Deutsche Bahn zu inkonsequent

Corona-Chaos in Bus und Bahn: Von 0 bis 500 Euro - so viel müssen Maskenverweigerer blechen

In Deutschland sind sie immer öfter zu beobachten: Maskenverweigerer. In Bus und Bahn sind sie nicht dazu bereit, Mund- und Nasenschutz zu tragen. Das kostet - oder auch nicht.

München - Seit Ende April herrscht in Deutschland eine bundesweite Maskenpflicht. Beim Einkaufen oder Besuch im Restaurant sowie in Bus und Bahn ist das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes obligatorisch. Hält man sich nicht an das Gebot, drohen teils empfindliche Strafen. Doch diese sind regional sehr unterschiedlich - und werden nicht von jedem akzeptiert. Ein Überblick.

Corona-Maskenpflicht in Bus Bahn: Von 0 bis 500 Euro - extrem Bußgeldunterschiede

Grundsätzlich zeigt sich beim Blick auf die Strafen das coronagewohnte Bild. Deutschland steht einmal mehr als Flickenteppich da, weil so gut wie jedes Bundesland seine eigenen Regeln hat. In Brandenburg, Sachsen oder Sachsen-Anhalt gibt es für Maskenverweigerer bisher quasi gar keine Strafen. Die Behörden scheinen derartiges Verhalten zu dulden. Selbiges galt bis vor kurzem auch für Hamburg, wo an Wochenenden in U-Bahnen knapp 15 Prozent Nicht-Maskenträger angetroffen worden seien. Nun reagiert die Hansestadt und kündigt eine Vertragsstrafe an. Diese solle bei 40 Euro liegen. Auch im Saarland drohte lange keine Strafe, doch nun plant die Landesregierung um Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) Bußgelder in Höhe von 500 Euro - ein im bundesdeutschen Vergleich sehr hoher Betrag.

In Düsseldorf etwa gibt es per se zwar ein Bußgeld von 100 Euro, doch dieses werde „nur bei Zuwiderhandlung nach der Aufforderung zum Tragen“ ausgesprochen, wie ein Sprecher der Stadt gegenüber der „Welt“ erklärte. Einsicht schützt vor Strafe. Nordrhein-Westfalen plant nun aber offenbar, den Betrag im ganzen Bundesland auf 150 Euro zu erhöhen. Diese Bußgeldhöhe gilt aktuell auch in Bayern und in weiten Teilen Baden-Württembergs, wo die lokale Preisspanne jedoch sogar bis 250 Euro geht. Die 150er-Marke soll indes auch in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen angepeilt werden. In der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover waren bisher lediglich 20 Euro fällig, in Mecklengburg-Vorpommern fünf Euro mehr. In Berlin und Hessen sind es momentan 50 Euro, in Thüringen 60.

Corona-Chaos in Bus und Zügen: Deutsche Bahn zieht nur bedingt mit

Regional gelten also (mal wieder) teils große Unterschiede, doch wie verhält es sich bei der bundesweit agierenden Deutschen Bahn? Dort werden in Fernzügen tatsächlich noch keine Bußgelder erhoben. Die Bahn-Spitze schafft es aus unerfindlichen Gründen schlicht nicht, die Maskenpflicht in ihre Beförderungsbedingungen aufzunehmen. Die Bahn unterstützt zwar die jeweiligen Länder, doch die Durchsetzung der Strafen liegt damit weiter an der jeweiligen Landespolizei sowie den Ordnungsämtern. Eine einheitliche Regelung in Zügen der DB fehlt.

Laut aktuellem Stand der Forschung sind jedoch besonders sogenannte Aerosole gefährlich bei der Verbreitung des Coronavirus*. In Fernzügen mit erfahrungsgemäß weniger Zwischenhalten herrscht dementsprechend weniger Luftzufuhr. Ein Faktor, der das Infektionsrisiko erhöht.

Corona-Maskenpflicht bei der Deutschen Bahn: Gewerkschaftschef schimpft - „uns sind die Hände gebunden“

Zuletzt gab es bei der Deutschen Bahn zudem ein großes Problem hinsichtlich der Kontrollmöglichkeiten. Dem Zugpersonal mangele es an Kompetenzen, wie Claus Weselsky, Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokführer, zuletzt öffentlicht kritisierte: „Die Ausgangsposition für die Zugbegleiter ist schon dadurch schlecht, dass die Pflicht zum Tragen einer Maske nicht Teil der Beförderungsbedingungen ist“, sagte der GDL-Boss der „Süddeutschen Zeitung“ (Donnerstag). Den Kontrolleuren seien „in letzter Instanz die Hände gebunden“.

Die Bahn will die Einhaltung der Maskenpflicht jedoch notfalls mit Verweisen durchsetzen. Bei Fahrgästen, die sich hartnäckig weigern, sind solche Verweise nach Angaben des Konzerns bereits möglich. Weigerten sich Fahrgäste nach wiederholter Aufforderung, die Maske aufzusetzen, werde der Fahrgast am nächsten Halt aus dem Zug gebeten - gegebenenfalls komme die Bundespolizei hinzu und zeige Verstöße auch an.

Corona-Chaos in Bus und Bahn: Faustschlag und Pfefferspray - Maskenverweigerer rebellieren

Die Behörden scheinen jedoch etwas überfordert mit dem zusätzlichen Arbeitsaufwand. In Corona-Zeiten sind die Kapazitäten ohnehin schon extrem stark ausgelastet. Es mangelt an Personal, das sich um uneinsichtige Maskenverweigerer kümmert. Wie resistent diese Menschen seien können, zeige zwei aktuelle Fälle aus Bayern*.

Im unterfränkischen Sailauf schlug ein junger Mann ohne Mund-Nasen-Schutz einen Busfahrer mit der Faust ins Gesicht, weil der ihn nicht einsteigen lassen wollte. In einer Augsburger Straßenbahn verspürte ein Unbekannter im Streit um die Maskenpflicht Pfefferspray und verletzte damit 13 Personen. Ob höhere Strafen derartigem Fehlverhalten entgegenwirken? Es wäre zumindest ein Anfang. (as) *merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Aktuell wird über eine Reservierungspflicht bei der Deutschen Bahn diskutiert. Vekehrsminister Andreas Scheuer (CDU) lehnt die neue Bahn-Regel des Geldes wegen ab - FDP-Experte Christian Jung warnt vor „Hygiene-Chaos“. Drohen nun „Corona-Züge“?

Ab September 2020 soll die Maskenpflicht in Zügen und an Bahnhöfen noch stärker kontrolliert werden, um eine Ausbreitung des Virus einzudämmen. Die Deutsche Bahn überraschte indessen mit einer Million ermäßigter Tickets. Doch diese sind nur für eine Gruppe erhältlich.

Rubriklistenbild: © Annette Riedl/dpa

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