produktionskapazitäten.

Im Kampf gegen Corona will das Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac seine Produktionskapazitäten massiv ausweiten. Das kündigte ein Curevac-Sprecher am Donnerstag an.

  • Weltweit forschen Unternehmen mit Hochdruck an einem Corona-Impfstoff.
  • Auch das Tübinger Unternehmen Curevac hat einen Impfstoff in der Pipeline.
  • Damit rasch möglichst viele Dosen produziert werden können, baut der Biotech-Spezialist nun auch seine Produktionskapazitäten massiv aus.

München – Das Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac will seine Produktionskapazität in den kommenden Jahren erheblich ausweiten. Aktuell könne man je nach Impfstoff-Dosierung über mehrere 100 Millionen Dosen pro Jahr herstellen. Die entsprechenden Anlagen sollten in den nächsten Monaten „geklont werden“, sagte ein Curevac-Sprecher am Donnerstag gegenüber Merkur.de*.

Coronavirus: Curevac baut neue Produktionsanlage für mindestens eine Milliarde Dosen pro Jahr

Zudem baue man eine komplett neue Produktionsanlage. Sie soll 2022 den Betrieb aufnehmen und abhängig von der Impfstoff-Menge mindestens eine Milliarde Dosen pro Jahr produzieren können. Das Gebäude dafür stehe bereits. Nun wolle man die nötigen Anlagen installieren, sagte der Sprecher. Alleine für die Produktionsanlagen will Curevac 75 Millionen Euro investieren. Zur Finanzierung hatte sich der Biotech-Spezialist im Juli einen Kredit der Europäischen Investitionsbank gesichert.

Curevac rechnet ab Mitte 2021 mit fertigem Covid-Impfstoff

Erst Ende September hatte Curevac die zweite Phase bei der Prüfung seines Corona-Impfstoffkandidaten gestartet. Noch im laufenden Quartal wollen die Tübinger mit der Phase IIB/III beginnen. Dazu will Curevac seinen Impfstoff in unterschiedlichen Dosierungen an rund 20.000 bis 30.000 Probanden testen, hatte Curevac unlängst angekündigt. Dies dürfte mehrere Monate dauern. Man hoffe darauf, ab Mitte 2021 einen einsetzbaren Impfstoff anbieten zu können, sagte der Sprecher.

Auch Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) erwartet für Mitte kommenden Jahres einen weithin einsetzbaren Impfstoff gegen das Coronavirus. Sie gehe davon aus, dass dann „breite Teile der Bevölkerung geimpft werden können“, sagte Karliczek am Donnerstag in Berlin. Der Druck steigt. Alleine am Mittwoch hatte das Robert-Koch-Institut 4000 neue Infektionsfälle registriert.

Um die Entwicklung eines Impfstoffs zu beschleunigen, hatte die Bundesregierung ein Sonderprogramm zur Förderung der Impfstoff-Entwicklung aufgelegt. Aus dem Topf soll Curevac 252 Millionen Euro erhalten, das Mainzer Unternehmen Biontech 375 Millionen. Zudem wird nun auch IDT Biologika bedacht. Das Dessauer Unternehmen soll mit 114 Millionen Euro gefördert werden.

Curevac hatte erst im Juni mit der Phase I der Erprobung seines Corona-Impfstoffs begonnen. Dabei wird an einer Gruppe von 10 bis 30 Personen die grundsätzliche Verträglichkeit eines Impfstoffs überprüft. In Phase II wird dann die Immunantwort nach der Injektion getestet und die optimale Dosis bestimmt. Die Größe der Testgruppen wird dabei üblicherweise auf 50 bis 500 Personen ausgeweitet.

In dem abschließenden Phase III-Test mit mehr als 10.000 Probanden wird die Schutzwirkung des Impfstoffs kontrolliert. Um die Entwicklung zu beschleunigen, können Phase II und die Phase III sich überlappen. Das ist auch bei Curevac geplant.

Corona-Impfstoff: Curevac setzt auf niedrige Dosierung und damit bessere Verträglichkeit

Ähnlich wie etwa der Mainzer Wettbewerber Biontech haben sich auch die Tübinger auf die Entwicklung von Botennukleinsäuren (mRNA) spezialisiert. Bei diesem neuartigen Ansatz sollen Boten (Messenger) genetische Baupläne zur Produktion von unvorstellbar winzigen Mengen von Antigenen in die Zellen bringen. Die produzierten Eiweiße sollen eine Abwehrreaktion des Immunsystems auslösen, die den Körper dann auch gegen Viren wie das Coronavirus SARS-CoV-2 schützen soll.

Curevac fokussiert sich dabei auf mRNA mit vergleichsweise geringe Dosierung. Davon verspricht sich das Unternehmen eine besonders gute Verträglichkeit bei den Probanden. Außerdem ermöglicht eine geringe Dosierung bei der späteren Produktion erhebliche Mengenvorteile je Charge. *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Auch interessant:

Kommentare