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Big-Brother-Award: Negativpreis für Datenmissbrauch bei Lieferando, Klarna und Polizei

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Von: Tanja Koch

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Auf Schritt und Tritt verfolgt: Lieferando hat den Negativpreis Big-Brother-Award erhalten, weil das Unternehmen Verhaltensdaten seiner Kuriere erfasst.
Auf Schritt und Tritt verfolgt: Lieferando hat den Negativpreis Big-Brother-Award erhalten, weil das Unternehmen Verhaltensdaten seiner Kuriere erfasst. © Jan Woitas/dpa

In Bielefeld wurde der Big-Brother-Award verliehen. Er macht darauf aufmerksam, wenn beispielsweise Unternehmen oder Institutionen Angestellte überwachen.

Bielefeld – Seit 2000 macht der Big-Brother-Award jedes Jahr darauf aufmerksam, wenn Unternehmen oder Institutionen Daten ungerechtfertigt erfassen, fragwürdig abspeichern oder missbrauchen. Bei der diesjährigen Verleihung am 29. April 2022 in Bielefeld ging der Negativpreis für „Datensünder“ an die Polizei, den Lieferdienst Lieferando und den Zahlungsdienstleiter Klarna. Weitere „Anti-Preise“ gingen am Freitagabend in Bielefeld an die Bundesdruckerei sowie die irische Datenschutzbehörde DPC. 

In der Kategorie Arbeitswelt ging der Preis an den Lieferdienst Lieferando, der bereits in der Vergangenheit wegen schlechter Arbeitsbedingungen kritisiert worden war. Hintergrund sei eine „Totalkontrolle“ der Auslieferer mithilfe einer App. Sekundengenau zeichne diese mehrere Verhaltensaspekte der Fahrerinnen und Fahrer auf.

Der Zahlungsdienstleister Klarna, vor dem auch die Verbraucherzentrale bereits gewarnt hatte, wurde im Bereich Verbraucherschutz gerügt. Das Unternehmen aus Schweden erfasse und sammle intransparent Daten und Macht als Shopping-Service, Zahlungsdienstleister, Preisvergleichsportal und Bank.

Auch die Bundesdruckerei und die Datenschutzbehörde DPC wurden mit dem Big-Brother-Award „ausgezeichnet“

Stellvertretend für die Polizei wurde das Bundeskriminalamt gerügt. Dabei ging es um die Art der Speicherung und Nutzung personenbezogener Daten. Diese seien der Begründung für die Rüge zufolge oft nicht oder nicht ausreichend gekennzeichnet. Infolge könnten Millionen Menschen von der Polizei oder anderen Behörden ungerechtfertigt als Gefährder oder Straftäter behandelt werden.

Für eine kritikwürdige Nutzung der „Blockchain“-Technologie wurde die Bundesdruckerei mit dem Negativ-Preis in der Kategorie Technik „ausgezeichnet“. Personenbeziehbare Daten in der Blockchain zu speichern, sei „ein Totalschaden für den Datenschutz“, begründete der Verein. Denn: In einer Blockchain gespeicherte Daten könnten nicht mehr gelöscht werden.

Für ihr Lebenswerk wurde die irische Datenschutzbehörde DPC gerügt. Die Behörde verhindere aktiv, dass das europäische Datenschutzrecht durchgesetzt wird. Irland biete sich Tech-Konzernen wie Google, Apple, Facebook, WhatsApp und Microsoft als „Steueroase“ an, hieß es.

Big-Brother-Award: 2021 wurden Google und die Europäische Kommission gerügt

Die deutschen Big-Brother-Awards werden vom gemeinnützigen Verein Digitalcourage gemeinsam mit weiteren Bürgerinitiativen vergeben. Der Verein setzt sich seit 1987 für Grundrechte und Datenschutz vor dem Hintergrund der Digitalisierung ein. 

Im vergangenen Jahr ging der Preis beispielsweise an Google für Manipulation des Internet-Werbemarktes, das „Aushungern von Kreativen und Medien“ und die Enteignung digitaler Persönlichkeiten. 

Die Europäische Kommission wurde im Bereich Verkehr gerügt. Das Verfahren „On-Board Fuel Consumption Meter“ würde erhebliche Mengen an technischen Informationen eines Autos aufzeichnen und zusammen mit der Fahrzeugidentifikationsnummer an den Hersteller übermitteln. Seit Anfang 2021 ist das Verfahren für Neuwagen verpflichtend. (Tanja Koch)

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