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Weltweit erster Nachweis: Spinnenart geht auf Fledermausjagd

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Von: Sina Alonso Garcia

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Während ein Fledermausjungtier (links) durch die Edle Kugelspinne getötet wurde, überlebte eine ausgewachsene Fledermaus (rechts) den Angriff.
Während ein Fledermausjungtier (links) durch die Edle Kugelspinne getötet wurde, überlebte eine ausgewachsene Fledermaus (rechts) den Angriff. © Ben Waddams Wildlife Art, Shropshire, UK (Fotomontage).

Forscher aus Irland haben erstmals Kugelspinnen beobachtet, die Fledermäuse angriffen. Obwohl die Spinnenart nur einen Zentimeter klein ist, reicht ihr Gift, um zehnfach größere Tiere zu lähmen.

Galway (Irland) - Spinnen gelten als begnadete Jäger - insbesondere die Arten, die über ein Nervengift verfügen. Ist die Beute erst mal gelähmt, kann sie problemlos verspeist werden. Einige Spinnen schrecken auch vor Wirbeltieren von der mehrfachen Größe ihrer selbst nicht zurück. Ob Fische, Frösche, Schlangen: Der Speiseplan der achtbeinigen Jäger ist vielfältig.

Wissenschaftler der University of Ireland in Galway haben nun erstmals Kugelspinnen vom Typ der Edlen Kugelspinne (auch bekannt als falsche Schwarze Witwe) beobachtet, die Fledermäuse angriffen, töteten und fraßen. Es handelt sich um die erste dokumentierte Säugetierjagd von Kugelspinnen überhaupt.

Angriff auf dem Dachboden: Forscher findet tote Fledermaus in Spinnennetz

Den ersten Fall beobachtete Ben Waddams, Biologe und Co-Autor der Studie, auf seinem eigenen Dachboden in England, wie scinexx.de berichtet. Dort hatte sich seit einiger Zeit eine Kolonie von Zwergfledermäusen angesiedelt. Als er eines Morgens im Juli 2021 den Dachboden betrat, traute Waddams seinen Augen nicht: Eine tote Fledermaus lag, eingewickelt in das Netz einer Edlen Kugelspinne, auf dem Boden. Wie der Biologe vermutete, wurde das Tier in der Nacht gefangen.

„Anzeichen für eine Manipulation und eine verfärbte Stelle am Hinterleib der Fledermaus sprechen dafür, dass die Spinne ihr Opfer gelähmt hat und es dann während der Nacht allmählich aussaugte“, so die Forscher. Die Jungfledermaus sei nach dem Überfall ziemlich verschrumpelt gewesen.

Zweiter Angriff: Ausgewachsene Fledermaus gerät ins Visier der Kugelspinne

Gerade mal einen Tag nach dem ersten dokumentierten Überfall geschah auch schon der zweite Angriff auf Waddams Dachboden. Diesmal fand er statt einer Jungfledermaus eine tote ausgewachsene Fledermaus vor. Anders als das Jungtier hatte die erwachsene Fledermaus die Spinnen-Attacke jedoch überlebt.

„In exotischeren Regionen der Welt haben Wissenschaftler schon länger beobachtet, dass Spinnen auch kleine Wirbeltiere fressen, aber wir beginnen erst zu begreifen, wie häufig dies tatsächlich vorkommt“, sagte Studienleiter John Dunbar. „Jetzt beobachten wir diese Fälle sogar vor unserer eigenen Haustür.“ Ursprünglich stammt die Edle Kugelspinne von den Kanaren*, inzwischen kommt sie auch in Europa vor und hat es sogar bis nach Baden-Württemberg* geschafft (BW24* berichtete).

Edle Kugelspinne: Forscher beobachten, wie sie sich an europäische Bedingungen anpasst

„Diese Studie präsentiert nun ein weiteres Beispiel für die Auswirkungen, die die Edle Kugelspinne auf heimische Spezies hat“, so Dunbar. „Sie ist nicht nur konkurrenzfähiger als unsere Spinnenarten, sondern wirkt sich auch auf potenzielle Beutetiere aus.“ Sein Kollege ergänzt: „Wir haben schon eine Menge über diese Spinnenart gelernt, aber wir sind doch immer wieder überrascht, wie gut sie sich an neue Umgebungen anpasst und das Beste aus den vorhandenen Ressourcen macht.“

Zwar kann sie Fledermäuse töten, für Menschen ist das Gift der Edlen Kugelspinne jedoch nicht stark genug. In Mexiko entdeckten Forscher hingegen eine Spinnenart, die menschliches Fleisch zersetzen kann.* Damit können es etwa die fünf giftigsten Tiere Deutschlands* bei weitem nicht aufnehmen. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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