Australien, China, Japan & Co.

Während Corona in Europa wütet: China, Japan und Co. haben das Virus im Griff - Das ist ihr Erfolgsrezept

Während in Europa und den USA die zweite Welle der Corona-Pandemie für Rekordwerte bei den Infektionszahlen sorgt, haben andere Länder die Lage besser im Griff.

  • In Europa und den USA sorgt die zweite Welle* der Corona-Pandemie* fast täglich für Rekordwerte.
  • Australien, China und weitere Länder haben die Corona-Krise* aktuell besser im Griff.
  • Ein Blick auf die dort getroffenen Maßnahmen zeigt, woran das liegen könnte.

München - Die zweite Welle der Coronavirus-Pandemie rollt derzeit über Deutschland, Europa und die USA. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete am Freitag erstmalig mehr als 20.000 Corona-Neuinfektionen innerhalb eines Tages für die Bundesrepublik. Viele europäische Staaten befinden sich in einem zweiten Lockdown. In den USA wurden zuletzt mehr als 120.000 neue Ansteckungen und 1210 Todesfälle in Zusammenhang mit dem Coronavirus binnen 24 Stunden gemeldet. In einigen Ländern am anderen Ende der Welt hat sich die Lage hingegen mittlerweile ein wenig entspannt.

Corona in China: Strikte Isolation ganzer Millionenstädte und Massentests

Die autokratische Volksrepublik China hat ihrer Bevölkerung im Kampf gegen das Coronavirus* einiges zugemutet. Millionenstädte wurden teilweise wochenlang komplett abgeriegelt. Eine Kombination aus strikter Isolation, Massentests und einer praktisch lückenlosen digitalen Nachverfolgung von Fällen, bei der die Privatsphäre nicht berücksichtigt wird, haben allerdings dazu geführt, dass das Milliardenvolk besser durch die Krise gekommen ist als ein Großteil des Westens.

Seit Monaten gibt es nach Angaben der Führung kaum neue Corona-Infektionen. Eine Ausnahme stellte dabei der Ausbruch in einer Fabrik in der westchinesischen Region Xinjiang dar. Das Leben und die Wirtschaftstätigkeit in China konnten sich wieder normalisieren. Ökonomen gehen davon aus, dass China in diesem Jahr die einzige große Volkswirtschaft sein wird, die das Jahr mit einem positiven Wachstum abschließen kann.

Nach einem Corona-Ausbruch in einer Fabrik in der nordwestchinesischen Region Xinjiang kam es zu Massentestungen.

Corona in Taiwan: Erfahrungen aus Kampf gegen Sars-Virus 2003 helfen

Die Inselrepublik Taiwan hat bereits seit mehr als 200 Tagen keine lokalen Corona-Fälle* mehr verzeichnet. Der kleine Nachbar der Volksrepublik China kam gut durch die Krise, weil er vorgewarnt war und schnell reagierte. Bereits im Jahr 2003 hatte Taiwan mit der Lungenkrankheit Sars zu kämpfen, die ebenfalls vom Nachbarland ausgegangen war. Daraufhin wurde der Pandemie-Schutz deutlich verbessert.

Die Behörden in Taiwan begannen im Dezember, als es die ersten Berichte über den Coronavirus-Ausbruch in China gab, sofort damit, die Insel stufenweise abzuschotten. Bereits zu Beginn der Krise war ein großer Vorrat an Schutzmasken und anderer medizinischer Ausrüstung verfügbar. Ein harter Lockdown war in Taiwan zu keinem Zeitpunkt notwendig.

Corona in Japan: Bevölkerung legt viel Wert auf Hygiene

In Japan wurde die Regierung dafür kritisiert, dass sie in den ersten Monaten seit Beginn der Coronavirus-Pandemie kaum Anstrengungen unternommen hatte, um die Testkapazitäten* zu erhöhen. Man profitierte jedoch von einer Bevölkerung, die sehr viel Wert auf Hygiene legt. Viele Bürger trafen ihre eigenen Vorkehrungen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Beispielsweise trugen so gut wie alle Japaner seit Beginn der Pandemie konsequent einen Mund-Nasen-Schutz. Japan, das mehr Einwohner als Deutschland hat, zählte bisher insgesamt etwas mehr als 103.000 bekannte Infektionen und etwa 1800 Todesfälle.

Corona in Neuseeland: Strenge Lockdowns, Grenzkontrollen und Quarantäne

Nach einem strengen Lockdown hatte sich Neuseeland bereits im Juni erstmals für frei von Corona erklärt. Die Bevölkerung kehrte zu einer relativen Normalität zurück. Nach neuen Fällen im August in Auckland, wurde in der Stadt zügig wieder ein vorübergehender Lockdown verhängt. Derzeit müssen die knapp fünf Millionen Einwohner Neuseelands keine Maske mehr tragen. Die Bürger sollen lediglich per App Bewegungsprofile anlegen und Hygieneregeln einhalten.

Zusätzlich gibt es strenge Grenzkontrollen und staatliche Quarantäne für jeden Einreisenden. Experten zufolge hat auch die Kommunikationsstrategie der Behörden zum Erfolg beigetragen. So sei alles getan worden, um eine Stigmatisierung zu vermeiden.

Corona in Australien: Mehrmonatiger strikter Lockdown in Victoria

Zum Erfolg in Down Under haben vor allem Grenzschließungen beigetragen. Dabei wurden nicht nur die Außengrenzen des Landes geschlossen, sondern auch die Grenzen innerhalb Australiens. Diese werden erst jetzt langsam aufgehoben. Zudem müssen alle Einreisenden für 14 Tage in staatliche Quarantäne.

Die Region Victoria mit der Millionenmetropole Melbourne war bislang am schlimmsten von der Corona-Pandemie betroffen. Im Juli kam es dort zu einer zweiten Welle. Etwa 90 Prozent aller Toten in Verbindung mit Covid-19 in Australien wurden bislang in Victoria registriert. Es folgte ein mehrmonatiger strikter Lockdown. Im bevölkerungsreichsten Bundesstaat New South Wales mit der Stadt Sydney wurde das Coronavirus hingegen durch viele Tests und Kontaktnachverfolgungen unter Kontrolle gebracht. Dort sind unter Auflagen auch wieder Veranstaltungen erlaubt. Lediglich in Melbourne gibt es noch eine Maskenpflicht.

Corona in Vietnam: Plakate, die Maskenverweigerern, die jemanden anstecken, mit Haft drohen

Vietnam hat genau wie Taiwan Erfahrung mit Viruserkrankungen. Es war das erste Land, in dem 2003 das Sars-Virus außerhalb Chinas bestätigt wurde. Der WHO zufolge war es auch das erste Land, das den Ausbruch damals unter Kontrolle brachte. Diese Erfahrungen haben in der Corona-Pandemie geholfen. Vietnam ging bereits am 1. April, als erst wenige Hundert Fälle im Land bestätigt worden waren, in einen dreiwöchigen Lockdown.

Hinzu kamen viele Corona-Tests*, strenge Quarantäne-Regeln und eine rigorose Nachverfolgung von Kontakten. Die Behörden wendeten allerdings auch Maßnahmen an, die in Europa nicht denkbar wären. In Ho-Chi-Minh-Stadt wurde beispielsweise auf Plakaten gewarnt, dass Personen, die keine Maske trügen und jemanden mit dem Coronavirus ansteckten, bis zu zwölf Jahren Haft drohten.

Corona in Südkorea: Disziplin in der Bevölkerung - entschlossenes Vorgehen der Regierung

Südkorea bekam die Corona-Pandemie vergleichsweise schnell in den Griff und konnte bisher einer zweiten größeren Infektionswelle entgehen. Das ist insbesondere einer großen Disziplin der Bevölkerung und einer entschlossenen Vorgehensweise der Regierung zu verdanken. Es gibt zwar nach wie vor Kontaktbeschränkungen und strenge Quarantäne-Bestimmungen, doch Südkorea mit seinen 51,6 Millionen Einwohnern kam bislang ohne einen großflächigen Lockdown aus. Zudem gibt es strenge Schutzmaßnahmen bei der Einreise von Ausländern oder von aus dem Ausland kommenden Südkoreanern. Mit Ausnahmen einiger Gruppen gilt für jeden Einreisenden eine zweiwöchige Quarantänepflicht. (ph/dpa) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © picture alliance/-/YNA/dpa

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