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Statistik-Professor fürchtet „Erliegen“ der Infrastruktur - täglich bis zu 150.000 Menschen neu in Quarantäne?

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Von: Tom Offinger

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Ein Labor untersucht Corona-Proben
Die Omikron-Variante bereitet weiter Sorgen (Symbolbild). © picture alliance/dpa/ZUMA Press Wire | Sri Loganathan

Die Omikron-Variante breitet sich weiter aus. In Deutschland halten sich die Fallzahlen noch in Grenzen, doch was passiert, wenn die neue Mutante auch bei uns ihre Opfer fordert?

Stuttgart/München - Es ist wohl die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm. Während in vielen europäischen Ländern die Infektionszahlen und Inzidenzen durch die Omikron-Variante* des Coronavirus* in die Höhe schießen, bleibt die Lage in Deutschland vergleichsweise ruhig. Die befürchtete Infektionswelle lässt weiter auf sich warten, dass sie allerdings nicht auf ewig einen Bogen um die Bundesrepublik machen wird, gilt als sicher. In Großbritannien wurden am Mittwoch (22. Dezember) erstmals 100.000 Neuinfektionen an einem Tag gemeldet, in London und anderen Städten herrscht Personalmangel* an allen Ecken und Enden.

Corona: Nach Dänemark und Großbritannien - auch Deutschland droht Schreckensszenario

Vor allem die kritische Infrastruktur, wie Polizei, Feuerwehr und Krankenhäuser, leidet unter der derzeitigen Infektionswelle. Ein solches Szenario könnte im schlimmsten Fall auch Deutschland drohen. Im nördlichen Nachbarland Dänemark greift die Variante derzeit ebenfalls um sich, täglich wurden dort kurz vor Weihnachten rund 10.000 neue Fälle gemeldet. Da in Dänemark alle positiven Proben auf die Mutante untersucht werden, bietet das Land zur Verbreitung der Variante in Europa mit die beste Datenlage.

Rechnet man die Neuinfektionen in Dänemark (5,8 Millionen Einwohner) von circa 10.000 täglichen Fällen auf unsere Bevölkerung hoch, so wäre das die dramatische Zahl von 150.000, viermal so viele wie es derzeit sind“, errechnet der Statistik-Professor Christian Hesse in der Bild-Zeitung und skizziert damit ein potenzielles Schreckensszenario für Deutschland. Denn neben den Infizierten müssten dann auch die engsten Kontaktpersonen in Quarantäne, womit die Betroffenenzahl noch um einiges steigen würde.

Omikron-Variante: Bedrohung für kritische Infrastruktur

Die Kontaktpersonen werden zumeist nach dem Bekanntwerden einer Infektion von ihrem zuständigen Gesundheitsamt kontaktiert. Wie Hesse erklärt, werden durchschnittlich fünf enge Kontakte während der Inkubationszeit pro Infektion kontaktiert. Das gehe aus einer Befragung von regionalen Zeitungen bei den 380 deutschen Gesundheitsämtern hervor, so der Statistik-Professor. „Bei 150.000 Infizierten würde das eine Dreiviertelmillion von Menschen in Quarantäne bedeuten.“ Würde dieses Niveau fünf Tage bestehen bleiben, müssten in diesem Zeitraum 3,75 Millionen Personen in Quarantäne geschickt werden - eine gigantische Zahl.

„Bei diesen hohen Fallzahlen von Menschen, die neu infiziert sind bzw. sich in Selbstisolation begeben müssen, würde ein beachtlicher Teil der kritischen Infrastruktur in unserem Land zum Erliegen kommen“, ist sich Hesse sicher.

Omikron in Deutschland: Lebensmittelversorgung gewährleistet

Um ein solches Szenario zu verhindern, bereiten sich zahlreiche Branchen in Deutschland bereits auf den potenziellen Ausfall ihrer Angestellten vor. „Wir können versichern, dass wir als Branche alles in unserer Macht Stehende tun, um durch präventive betriebliche Maßnahmen der Ausbreitung des Coronavirus und jetzt der Omikron-Variante vorzubeugen“, versicherte beispielsweise Christoph Minhoff, der Hauptgeschäftsführer des Lebensmittelverbands Deutschland. Besonders die Gesundheit der Mitarbeiter müsse geschützt werden, plädierte Minhoff in der Bild, „damit auch die Lebensmittelproduktion aufrechterhalten werden kann.“

Wie zu Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 verspricht Minhoff, dass die Ausfälle nicht zwangsläufig zu Versorgungsschwierigkeiten führen würden. Haltbare Lebensmittel, wie Nudeln, Tiefkühlprodukte oder Konserven, seien ausreichend vorproduziert und könnten jederzeit abgerufen werden. Zudem weist er darauf hin, dass es in vielen Branchen mehr als nur einen Anbieter gebe, sodass möglicher Lieferprobleme jederzeit aufgefangen werden könnten. (to)

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