Kathedrale in der Wüste:

Ägypten setzt Zeichen für Frieden zwischen den Religionen

Erst in der Nacht zum Sonntag hatte die staatliche Zeitung „Al-Ahram“ berichtet, dass ein Polizist in Kairo beim Versuch einer Bombenentschärfung nahe einer Kirche getötet wurde.

Am Sonntagabend hatte Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi östlich von Kairo die neue riesige Kathedrale für die christliche Minderheit im Land eröffnet. Am Vorabend des koptischen Weihnachtsfestes nahm das Staatsoberhaupt mit zahlreichen geladenen Gästen an einem Gottesdienst teil. Nach Abschluss der letzten Bauarbeiten sollen in dem Gotteshaus mehr als 8000 Gläubige Platz finden. Damit soll es die größte Kirche im Nahen Osten sein.

Kathedrale in der Wüste

Als Standort wurde die neue Verwaltungshauptstadt in der Wüste östlich von Kairo bestimmt. Die neue Hauptstadt soll das überbevölkerte Kairo entlasten und ist momentan noch eine riesige Baustelle, soll den Plänen zufolge in den kommenden Jahren aber zum Regierungssitz und zur Heimat von Millionen Menschen werden.

Präsident spricht von historischem Moment

„Ich möchte an dieser Stelle sagen, dass dies ein sehr wichtiger Moment in unserer Geschichte ist“, sagte Al-Sisi bei einer Rede in der Kathedrale. Nichts könne Christen und Muslime in Ägypten spalten. Der Kopten-Papst Tawadros II. nannte die Eröffnung „in der Geschichte beispiellos“. Papst Franziskus schickte eine Grußbotschaft. US-Präsident Donald Trump zeigte sich auf Twitter erfreut. Etwa zehn Prozent der knapp 100 Millionen Ägypter sind Kopten. 

Fragile Sicherheitslage  

Unter dem Eindruck von Spannungen mit der muslimischen Mehrheit des Landes vor allem unter der Regierung des Islamisten Mohammed Mursi (2012-2013) sehen viele Kopten in Al-Sisi einen Schutzherrn ihrer Rechte. Doch die Sicherheitslage ist fragil: Immer wieder versuchen Extremisten mit Anschlägen auf Kopten oder Sicherheitskräfte, das Land zu destabilisieren.

Evangelist Markus gründete koptische Kirche

Experten sehen trotz des neuen Symbols für religiöse Toleranz in Ägypten tiefgreifende Probleme für die Freiheit der Kopten. So gebe es weiterhin Benachteiligungen der Gläubigen durch den Sicherheitsapparat und ungesetzliche Kirchenschließungen, schrieb die Organisation „Project on Middle East Democracy“ im Dezember. Das koptische Weihnachtsfest ist seit 2002 als Feiertag im ganzen Land anerkannt. Zum Fest werden in großen Mengen traditionelle Speisen zubereitet. Der Überlieferung nach gründete der Evangelist Markus die Kirche in Ägypten vor rund 2000 Jahren. Sie ist heute die größte christliche Gemeinschaft im Nahen und Mittleren Osten.

dpa

Rubriklistenbild: © Foto: Ahmed Abdelfattah/dpa

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