Prozess um Gefängnisausbruch in Aachen

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Diese zwei Schwerverbrecher hielten die Polizei fünf Tage in Atem: Michael Heckhoff (links) und Peter Paul Michalski (rechts).

Aachen - Vor einem halben Jahr gelang es zwei Schwerverbrechern aus dem Gefängnis in Aachen auszubrechen. Sie hatten Hilfe von einem Vollzugsbeamten. Wie es dazu kommen konnte, klärt nun ein Gericht.

Super-GAU im Strafvollzug: Ein Vollzugsbeamter öffnet zwei hochgefährlichen Schwerverbrechern alle Gefängnis-Türen, gibt ihnen auch noch Waffen und Patronen. Michael Heckhoff (46) und Peter Paul Michalski (51) spazieren in die Freiheit. Sie bringen Menschen in ihre Gewalt, lassen sie frei, äußerlich unbeschadet. Fünf Tage dauert der Alptraum für die Polizei, dann werden der Mörder und der Geiselgangster endlich gefasst. Ein halbes Jahr nach dem spektakulären Gefängnis-Ausbruch beginnt in Aachen an diesem Donnerstag der Prozess gegen die drei Männer.

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Gefährliche Ausbrecher auf der Flucht

Die gravierendsten Anklagepunkte gegen Heckhoff und Michalski sind schwere räuberische Erpressung, erpresserischer Menschenraub und Geiselnahme. Der Beamte (40) steht wegen Beihilfe, Bestechlichkeit und Gefangenenbefreiung vor Gericht. Heckhoff und Michalski sind schwere Kaliber, die einen Großteil ihres Lebens im Knast verbracht haben und verbringen werden. Sie sind zu lebenslanger Haft und Sicherungsverwahrung verurteilt. Sie konnten nur entwischen, weil sie den Helfer hatten, der eigentlich ihr Bewacher sein sollte. Der muss bei der Flucht eine entscheidende Rolle gespielt haben, nimmt die Staatsanwaltschaft an. Der Wärter brachte demnach die Männer vom Hafthaus durch fünf schwer gesicherte Türen bis zur Schleuse in die Freiheit. Im Innenhof überwältigten sie noch einen ahnungslosen Beamten mit der Schreckschusspistole, die sie vorher von ihrem Komplizen in Uniform bekommen hatten. Der stattete sie zum Schluss mit zwei Dienstpistolen und Munition aus.

Gewaltverbrecher auf der Flucht

Den beiden Schwerverbrechern Michael Heckhoff und Peter Paul Michalski gelang am 26. November der Ausbruch aus der Justizvollzugsanstalt Aachen. Nun wurden beide gefasst. © dpa
Peter Paul Michalski (46) gilt als brutal und rücksichtslos. © dpa
Fünf Tage war er auf der Flucht. © dpa
Dann schnappte ihn die Polizei auf der Bundesstraße 58 bei Schermbeck am Niederrhein. © ap
Michalski war auf einem silbernen Damenfahrrad unterwegs. © dpa
Der Medienrummel war groß. © dpa
Nach über fünf Tagen sind nun beide Schwerverbrecher wieder im Gefängnis. © dpa
Michael Heckhoff (50) war 1992 an einer Geiselnahme in der sauerländischen Justizvollzugsanstalt Werl beteiligt. Damals hatte er mit einem Mithäftling einen Zahnarzttermin genutzt, um drei Justizbeamte und drei Arzthelferinnen in seine Gewalt zu bringen. Beim Zugriff der Polizei übergoss Heckhoffs Kumpan zwei der Geiseln mit einer brennbaren Flüssigkeit und zündete sie an. Die Frauen erlitten schwere Verbrennungen. © dpa
SEK-Beamte stehen vor dem Haus in Mühlheim/Ruhr, in dem Heckhoff gefasst wurde. Ihn konnte die Polizei bereits am Sonntag in Mülheim festnehmen. © dpa
Mit diesem Fluchtfahrzeug waren die beiden Flüchtlinge in Mühlheim unterwegs. © dpa
Wie Heckhoff in einem Interview berichtet, hatten sie die Waffe in der JVA Aachen gekauft. © dpa
Heckhoff berichtet, er habe von einem Wärter den Schlüssel bekommen und auf den Kopierer gelegt. © dpa
Am Donnerstag konnten die beiden Verbrecher aus der JVA fliehen. © dpa
Seitdem wurde mit einem Großaufgebot gefahndet. © dpa
In der Nacht zum Freitag untersuchten Polizisten den Eingang der Justizvollzugsanstalt in Aachen. © dpa
Eine Beamtin steht im Gang vor den Gemeinschaftsräumen der Justizvollzugsanstalt in Aachen. © dpa
Häftlinge der Justizvollzugsanstalt Aachen stehen im Gang vor ihren Zellen. © dpa
Der Eingang der Justizvollzugsanstalt in Aachen. © dpa
Kurz nach ihrem Ausbruch hatten sich die beiden Kriminellen in ein Taxi gesetzt und den Fahrer aufgefordert, sie nach Kerpen-Buir zu fahren. © dpa
Dort zwangen sie den Fahrer, gemeinsam mit ihnen in ein anderes Taxi zu steigen und weiter nach Köln zu fahren. © dpa
Vom Bahnhofsvorplatz am Dom aus flüchteten die Verbrecher zu Fuß in die Innenstadt. © dpa
Die beiden Taxifahrer ließen sie frei. Sie erlitten einen Schock. © dpa
Danach verlor sich voerst die Spur, bis Heckhoff am Sonntag wieder auftauchte und in Mühlheim festgenommen werden konnte. © dpa
Mit der Festnahme von Michalski am Dienstag, ist die tagelange Fahndung nach den beiden Schwerverbrechern nun zu Ende. © dpa

Für seine Dienste hätten sie ihm einen Anteil ihrer Beute aus späteren Banküberfällen versprochen, ermittelte die Staatsanwaltschaft. Das Geld konnte der Mann wohl gut brauchen, nach unbestätigten Berichten steckte er in finanzielle Schwierigkeiten. Es begann eine Jagd auf die Gangster. Immer wieder warnte die Polizei vor den äußerst brutalen Männern. Heckhoff und Michalski spielte der Zufall in die Hände. Vor dem Gefängnis sprangen sie in ein haltendes Taxi, in Kerpen stiegen sie in ein anderes Taxi um, das sie nach Köln brachte. In Köln zwangen sie eine 19-jährige Schülerin, sie nach Essen zu fahren. Die letzten Opfer der Gangster haben über Stunden wahrscheinlich Todesangst erlebt. Am Morgen des dritten Fluchttags drangen Heckhoff und Michalski in die Wohnung eines Ehepaars in Essen-Werden ein und machten es sich gemütlich, aßen, tranken, schliefen, guckten Fern. Am Abend ließen sie sich von dem Paar nach Mülheim an der Ruhr fahren, setzten es dort ab und fuhren weiter. Am vierten Fluchttag entdeckte die Polizei das Auto in einer Seitenstraße und schnappte zu, Heckhoff wurde gefasst. Michalskis Freiheit endete zwei Tage später strampelnd auf einem alten Damenfahrrad am Niederrhein. In den vorgesehenen 17 Verhandlungstagen sind 45 Zeugen geladen. Bisher hat nur Heckhoff gestanden.

dpa

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