ZDF-Bericht

„Ich war seit März nicht feiern“ - Junge Frau erntet Shitstorm für Aussage im heute Journal

Claus Kleber moderiert im heute journal den Beitrag an
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Feiern in der Corona-Zeit: Ein Beitrag im heute journal sorgte bei Twitter für Diskussionen

Eine junge Frau erzählt in einem ZDF-Beitrag, wie sehr sie während der Pandemie das Feiern vermisst. Ihr kurzes Statement im „heute journal“ sorgt im Netz für einen riesigen Shitstorm.

Berlin - Es sind nur wenige Sekunden, in denen Ida, die junge Frau, um die es geht, in dem ZDF-Beitrag vorkommt. Doch die reichen aus, um im Netz große Wellen zu schlagen. In dem Bericht des „heute-journal“ vom 18.10. erklärt sie, wie sehr sie das Feiern vermisse.

„Ich war jetzt seit März nicht mehr feiern und davor war ich dreimal die Woche irgendwo. Das ist schon traurig, ich brauche das nämlich eigentlich, ich bin darauf angewiesen. (...) darauf zu verzichten, geht mir schon echt ab. Deswegen wird die zweite Welle auch so schwierig sein und deswegen werden auch wieder mehr Partys gefeiert, weil so viele das mittlerweile krass vermissen.“

Eine Aussage, die vor allem auf Twitter für viel Hass und Häme sorgt.

Twitter-Community lästert über Ida: User attackieren und beleidigen junge Frau im Netz

Den kurzen Video-Ausschnitt teilt ein User und kommentiert ihn mit dem Satz „Definiere First World Problems“ - will heißen: In der Krise gibt es wichtigere Dinge, als der Verzicht auf Partys. Sie solle sich mal nicht so anstellen.

Genau wie er zeigen viele Nutzer Unverständnis für Ida. So auch dieser User:

Was folgt sind Beleidigungen, Vorwürfe und Relativierungen. Allerdings können viele Nutzer Idas Aussage auch sehr gut nachempfinden und weisen auf die Bedeutung von sozialen Kontakten hin:

In dem ZDF-Bericht werden einige junge Menschen in Berlin zu Partyverboten während der Corona-Pandemie befragt (BW24* berichtete). Ein junger Mann namens Tim findet es beispielsweise nicht okay, dass Gleichaltrige während der Krise wilde Partys feiern. Er möchte sich und andere schützen, betont er.

Alicia hingegen sagt: „Wir tragen Masken, wir halten uns an alle Regeln. Aber natürlich wollen wir uns auch abends mal treffen“. Ihre Freundin Leyla fügt hinzu: „Wir sind halt jung, wir feiern gerne und wir wollen auch immer noch gerne feiern“.

Erst jüngst wendet sich Bundeskanzlerin Angela Merkel angesichts der steigenden Corona-Infektionszahlen* mit einer Videobotschaft an die Bürger. Darin bittet sie die Bevölkerung, auf das Reisen und „jede Feier, die nicht wirklich zwingend notwendig ist“ zu verzichten.

Aufgrund der Corona-Beschränkungen sind im Bundesland Baden-Württemberg Feiern auf maximal zehn Personen oder zwei Haushalte beschränkt.*

Hashtag #krassvermissen: Twitter-Userin zeigt Solidarität

Die Corona-Krise verlangt vielen Deutschen etwas ab, egal ob jung oder alt. Alle müssen dabei auf Veranstaltungen verzichten: Live-Konzerte, Filmabende oder eben Partys. Ida und viele ihrer Altersgenossen scheinen mit dem Verzicht auf Letzteres ein Problem zu haben. Doch einige User sehen das Feiern als Privileg an und belächeln die junge Frau.

Auf Twitter formiert sich unterdessen ein neuer Hashtag zur Debatte: #krassvermissen. Dort will eine Userin zwischen den Seiten vermitteln und zeigt Solidarität.

Der User, der den Video-Ausschnitt verbreitete, hat seinen Tweet mittlerweile gelöscht. In einem neuen Tweet begründet er es damit, dass er die Ausmaße seines Posts und die „ungesunde Debattenkultur“ unterschätzt habe. *BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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