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Fridays for Future fordert „rote Linie“ der Grünen gegen Christian Lindner

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Von: Moritz Serif

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Christian Lindner (links) und Robert Habeck (rechts) sind nicht immer einer Meinung (Archivbild).
Christian Lindner (links) und Robert Habeck (rechts) sind nicht immer einer Meinung (Archivbild). © Fabian Sommer/dpa/picture alliance

Die Ampelregierung tut zu wenig, kritisiert Carla Reemtsma, Sprecherin von Fridays for Future. Von den Grünen erwartet sie eine Ansage.

Berlin - In der Ampelregierung von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) rumort es. Zwischen der FDP und den Grünen gibt es beim Klimaschutz und der Verkehrswende einen offenen Dissens. Christian Lindner wagte jüngst einige Vorstöße, die ein Grünen-Minister als „scheinheilig“ bezeichnete.

Doch auch Wirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck hatte einige strittige Entscheidungen verkündet. Im IPPEN.MEDIA-Interview spricht Carla Reemtsma, Klimaschutzaktivistin und Fridays-for-Future-Sprecherin, fordert insbesondere von den Grünen eine klare Haltung.

Nach Lindner-Vorstößen: Fridays-for-Future-Sprecherin fordert Antwort der Grünen

Der FDP-Chef gibt in der Ampelkoalition den Klimabremser. Christian Lindner will gegen das Verbrenner-Aus in der EU stimmen, Atomkraftwerke am Netz lassen und Prämien für E-Autos streichen. Wie sollten die Grünen ihrem Koalitionspartner jetzt begegnen?

Was wir hier sehen ist, dass es klare rote Linien braucht. Die Ampel ist als selbsternannte „Klimaregierung“ angetreten und redet davon, das Pariser 1,5-Grad-Ziel einzuhalten. Lindners Vorstöße sind damit nicht vereinbar. Es ist an der Zeit, dass insbesondere die Grünen eine rote Linie ziehen und sagen: „das geht nicht, das tragen wir nicht mit“. Selbstverständlich zählt dazu auch das Verbrenner-Verbot. Das weiß selbst die Industrie. 

Carla Reemtsma, deutsche Klimaschutzaktivistin und Sprecherin von Fridays for Future

Zur Person

Carla Reemtsma, geboren am 3. April 1998, ist eine deutsche Klimaschutzaktivistin und Mitorganisatorin von Fridays for Future in Deutschland. Sie vertritt die Klimaschutzbewegung bundesweit als Sprecherin. Greta Thunberg inspirierte sie mit einer Rede bei der UN-Klimakonferenz in Katowice 2018 zu ihrem gesellschaftlichen Engagement.

Was erwarten Sie von der SPD in dieser Situation?

Für die SPD gilt das genauso. Sie müssen eine klare Stimme haben. Die Partei trat mit dem Versprechen an, den „Klima-Kanzler“ zu stellen. Die Sozialdemokraten müssen aufhören, dauerhaft Klima und Soziales als unvereinbare Gegensätze darzustellen und damit eine zukunftsfähige Politik zu verhindern. Die Klimakrise ist eine Gerechtigkeitskrise.

Schon jetzt sind es die Menschen, die auf dem Bau oder in der Landwirtschaft arbeiten, die in kleinen Wohnungen an lauten Straßen wohnen, die unter der Klimakrise leiden und nicht die Konzernchefs in klimatisierten Büros. Klimaschutz ist eine Grundlage sozialer Gerechtigkeit. 

„Es ist politisch nicht gewollt, dass Menschen günstig den Nahverkehr nutzen können“

Was halten Sie davon, dass das Neun-Euro-Ticket nicht verlängert wird?

Das zeigt einmal mehr, dass es politisch nicht gewollt ist, dass die Menschen günstig den Nahverkehr nutzen können. Dabei brauchen wir es dringend im Hinblick auf die Verkehrswende. Vor allem, um uns von der Abhängigkeit von Öl zu lösen. Dafür brauchen wir sowohl günstigere Preise als auch einen massiven Ausbau der Infrastruktur, um kostengünstige und klimaneutrale Mobilität für alle zu ermöglichen

Stichwort Verkehrswende: Welches Land schwebt Ihnen als Beispiel vor?

Schweden ist bei der Verkehrswende schon sehr weit.

Carla Reemtsma bei Fridays for Future in Berlin.
Carla Reemtsma, Sprecherin von Fridays for Future, fordert Robert Habeck zum Handeln auf (Archivbild). © Jörg Carstensen

Robert Habeck: Carla Reemtsma fordert Kohle-Aus

Robert Habeck will Kohlekraft länger nutzen. Wie schätzen Sie diese Entscheidung ein und was muss aus ihr folgen?

Als Klimaminister muss Robert Habeck nach dieser kurzfristig klimaschädlichen Entscheidung sicherstellen, dass der im Koalitionsvertrag verankerte Kohleausstieg spätestens und nicht erst „idealerweise“ 2030 kommt. Außerdem muss Habeck Mehremissionen, die jetzt entstehen, bis 2030 eingespart haben. Wenn die Ampel eine Klimaregierung sein will, dann darf sie nicht bei jeder Entscheidung diese existenzielle Krise wieder hinten anstellen. Zudem muss Olaf Scholz sich dafür einsetzen, dass auch die G7 bis spätestens 2030 aus der Kohle aussteigen.

G7-Gipfel: Carla Reemtsma fordert Kohleausstieg bis 2030

Werden die Fridays for Future beim G7-Gipfel aktiv sein ?

Es gibt am Freitag einen Klimastreik in München. Heute hat eine Gruppe von Aktivist:innen vor dem Bundestag demonstriert, das ist ganz klar an Bundeskanzler Olaf Scholz gerichtet, denn die G7-Staaten sind die Hauptverantwortlichen der Klimakrise. Eine Analyse von Climate Analytics hat aufgezeigt, dass die Industriestaaten bis 2035 kein Gas mehr nutzen dürfen, ab 2030 schon nicht mehr Kohle. (Moritz Serif)

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