Schweinefleisch betroffen

Neuer Fleisch-Skandal: Gefährliches Virus im Supermarkt gefunden

Diese Nachricht lässt den Appetit vergehen: Forscher haben in Schweinefleisch, das im Supermarkt und in Metzgereien verkauft wird, ein gefährliches Virus gefunden.

  • Wieder gibt es einen Fleisch-Skandal im Supermarkt.
  • Forscher haben ein gefährliches Virus im Schweinefleisch gefunden.
  • Eine Vielzahl von Produkten ist betroffen.

Tübingen/Dortmund - Forscher aus Tübingen haben in Schweinefleisch Hepatitis-E-Viren nachgewiesen. Verkauft wird das betroffene Fleisch regulär im Supermarkt oder Metzgereien. In wie vielen Proben die Wissenschaftler das Virus fanden, ist erschreckend.

NameHepatitis-E-Virus
KlassifikationViren
OrdnungHepeviridae
GattungOrthohepevirus
Wissenschaftlicher NameOrthohepevirus A
KurzbezeichnungHEV

Hepatitis E in Schweinefleisch: Virus im Supermarkt und Metzgereien nachgewiesen

Wissenschaftler von der Universität Tübingen haben in mehreren kommerziellen Produkten mit Schweinefleisch Hepatitis-E-Viren (HEV) nachgewiesen. Die Forscher des tropenmedizinischen Instituts des Universitätsklinikums Tübingen haben gemeinsam mit dem Robert-Koch-Institut, dem Bundesinstitut für Risikobewertung Berlin und der Medizinischen Hochschule Hannover haben Produkte mit Schweineleber und Schweinefleisch in Deutschland untersucht. Wichtig war, so teilt die Uni Tübingen mit, festzustellen, wie hoch das Infektionsrisiko mit Hepatitis E ist, das berichtet wa.de*.

Das Ergebnis der Studie zeigt nun, dass mehr als zehn Prozent aller getesteten Proben mit dem HEV kontaminiert sind.

Thirumalaisamy Velavan von der Uni Tübingen

„Das Ergebnis der Studie zeigt nun, dass mehr als zehn Prozent aller getesteten Proben mit dem HEV kontaminiert sind“, sagte Professor Thirumalaisamy Velavan vom Institut für Tropenmedizin am Universitätsklinikum Tübingen. Veröffentlicht wurden die Forschungsergebnisse im „Journal of Viral Hepatitis“. Die Forscher untersuchten Produkte mit Schweinefleisch und Schweineleber in Supermärkten und Metzgereien in Dortmund (Nordrhein-Westfalen), Stuttgart, Tübingen und Reutlingen (Baden-Württemberg).

Hepatitis E: So gefährlich ist das Virus und so kann man es bekämpfen

Das Hepatitis-E-Virus (HEV) kann eine infektiöse Hepatitis bei Menschen auslösen. HEV löst vor allem in Südostasien Epidemien aus, da die Viren während der Monsunzeit durch mit Fäkalien verunreinigtes Wasser übertragen werden. In Europa erfolgen die meisten Infektionen mit Hepatitis E durch nicht ausreichend gegartes Schweinefleisch.

In China ist seit April 2012 eine Impfung gegen das Virus als HEV 239 zugelassen. Für die Europäische Union (EU) ist dieser Impfstoff jedoch noch nicht ausreichend geprüft, sondern befindet sich noch in der klinischen Erprobung. Die Krankheit ist in Deutschland meldepflichtig. Gegen Hepatitis D hingegen wurde ein neues Medikament aus Heidelberg zugelassen.

  • Inkubationszeit: 15 bis 64 Tage
  • Meldepflicht: Besteht bei Verdacht, Erkrankung und Tod

Eine Infektion mit Hepatitis E zeigt sich in Deutschland zumeist mit relativ milden Symptomen, wie einer Gelbfärbung der Augenbindehaut und Haut, der Dunkelfärbung des Urins, Entfärbung des Stuhls, Fieber, Oberbauchbeschwerden, Müdigkeit und Verlust des Appetits. Die Beschwerden klingen in der Regel ohne Behandlung ab. Besonders gefährlich ist Hepatitis E für Schwangere und Menschen mit Lebererkrankungen. Bei schwerem Verlauf kann Hepatitis E zu akutem Leberversagen führen. Immungeschwächte Personen können eine chronische Hepatitis-E-Infektionen erleiden.

Die Viren werden im Stuhl ausgeschieden, deswegen ist die sorgfältige Beachtung aller Hygiene-Regeln für Erkrankte sehr wichtig. Die Hände müssen sorgfältig gewaschen und desinfiziert werden, die Toilette und der Wasserhahn regelmäßig gereinigt werden. Auch Handtücher sollten nur einmal benutzt werden und danach mit Unterwäsche und verunreinigter Bettwäsche bei mindestens 60 Grad gewaschen werden.

Schweinefleisch im Supermarkt: Forscher finden Viren von Hepatitis E in vielen Proben

„Nach Vergleichen mit früheren Studien deuten die Ergebnisse darauf hin, dass in Deutschland die Prävalenz von Hepatitis-E-Viren in Lebensmitteln mit Schweineleber seit zehn Jahren relativ unverändert und sehr hoch ist“, sagt Professor Thirumalaisamy Velavan vom Institut für Tropenmedizin.Im Zeitraum von Oktober 2019 bis Februar 2020 entnahmen die Forscher 41 Proben von Schweinelebern, 40 von streichfähigen Leberwürsten (Delikatessleberwurst, Hausmacher Leberwurst, Gutsleberwurst, Pfälzer Leberwurst, Sahneleberwurst), 40 von Leberpasteten und zehn von Rohwürsten ohne Leber (Braunschweiger Mettwurst, Zwiebelmettwurst, Schinken-Zwiebel-Mettwurst). Das getestete Fleisch stammten vor allem aus West- und Südwestdeutschland und aus europäischen Ländern wie Polen, Österreich, Belgien und den Niederlanden.

Die Proben der Schweinelebern wiesen einen Anteil von fünf Prozent auf, bei Leberwürsten waren es 13 Prozent. Nicht untersucht wurde nach Angaben der Wissenschaftler jedoch, wie infektiös die Viren sind. Nachgewiesene Viren können daher bereits durch etwa entsprechende Erhitzung beim Herstellen oder Kochen inaktiv sein. Vor dem Verzehr von einer bestimmten Sorte Wildfleisch* wird aktuell eh gewarnt, wie wa.de* berichtet.

Die Anzahl der Infektionen mit Hepatitis E steigt in Deutschland. 2019 wurden nach Angaben des Tübinger Instituts in Deutschland 3727 Fälle gemeldet, 16-mal soviele wie noch 2011 (damals 238 Fälle). Im August 2020 lag die Zahl für das laufende Jahr bereits bei 2280 bekannten Fällen. In den Entwicklungsländern sei HEV für circa 20 Millionen Infektionen und 70.000 Todesfälle pro Jahr verantwortlich, heißt es von den Forschern. Auch Ruhr24.de berichtet über den Hepatitis-E-Fall im Schweinefleisch.

Die Sensibilität der Kunden im Supermarkt steigt beim Fleischkauf: Nach dem Corona-Skandal bei Tönnies steht die gesamte Billig-Fleischindustrie in der Kritik. So erkennen Sie Tönnies-Fleisch im Supermarkt. -*wa.de und Ruhr24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa / Federico Gambarini

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