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Gasaustritt von Nord-Stream-Lecks nicht gestoppt – Tatort wird untersucht

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Von: Tobias Utz, Karolin Schäfer, Moritz Serif, Christian Weihrauch, Sophia Lother, Lucas Maier, Christian Stör, Sarah Neumeyer

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Explosionen an den Nord-Stream-Pipelines: Aus der zweiten Leitung tritt nach wie vor Gas aus. Die Lage im News-Ticker.

+++20.32 Uhr: Die Ermittlungen im Fall der Gas-Lecks an den Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee gehen weiter. Das Meeresgebiet rund die Lecks ist wurde für weitere Untersuchungen abgesperrt. Die schwedische Staatsanwaltschaft geht diesen Schritt, um Tatortuntersuchungen anstellen zu können, teilte Staatsanwalt Mats Ljungqvist am Montagabend mit. Es besteht Verdachts der schweren Sabotage.

Nach Angaben der schwedischen Küstenwache wurde am Nachmittag ein fünf Seemeilen (knapp neun Kilometer) breites Gebiet abgesperrt. Das bedeutet demnach, dass man dort unter anderem weder mit dem Schiff durchfahren noch ankern, tauchen oder fischen darf. 

Nord-Stream-Lecks: Gasaustritt doch noch nicht gestoppt

+++ Montag, 3. Oktober, 14.57 Uhr: Aus der stark beschädigten Erdgaspipeline Nord Stream 1 tritt nach Angaben der schwedischen Küstenwache kein Gas mehr aus. Hingegen sei über dem kleineren Leck der Pipeline Nord Stream 2 noch austretendes Gas zu sehen, teilte die Küstenwache nach einem Überflug mit.

Am Samstag (1. Oktober) hatte die Betreiberfirma noch erklärt, dass aus Nord Stream 2 gar kein Gas mehr austrete, da der Druck in der Leitung in der Ostsee auf das gleiche Niveau wie der Wasserdruck gefallen war. Am Abend des selben Tags war zudem bereits gemeldet worden, dass sich die Gasblase über Nord Stream 1 verkleinert hatte; der Durchmesser an der Meeresoberfläche schrumpfte demnach von etwa einem Kilometer auf 600 Meter - was auf einen verringerten Gasaustritt hindeutete.

Aus der Pipeline Nord Stream 2 tritt weiterhin Gas aus.
Aus der Pipeline Nord Stream 2 tritt weiterhin Gas aus. © Danish Defense/AFP

Nord-Stream-Lecks: Gasaustritt offenbar gestoppt - Russland gibt neue Details bekannt

+++ 18.32 Uhr: Der Schaden, welcher durch die Explosionen an den Nord-Stream-Pipelines entstanden sei, soll reparabel sein, das teilte der stellvertretende russische Ministerpräsident Alexander Novak am Sonntag (2. Oktober) mit. Um die Gas-Pipelines wieder betriebsfähig zu machen, bräuchte es lediglich die entsprechenden Mittel und genügen Zeit, zitiert CNN aus einem Interview des TV-Senders Russia 1 TV.

Er sei sich sicher „dass entsprechende Möglichkeiten gefunden werden“, aber zuerst müsse ein Verantwortlicher für die Explosionen gefunden werden, sagte Novak. Er verdächtigte dabei die Staaten, welche eine negative Haltung gegenüber dem Nord-Stream-Projekt eingenommen hätten. Konkret nannte er hier die USA, Polen und die Ukraine.

Nord-Stream-Lecks: Dänische Behörden geben Entwarnung

+++ 15.59 Uhr: Nach den Gas-Lecks an den Nord-Stream-Pipelines haben die dänischen Behörden nun weitere Entwarnung gegeben. Demzufolge tritt inzwischen offenbar auch aus der Pipeline Nord Stream 1 kein Gas mehr aus. Man sei vom Betreiber, der Nord Stream AG, informiert worden, dass sich auch bei Nord Stream 1 mittlerweile der Druck in der Pipeline stabilisiert habe, teilte die Behörde am Sonntagnachmittag auf Twitter mit. Das deute darauf hin, dass kein Gas mehr austrete. Den gleichen Stand hatten die Dänen am Samstag bereits zu Nord Stream 2 mitgeteilt.

Nord-Stream-Lecks: Vorsichtige Entwarnung für eine Pipeline – Deutschland kündigt Ermittlungen an

Update vom Sonntag, 2. Oktober, 9.46 Uhr: Bundesjustizminister Marco Buschmann hält es prinzipiell für möglich, dass nach den Explosionen an den Nord-Stream-Pipelines auch in Deutschland ermittelt wird. „Es ist möglich, dass hier eine Straftat begangen wurde, für die der Generalbundesanwalt die Strafverfolgung übernehmen könnte“, sagte der FDP-Politiker der Bild am Sonntag. Die Explosionsorte befinden sich in der Ostsee in der Ausschließlichen Wirtschaftszone Dänemarks und Schwedens, die Röhren führen aber von Russland nach Deutschland.

„Es ginge dann möglicherweise um eine verfassungsfeindliche Sabotage mit Auswirkungen auf Deutschland. Auch der Straftatbestand des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion kommt infrage.“ Bestätige sich der Verdacht, ginge es vor allem um die Zusammenarbeit mit anderen Staaten, insbesondere der EU. „Ziel wäre es, der Täter habhaft zu werden und sie in Deutschland vor Gericht zu stellen.“ Auf verfassungsfeindliche Sabotage steht laut Strafgesetzbuch eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe.

Innenministerin Nancy Faeser (SPD) kündigte eine gemeinsame Ermittlungsgruppe mit Dänemark und Schweden an. „Alle Hinweise sprechen für Sabotageakte an den Nord-Stream-Pipelines“, sagte sie Bild am Sonntag. Deutschland arbeite mit Dänemark und Schweden sehr eng zusammen, um die Hintergründe aufzuklären. „Wir wollen jetzt ein Joint Investigation Team bilden – eine gemeinsame Ermittlungsgruppe nach EU-Recht, in die alle drei Staaten Ermittler entsenden.“

Nord-Stream-Lecks: Vorsichtige Entwarnung für eine Pipeline – Kein Gas tritt mehr aus

+++ 17.57 Uhr: Vorsichtige Entwarnung bei den Gas-Lecks in der Pipeline von Nord Stream 2. Aus der beschädigten Gaspipeline tritt aktuell kein Gas mehr aus. Der Druck in der Gasleitung in der Ostsee sei mittlerweile auf das gleiche Niveau wie der Wasserdruck gefallen, sagte ein Sprecher der Betreiberfirma am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. „Der Wasserdruck hat also die Rohrleitung mehr oder weniger verschlossen, sodass das Gas im Inneren nicht entweichen kann.“

Nord-Stream-Lecks: Volle Polizeipräsenz auf See – Schutz vor Sabotage wird erhöht

+++ 13.37 Uhr: Nachdem Olaf Scholz (SPD) am Freitagabend (30. September) Unterstützung für die Untersuchungen zu den Lecks an den Nord-Stream-Pipelines zugesagt hat, werden auch die Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Deutschland ist sich mit seinen Verbündeten in EU und Nato einig, dass „die Vorsorge und der Schutz vor Sabotage für kritische Infrastruktur“ verstärkt werden müsse, wie die französische Nachrichtenagentur AFP den Regierungssprecher Steffen Hebestreit zitiert.

„Wir sind in Gesprächen mit unseren Verbündeten, um die (militärische) Präsenz im norwegischen Sektor zu erhöhen“, sagte der Regierungschef von Norwegen, Jonas Gahr Störe. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) sprach gegenüber der Süddeutschen Zeitung davon, dass die Bundespolizei vor dem Hintergrund der aktuellen Bedrohungslage „mit allen verfügbaren Kräften“ auf See sei.

Nord-Stream-Pipelines: Vonseiten Russlands gibt es noch keinen Zeitplan

+++ 6.22 Uhr: Für die Reparatur der Lecks an den Erdgas-Pipelines Nord Stream 1 und 2 gibt es nach Angaben des russischen staatlichen Gaskonzerns Gazprom derzeit noch keinen absehbaren Zeitplan. Der Konzern habe damit begonnen, nach „möglichen Lösungen zu suchen, um das System wieder funktionsfähig zu machen“, sagte Sprecher Sergej Kuprijanow am Freitag (30. September) per Videoschalte vor dem UN-Sicherheitsrat in New York bei einer von Russland erbetenen Debatte zu den Lecks.

Die Dauer dieser Reparatur könne derzeit aber noch nicht abgeschätzt werden. Die Aufgabe sei aus technischer Hinsicht „sehr überwältigend“. Solche Lecks habe es zuvor nie gegeben.

Nord-Stream-Lecks: „Vorsätzlicher Sabotageakt“ - Sprecher nennt Details nach Beratungen von Scholz

+++ 21.45 Uhr: Nach den Explosionen an den Nord-Stream-Pipelines hat sich Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg und den Regierungschefs von Dänemark, Norwegen und Schweden beraten. „Alle gegenwärtig vorliegenden Informationen weisen auf einen vorsätzlichen Sabotageakt an den Pipelines hin“, teilte Regierungssprecher Steffen Hebestreit im Anschluss an Scholz‘ Videokonferenzen mit.

Scholz habe Dänemark und Schweden zugesagt, dass Deutschland sie bei der gemeinsamen Aufklärung unterstützen werde. Gemeinsam mit den Partnern und Verbündeten in Nato und EU werde man die Vorsorge und den Schutz vor Sabotage für kritische Infrastruktur verstärken.

News zu den Nord-Stream-Pipelines: Putin hält „die Angelsachsen“ für die Verantwortlichen

+++ 18.25 Uhr: Nachdem er heute die Annexion der vier ukrainischen Gebiete verkündet hatte, hat sich Wladimir Putin auch zu den Explosionen an den Nord-Stream-Pipelines geäußert. Während er in seiner Rede zur Annexion ständig von dem „Westen“ gesprochen hatte, machte Putin darin auch „die Angelsachsen“ für die Explosionen verantwortlich, wie die französische Nachrichtenagentur AFP schreibt. Da die Sanktionen nicht mehr ausreichen würden, hätten „die Angelsachsen“ nun zur „Sabotage“ gegriffen, sagte der Machthaber in Moskau am Freitag (30. September).

In einer gemeinsamen Stellungnahme erklärten die Verteidigungsminister der nordischen Länder Schweden, Dänemark, Norwegen, Finnland und Island, dass es sich durchaus um einen „unvorsichtigen Angriff auf die Energieinfrastruktur Europas“ gehandelt haben könnte. Es könnte der Versuch sein, „die ohnehin angespannte Sicherheitslage zu destabilisieren“, zitiert AFP aus dem Schreiben.

News zu den Nord-Stream-Pipelines: Debatte im UN-Sicherheitsrat

+++ 16.00 Uhr: Vor der Dringlichkeitsdebatte des UN-Sicherheitsrats wegen der Lecks an den Nord-Stream-Gaspipelines in der Ostsee haben Dänemark und Schweden den Rat mit aktuellen Informationen versorgt. Mindestens zwei Explosionen seien unter Wasser geschehen, schrieben die beiden skandinavischen Länder in einem Brief. Seismologische Institute hätten eine Stärke von 2,3 und 2,1 gemessen, was „vermutlich einer Sprengladung von mehreren hundert Kilogramm“ entspreche. Alle verfügbaren Informationen deuteten darauf hin, dass die Explosionen vorsätzlich herbeigeführt worden seien.

Jeweils zwei Lecks seien in den Ausschließlichen Wirtschaftszonen von Dänemark und Schweden entstanden, das daraus aufsteigende Gas habe an der Oberfläche mehrere hundert Meter große Gebiete erfasst. Auf schwedischer Seite hätten diese am Donnerstag einen Radius von rund 900 und 200 Metern gehabt, auf dänischer Seite von rund 555 beziehungsweise 680 Metern. Der Betreiber von Nord Stream 1 sei zu der Einschätzung gekommen, dass der Gas-Austritt an der Pipeline bis zum 2. Oktober anhalten werde. Eine ähnliche Einschätzung zu Nord Stream 2 stehe noch aus.

News zu den Nord-Stream-Pipelines: Russland will „Beweise“ für Sabotage haben

+++ 11.30 Uhr: Nach den Explosionen an den Nord-Stream-Pipelines ist die Schuldfrage nach wie vor ungeklärt. Während der Westen Russland beschuldigt, verdächtigt Moskau die USA und die Nato (s. Update v. 10.30 Uhr). Nun ist der Chef des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR noch einen Schritt weitergegangen. Laut Sergei Naryschkin liegen Russland Beweise dafür vor, dass der Westen für die Lecks in den Nord-Stream-Pipelines verantwortlich ist. Das berichtet die russische Nachrichtenagentur Interfax. Welche Beweise es geben solle, sagte der Spionagechef nicht.

+++ 10.30 Uhr: Die russische Führung hat eine Aufklärung der mutmaßlichen Sabotage an den Gas-Pipelines Nord Stream 1 und 2 gefordert und die USA als Hauptverdächtigen dargestellt. „Es ist aber offensichtlich, dass der Hauptnutznießer (der Pipeline-Explosionen), vor allem wirtschaftlich, die USA sind“, sagte der Sekretär des nationalen Sicherheitsrates, Nikolai Patruschew, der Nachrichtenagentur Interfax zufolge auf einer Sitzung mit den Geheimdienstchefs der GUS-Staaten. Patruschew warf dem Westen vor, sofort nach Bekanntwerden der Lecks eine Kampagne gegen Russland gestartet zu haben. Daher sei es nötig, die Kooperation der Geheimdienste innerhalb der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS), ein loser Staatenverbund ehemaliger Sowjetstaaten, zu vertiefen und die „Auftraggeber und Erfüllungsgehilfen des Verbrechens“ zu enthüllen.

Update vom Freitag, 30. September, 08.00 Uhr: Europäische Sicherheitsbeamte haben am Montag und Dienstag offenbar zwei russische Marineschiffe nahe der Lecks an den Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee gesichtet. Das berichtet der US-Sender CNN unter Berufung auf westliche Geheimdienstmitarbeiter. Auch russische U-Boote sollen in der vergangenen Woche in dem Gebiet unterwegs gewesen sein, berichtet der Sender weiter.

+++ 22.45 Uhr: Nachdem sich zunächst Kreml-Sprecher Dmitri Peskow zu den Lecks an den Nord-Stream-Pipelines geäußert hat (s. Update v. 14.15 Uhr), fand nun auch der russische Präsident eindeutige Worte. Wladimir Putin bezeichnete die undichten Stellen als „Akt des internationalen Terrorismus“. Aus dem Kreml hieß es, dass Putin am Donnerstag bei einem Telefonat mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan von einer „beispiellosen Sabotage“ gegen die Gasleitungen von Russland nach Deutschland sprach. Angesichts dessen habe Russland für Freitag (30. September) eine Dringlichkeitsdebatte im UN-Sicherheitsrat beantragt.

Zuvor hatte der russische Generalstaatsanwaltschaft wegen der mutmaßlichen Sabotage an den Pipelines ein Verfahren wegen internationalen Terrorismus eingeleitet. Wer hinter den Schäden an den Ostsee-Pipelines steckt, ist bislang unklar. Der Kreml weist vehement jede Verantwortung zurück.

News zu den Nord-Stream-Pipelines: Forschende melden mögliche dritte Explosion

+++ 19.10 Uhr: Forschende haben offenbar noch eine dritte Explosion im Zusammenhang mit den Lecks der Nord-Stream-Pipeline registriert. Die Explosion ereignete sich möglicherweise zur gleichen Zeit wie die zweite Explosion, die am Montag aufgezeichnet wurde, teilte der geologische Dienst von Dänemark und Grönland (GEUS) in einer Erklärung am Donnerstag mit.

Allerdings könnte es sich dabei auch um „Reflexionen der zweiten Explosion“ handeln, die sich am Montag (29. September) gegen sieben Uhr ereignete. Weitere Studien könnten künftig mehr Aufklärung bieten. Das Institut hatte am Montag zwei Erschütterungen in der Ostsee aufgezeichnet. Diese würden nicht denen von Erdbeben ähneln, sondern „den Signalen, die typischerweise von Explosionen aufgezeichnet werden“, zitierte CNN die Behörde.

Nord-Stream-Pipelines: Bomben mit großer Sprengkraft im Einsatz

+++ 16.00 Uhr: Die deutschen Sicherheitsbehörden gehen nach Informationen des Nachrichtenmagazins Spiegel davon aus, dass die Schäden an den Ostsee-Pipelines Nord Stream 1 und 2 nur durch Bomben mit gewaltiger Sprengkraft verursacht worden sein können. Die Berechnungen der Fachleute deuten darauf hin, dass Sprengsätze zum Einsatz kamen, deren Wirkung mit der von 500 Kilogramm TNT vergleichbar ist. Auch diese Schätzung deutet darauf hin, dass nur ein staatlicher Akteur dafür verantwortlich sein kann.

Nord-Stream-Pipelines: Russland spricht von „Terrorakt“

+++ 14.15 Uhr: Kremlsprecher Dmitri Peskow hat die Anschläge auf die Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 in der Ostsee als „Terrorakte“ bezeichnet. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters sagte Peskow, man müsse nun in Kooperation mit anderen Ländern Nachforschungen anstellen. Welche Länder er damit meinte, nannte der Sprecher nicht. Angesprochen auf Berichte des amerikanischen Senders CNN, wonach sich Hilfsboote und U-Boote der russischen Marine nicht weit von den Lecks entfernt aufgehalten hätten, sagte Peskow, die Nato-Präsenz in der Ostsee sei viel größer.

Nord-Stream-Pipelines: Nato geht von Sabotage aus

+++ 13.15 Uhr: Die Lecks in den Gas-Pipelines Nord Stream 1 und Nord Stream 2 sind auch nach Überzeugung der Nato auf Sabotage zurückzuführen. „Alle derzeit verfügbaren Informationen deuten darauf hin, dass dies das Ergebnis vorsätzlicher, rücksichtsloser und unverantwortlicher Sabotageakte ist“, hieß es in einem Statement des Nordatlantikrats der 30 Mitgliedstaaten. Ein möglicher Verantwortlicher wird in dem Statement nicht genannt. Am Morgen hatte Russland angedeutet, dass die USA die Schuld an den Vorfällen trage (s. Update v. 11.40 Uhr). Zugleich machen die Nato-Länder deutlich, dass „jeder vorsätzliche Angriff auf die kritische Infrastruktur der Bündnispartner“ mit einer „gemeinsamen und entschlossenen Reaktion beantwortet werden“ würde.

Nord-Stream-Pipelines: Experte nennt Gründe für mögliche russische Sabotage

+++ 10.25 Uhr: Sicherheitsexperte Johannes Peters hält es für „relativ unwahrscheinlich“, dass die Schäden an den Ostsee-Pipelines Nord Stream 1 und 2 durch einen Unfall entstanden sein könnten. Vielmehr vermute er Russland hinter dem mutmaßlichen Sabotageakt. „Das wirkt vordergründig natürlich etwas widersinnig, die eigenen Pipelines zu zerstören“, sagte der Experte vom Institut für Sicherheitspolitik der Universität Kiel im ARD-Morgenmagazin. Es gebe aber durchaus gute Gründe dafür.

Ein Grund sei sicherlich, ein „starkes Signal“ an Europa zu senden, vor allem an Deutschland und Polen, dass man dasselbe auch mit Pipelines machen könnte, die für unsere Versorgungssicherheit deutlich wichtiger seien, etwa die Pipelines aus Norwegen: „Also seid euch mal nicht so sicher, dass ihr für den Winter gut aufgestellt seid und dass ihr in der Lage seid, unser Gas zu kompensieren.“ Ein weiterer möglicher Grund sei, dass man im Winter „die noch intakte Nordstream-2-Röhre dazu nutzen kann, um Druck auf Deutschland zu erhöhen, wenn beispielsweise der innenpolitische Druck auf die Regierung wachsen sollte, weil die Gaspreise hoch sind, weil wir vielleicht doch nicht genügend Gas haben für den Winter“. Dann könnte Russland anbieten, durch die intakte Leitung doch noch Gas zu liefern. Dafür müsste Deutschland aber „aus dem westlichen Sanktionsregime ausscheren“.

Nord-Stream-Pipelines: Viertes Leck entdeckt

+++ 07.30 Uhr: Die schwedische Küstenwache hat ein viertes Leck in den Nord-Stream-Pipelines entdeckt. Es befindet sich auf Schwedens Hoheitsgebiet, wie die Zeitung Svenska Dagbladet berichtet. Aus dem Leck strömt Gas an die Wasseroberfläche. Demnach wurde die Stelle an der Pipeline offenbar durch ferngesteuerte Sprengsätze beschädigt. Die Untersuchungen laufen noch.

Update vom Donnerstag, 29. September, 04.30 Uhr: Durch die Explosionen an den Nord-Stream-Pipelines könnten einige Leitungen wohl „für immer zerstört“ worden sein. Das berichtet der Tagesspiegel unter Berufung auf Regierungskreise in Berlin. Dabei handelt es sich um offenbar um drei Stränge der durch die Ostsee laufenden Gas-Pipelines. Um dies aufzuhalten seien nun dringen Reparaturen notwendig, hieß es. Sonst könne der Einlauf großer Mengen an Salzwasser zum „Korrodieren“ der Pipelines führen. Eine Ätzung gilt in einem solchen Fall als wahrscheinlich.

Der Betreiber der Pipeline Nord-Stream 1 schloss Reparaturmaßnahmen zuletzt nicht aus. Das erklärte ein Unternehmenssprecher der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch. Allerdings wurden auch keine konkreten Pläne für Reparaturen vorgelegt.

Mutmaßliche Sabotage lässt Energiepreise wieder steigen

+++ 21.20 Uhr: Europäische Unternehmen verstärken die Sicherheitsvorkehrungen, nachdem die mutmaßliche Sabotage zweier Pipelines, die Erdgas aus Russland liefern, die Verwundbarkeit der europäischen Energieinfrastruktur unterstrichen hat. In der Folge steigen die Energiepreise weiter. Die EU warnte zudem vor möglichen Sanktionen, das berichtet CBC News.

Einige europäische Beamte und Energieexperten sagten, dass Russland wahrscheinlich die Schuld an der Sabotage trägt - es profitiert direkt von den höheren Energiepreisen und der wirtschaftlichen Unruhe in Europa. Am Mittwoch erhöhte der russische Energieriese Gazprom den Druck und drohte auf Twitter, den Handel mit dem ukrainischen Gasunternehmen einzustellen.

Nord-Stream-Lecks: Russland leitet Ermittlungen wegen „Terrorismus“ ein

+++ 20.23 Uhr: Russlands Geheimdienst FSB hat nach der Beschädigung der Nord-Stream-Pipelines Ermittlungen wegen „internationalen Terrorismus‘“ eingeleitet. Die russische Generalstaatsanwaltschaft teilte am Mittwoch im Onlinedienst Telegram mit, die Vorermittlungen seien eingeleitet worden, nachdem die Gaspipelines nahe der Insel Bornholm „vorsätzlich“ beschädigt worden seien, was „erheblichen wirtschaftlichen Schaden“ für Russland verursacht habe.

Nord-Stream-Pipelines: Möglicher „Riesenriss“ nach Explosionen

+++ 16.30 Uhr: Nach den Explosionen an den Gas-Pipelines Nord Stream 1 und 2 bleibt offen, ob eine Reparatur noch möglich ist. Bevor ein Vorgehen festgelegt werden könne, müssten die Schäden begutachtet werden, sagte ein Sprecher der Nord Stream AG der Deutschen Presse-Agentur. Es gebe bisher keine Bilder der eigentlichen Lecks. Es sei „beispiellos“, dass innerhalb kurzer Zeit derartige Schäden an mehreren Leitungen eingetreten seien.

Auch der Nord Stream 2 AG sind die genauen Schäden an ihrer weitgehend parallel verlaufenden Pipeline noch unbekannt. Es könne „kein Mensch momentan seriös sagen, wie es da unten aussieht“, sagte Sprecher Ulrich Lissek. Das Ausmaß könne man nur anhand der umfangreichen Blasenbildung einschätzen. „Die strukturelle Integrität der Pipeline muss massiv beschädigt sein.“ Er sprach von einem möglichen „Riesenriss“.

Nord-Stream-Pipelines: Kreml weist alle Vorwürfe weit von sich

+++ 14.45 Uhr: Der Kreml hat Vorwürfe einer angeblichen Verantwortung Russlands für die Lecks an den Gas-Pipelines Nord Stream 1 und 2 zurückgewiesen. Es sei „dumm und absurd, solche Annahmen zu treffen“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow nach Angaben der Agentur Interfax. In der Ukraine gab es Vorwürfe, Russland habe die Pipelines gezielt sabotiert, um die Energiekrise in Europa zu verschärfen und Panik vor dem Winter auszulösen. Die Europäische Union hält Sabotage als Ursache für wahrscheinlich und hat mit Gegenmaßnahmen gedroht. Dabei ließ sie jedoch offen, wen sie verantwortlich macht. Auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sprach von Sabotage (s. Update v. 11.45 Uhr).

Nord-Stream-Pipelines: Nato spricht ebenfalls von Sabotage

+++ 11.45 Uhr: In Zusammenhang mit den Lecks an den Ostsee-Gasleitungen Nord Stream 1 und 2 hat nun auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg von Sabotage gesprochen. In einem Gespräch mit dem dänischen Verteidigungsminister Morten Bødskov sei es um „die Sabotage“ der Pipelines gegangen, schrieb der Norweger auf Twitter. Zudem hätten sie über den Schutz der kritischen Infrastruktur in den Nato-Staaten gesprochen.

Bødskov sagte in Brüssel, da so viel Gas in den Leitungen sei, könne es eine oder zwei Wochen dauern, bis ausreichend Ruhe in dem Gebiet eingekehrt sei, um die Lecks in etwa 80 Metern Tiefe untersuchen zu können. Er betonte, dass sich die Vorfälle in internationalen Gewässern ereignet hätten und es sich nicht um kritische Infrastruktur seines Landes handle. Die insgesamt drei Lecks befinden sich dort in den Ausschließlichen Wirtschaftszonen Dänemarks und Schwedens.

Nord-Stream-Pipelines: EU hält Sabotage für wahrscheinlich

+++ 08.45 Uhr: Die Europäische Union hält Sabotage-Akte an den Nord-Stream-Pipelines für wahrscheinlich. Den Verantwortlichen drohen offenbar Sanktionen von EU-Seite, wie am Mittwochmorgen aus Brüssel zu vernehmen war. „Alle verfügbaren Informationen deuten darauf hin, dass diese Lecks das Ergebnis einer vorsätzlichen Handlung sind“, erklärte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell im Namen der 27 Mitgliedstaaten. Jede vorsätzliche Störung der europäischen Energieinfrastruktur werde „mit einer robusten und gemeinsamen Reaktion beantwortet werden“.

Nord-Stream-Pipelines: Sabotage durch Russland?

+++ 17.46 Uhr: „Ein Leck an drei verschiedenen Orten mit so großer Entfernung dazwischen kann nur die Folge eines vorsätzlichen Akts oder von Sabotage sein“, sagte der norwegische Militärwissenschaftler und Marineoffizier Tor Ivar Strömmen am Dienstag (27. September) der Nachrichtenagentur AFP. Zugleich komme einzig Russland für ihn als Verantwortlicher infrage.

+++ 15.45 Uhr: Auch die Ukraine hat die an Nord-Stream-Pipelines gefundenen Lecks als Sabotage bezeichnet. Es handle sich um einen „Terroranschlag“, erklärte Mychajlo Podoljak, Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Es handele sich dabei um „nichts weiter als ein von Russland geplanter Terroranschlag und ein Akt der Aggression gegen die EU“, schrieb er auf Twitter. Russlands Ziel sei die Destabilisation Europas im Winter, insbesondere im Energiesektor. „Die beste Antwort“ auf eine derartige Provokation seien „Panzer für die Ukraine“, so Podoljak.

+++ 13.45 Uhr: In der Pipeline Nord-Stream 1 wurden offenbar zwei weitere Lecks entdeckt. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Gas entweiche nun in die Ostsee, hieß es. Die Offshore-Leitungen der in russischem Besitz befindlichen Gaspipeline haben demnach "noch nie dagewesene" Schäden erlitten. Die Angaben sind nicht unabhängig prüfbar.

+++ 12.30 Uhr: Russland hat eine Sabotage an den Nord-Stream-Pipelines nicht ausgeschlossen. „Jetzt kann keine Variante ausgeschlossen werden“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. „Offensichtlich gibt es eine Zerstörung der Leitung. Und was der Grund dafür ist - da kann man bis zu dem Zeitpunkt, bis die Ergebnisse der Untersuchungen auftauchen, keine Variante ausschließen“, erklärte er weiter. Die russische Regierung sei „äußert beunruhigt“ angesichts des plötzlichen Druckabfalls in den Pipelines.

Update vom Dienstag, 27. September, 11.15 Uhr: An den beiden Pipelines Nord-Stream 1 und 2 sind laut dänischen Behördenangaben insgesamt drei Lecks entdeckt worden. Zuvor war von den Betreibern ein Druckabfall in den Röhren gemeldet worden. Das berichtet der NDR.

Zwei der drei gefundenen Lecks befinden an Nord-Stream 1 nordöstlich der Insel Bornholm, eins an Nord-Stream 2 südöstlich der Insel. Im Fall von Nord-Stream 1 befinde sich das eine Leck in dänischen und das andere in schwedischen Gewässern, bei dem von Nord-Stream 2 in dänischen, so die dänische Energiebehörde. Da aktuell keine der Erdgasleitungen in Betrieb ist, haben die Vorfälle derzeit keinerlei Auswirkung für die Energieversorgung in Europa.

Erstmeldung vom Dienstag, 27. September: Berlin – In den Gaspipelines Nord-Stream 1 und Nord-Stream 2 wurde in den vergangenen Tagen ein ungewöhnlicher Druckabfall gemessen. Die Kapazitäten sanken ungeplant. Dabei handelt es sich offenbar um keinen Zufall, wie die Bundesregierung vermutet.

Der Tagesspiegel berichtet, dass die Regierung von gezielten Angriffen auf die Pipelines ausgeht. „Unsere Fantasie gibt kein Szenario mehr her, in dem das kein gezielter Anschlag ist“, sagte eine anonyme Person, die in die Bewertung durch die Bundesregierung und die Bundesbehörden eingeweiht ist, der Zeitung. „Alles spricht gegen einen Zufall.“

Nord-Stream-Pipelines: Plötzlicher Druckabfall – Stecken Anschläge dahinter?

Sowohl die Bundesnetzagentur als auch das Bundeswirtschaftsministerium erklärten am Montagabend (26. September), dass man den Grund für den Druckabfall in den Nord-Stream-Pipelines noch nicht kenne. Man stehe mit den entsprechenden Behörden im Austausch, hieß es. Teil der geplanten Untersuchungen ist wohl eine Analyse des Meeresbodens rund um die Pipelines. Marinetaucher und U-Boote werden dafür eingesetzt. Dem Tagesspiegel-Bericht zufolge gibt es zwei mögliche Szenarien als Erklärung für den ungewöhnlichen Druckabfall: Demnach könnten sowohl Saboteure aus Russland als auch der Ukraine dahinter stecken. Dabei handelt es sich jedoch um Mutmaßungen. Keine der beiden zuständigen Regierungen hat sich bislang dazu geäußert. (tu/mse/cs/kas/chw mit dpa/AFP)

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