Covid-19

Brisanter Corona-Bericht aus Deutschland: Patienten wollen lieber sterben, als beatmet werden

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Coronavirus in Deutschland: Einige Patienten mit Covid-19 müssen auf der Intensivstation behandelt werden (Symbolfoto).

Infektionen mit dem Coronavirus verlaufen sehr unterschiedlich. Schwerkranke Corona-Patienten müssen in der Klinik behandelt werden. Ein Ärzte-Team hat eine Studie interessante Studie veröffentlicht.  

München - Es sind wohl vor allem Bilder von Szenen aus Krankenhäusern in Italien, die vielen im Gedächtnis bleiben: Schläuche, Maschinen und  Patienten mit Sauerstoffmasken im Gesicht. Aber auch Szenen, wie Menschen auf dem Bauch liegen - nur die Füße zu sehen sind. 

Intubiert, künstliches Koma, Lungenentzündung oder akutes Atemnotsyndrom und Triage* - Begriffe, die mittlerweile offenbar zu unserem Alltag gehören. 

Coronavirus in Deutschland: Erste Studie über Corona-Patienten 

Ein Ärzteteam der Uniklinik Aachen hat im „Deutschen Ärzteblatt“ eine medizinische Studie über Corona-Patienten in Deutschland veröffentlicht.

Dabei wurden die ersten 50 Patienten mit Covid-19 untersucht und beschrieben. Die Uniklinik Aachen hat nach eigenen Angaben ausschließlich Erkrankte mit schweren Symptomen aufgenommen. Ausdrücklich weist die Uniklinik in einer Pressemitteilung daraufhin, dass diese Daten nichts über milde Verläufe der Infektion beziehungsweise die davon betroffenen Menschen aussagen würden.

Uniklinik Aachen beschreibt Covid-19-Patienten  

Die 50 Patienten wurden bereits im Februar 2020 in die Klinik aufgenommen. Die Mediziner fokussierten sich in ihrer Studie auf Patienten mit dem sogenannten akuten Atemnotsyndrom (im medizinischen Fachjargon: ARDS für „acute respiratory distress syndrome“), das unterschiedlich bei den Patienten unterschiedlich ausgeprägt war.

24 von ihnen mussten intubiert oder in ein künstliches Koma versetzt werden. 26 Patienten wurden mit Sauerstoff auf einer Isolierstation versorgt. Sieben Patienten sind verstorben. Mittlerweile konnten 20 Patienten als geheilt entlassen werden. Als die Studie erstmals publiziert wurde, waren es nur acht Patienten.

Coronavirus: So beginnt ein schwerer Covid-19-Verlauf

  • Die Patienten waren durchschnittlich 65 Jahre alt und litten an Vorerkrankungen. Blutdruck, Diabetes und Erkrankungen der Atemwege waren besonders häufig zu finden. 
  • Zu Beginn der Covid-19-Erkrankung zeigten die Patienten erste Symptome wie Fieber, Husten und waren kurzatmig.
  • Nach Auftreten der ersten Symptome wurden die Patienten ungefähr nach vier Tagen mit Atemnot und Fieber in die Klinik eingewiesen.

„Im Krankenhaus selbst sehen wir sehr häufig Zeichen einer Lungenentzündung im Röntgenbild. Typischerweise fiebern die Patienten dann über mehrere Tage, die Infektwerte im Labor sind lange erhöht und die Patienten benötigen Sauerstoff. Bei einigen Patienten kommt es während des stationären Aufenthalts zu einer weiteren Verschlechterung“, berichtet Studienleiter Prof. Michael Dreher, Direktor der Klinik für Pneumologie und Internistische Intensivmedizin am Uniklinikum Aachen, gegenüber der Bild. Verschlechtert sich die Situation, müssen Patienten intubiert und in ein künstliches Koma versetzt werden.

Coronavirus: „Die Patienten sind verängstigt“

„Die Patienten sind natürlich verängstigt. Wenn man ihnen jedoch erklärt, wie wir vorgehen, wie es ihnen aktuell geht und was wir tun können, ist der größte Teil beruhigt“, so Prof. Dreher. Allerdings sei die Situation für Patienten in der Klinik schwierig. Nur Telefongespräche seien erlaubt. „Natürlich ist ein Besuchsverbot für manche sehr belastend.“

Mehrere Patienten haben eine Intubation abgelehnt, heißt es in der Studie. „Natürlich gibt es Patienten, die eine intensivmedizinische Therapie und/oder eine Beatmung grundsätzlich ablehnen“, so Prof. Dreher. Dies sei bei vier Personen der Fall gewesen. 

Hintergrund, sei seiner Aussage nach gewesen, dass Patienten aufgrund ihres Alters oder schweren Vorerkrankungen selbst entscheiden können, welche medizinische Therapie sie im Falle einer Verschlechterung ihres Krankheitszustands wähle.  

Lukas Radbruch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, beruhigte angesichts von Angst vor einem qualvollen Tod durch die vom Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19. In einem Interview betonte Radbruch es gebe genügend wirksame Medikamente, um die Symptome von Covid-19 zu lindern - sowohl Schmerzen als auch Atemnot und Angst. Dies gelte auch dann noch, wenn Schwerstkranke nicht mehr zu retten seien.

Eine Infektion mit dem Coronavirus verläuft bei einigen Menschen dramatisch. Covid-19-Patienten kämpfen um ihr Leben. Männer scheinen häufiger schwer betroffen zu sein als Frauen. Forscher haben jetzt einen Hinweis. 

Die Coronavirus-Fälle in Deutschland nehmen zu. In unserem News-Ticker finden Sie alle Entwicklungen.

ml

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