Interview mit der Hauptdarstellerin

ZDF-Dreiteiler mit Svenja Jung: „Der Palast“ erzählt von Trennung, Tanz und Tränen in Berlin vor dem Mauerfall

Der Palast
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„Es braucht ja nicht nur die Bewegung, sondern auch enorme Ausdauer“: Für ihre Rolle als Chris musste Svenja Jung hart trainieren. Um den laufenden Betrieb nicht zu stören, wurden alle Szenen, die im Friedrichstadtpalast spielen, nachts gedreht.
  • Katrin Basaran
    VonKatrin Basaran
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Das ZDF startet am Montag (3. Januar 2022) mit dem Event-Dreiteiler „Der Palast“. Während Svenja Jung in einer Doppelrolle brilliert, ist der Berliner Friedrichstadtpalast der heimliche Star der Serie.

Es ist stockdunkle Nacht, als Roland Wenninger in den Tagen des Mauerbaus mit Baby Marlene im VW Käfer aus Ost-Berlin in den Westen flieht. Zurück bleibt seine Freundin Rosa Steffen – mit Marlenes eineiiger Zwillingsschwester Christine. So beginnt der opulente Dreiteiler „Der Palast“, der am 3., 4. und 5. Januar jeweils um 20.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt wird. Zusätzlich ist er auch in der Mediathek des Mainzer Senders abrufbar.

Marlene und Chris wachsen getrennt voneinander „hüben und drüben“ auf. Sie wissen nichts voneinander, bis Marlene geschäftlich aus Bamberg nach Ost-Berlin reisen muss und dort eine Revue des berühmten Friedrichstadtpalastes erlebt. Fast trifft sie der Schlag, als sie in einer der Tänzerinnen ihr Pendant entdeckt. Gemeinsam versuchen die Zwillinge, das Familiengeheimnis zu lüften. Dafür tauschen sie sogar ihre Identitäten – ein riskantes Unterfangen in den politisch explosiven Zeiten kurz vor dem Mauerfall. Svenja Jung ist in diesem ebenso spannenden wie warmherzig erzählten Epos mit Stars wie Anja Kling, Heino Ferch und Friedrich von Thun als Marlene und als Christine zu erleben. Wir haben mit der 28-Jährigen über die Herausforderung einer Doppelrolle, Familie, Freundschaft und das Tanzen gesprochen.

In „Der Palast“ erlebt man Sie in einer Doppelrolle als die Zwillingsschwestern Marlene und Chris. Wie spielt man mit sich selbst?

Das ist schon verrückt, sehr technisch! In den Szenen, in denen man beide frontal sieht, habe ich praktisch mit der Luft interagiert. Mir wurde zum Beispiel der Text von Chris eingespielt, auf den ich dann als Marlene reagiert habe – und dann das Gleiche andersherum mit dem Ton von vorher. Schwierig war, dass ich dabei auch mein imaginäres Gegenüber direkt anblicke. Dafür wurden mir Kreuzchen hingeklebt, an denen ich mich orientieren konnte. Das haben, glaube ich, so viele Schauspieler auch noch nicht gemacht. (Lacht.) Die größte Herausforderung war aber, mich am Set immer wieder in den Charakter, ihre Bewegungen, die jeweilige Stimme, das Erlebte und die daraus folgenden Emotionen hineinzuversetzen. Ich habe beide ja oft an einem Tag gespielt.

Sind Sie da nie durcheinandergekommen?

Total. Und ganz ehrlich: Zwischendurch musste ich auch mal überlegen, wer ich, Svenja Jung, eigentlich bin. (Lacht.)

Sie haben beim Dreh mit Ihrer jüngeren Schwester zusammengearbeitet.

Stimmt, meine kleine Schwester Christine hat Marlene gedoubelt. Wenn die Zwillingsszenen gedreht wurden, war sie mit mir den ganzen Drehtag zusammen. Das war super und hat mir viel Halt gegeben.

Das Verhältnis der Schwestern Jung hat durch die Zusammenarbeit also nicht gelitten?

Ich würde sagen, wir stehen uns jetzt noch näher. Wenn man Schwestern spielt und auch noch Schwester ist, sich einfach alles um das Thema dreht, intensiviert sich das Verhältnis. Auch wenn wir uns mal gestritten haben, das ist unter Geschwistern ja normal. Und sie hat alles großartig bewältigt, dabei hat sie gar keine Schauspielerfahrung. „Der Palast“ war ihr erstes Casting. Aber auch wenn sie viel Spaß hatte, möchte sie diesen Weg nicht weiterverfolgen.

ZDF: Svenja Jung spielt in „Der Palast“ Zwillinge

Chris oder Marlene – mit welcher der Zwillingsschwestern wären Sie lieber befreundet?

Ich würde gern mit beiden befreundet sein, käme mit Chris aber besser klar.

Rollentausch: Svenja Jung als Ostdeutsche Chris und als ihre westdeutsche Zwillingsschwester Marlene, die sich als die jeweils andere ausgeben.

Warum?

Chris geht es mehr um das Miteinander, um Gespräche auf Augenhöhe. Sie hat feine Antennen, ist empathisch. Durch das Tanzen hat sie eine großartige Kraft und Ausstrahlung. An Marlene kann man sich hingegen gut reiben, mit ihr diskutieren, sie fordert einen mehr. Beide ergänzen sich – und bewegen sich während der Serie aufeinander zu. Marlene wird sensibler, Chris lernt Haltung – in politischer wie persönlicher Hinsicht. Ich finde, jeder sollte eine Chris und eine Marlene im Leben haben.

Die Produktion spielt im Jahr des Mauerfalls, 1989. Sie sind 1993 geboren. Wer hat Ihnen geholfen, sich in die Lebensart und das Gefühl dieser Zeit sowohl aus Ost- wie aus Westperspektive hineinzuversetzen?

Meine Kollegin Anja Kling, die ja als Ostdeutsche noch vor dem Mauerfall geflüchtet ist, hat mir gerade in der Findung von Chris sehr geholfen. Dann kam mir zugute, dass ich mich durch meine Rolle in „Deutschland 89“ mit der Historie schon einmal auseinandergesetzt hatte. Und mit Rodica Doehnert, die das Drehbuch geschrieben hat und selbst im Osten aufwuchs, habe ich fast jeden Tag telefoniert und sie mit Fragen zu Details gelöchert. Durch Regisseur Uli Edel, der aus dem Westen stammt, wurde dann alles ausgewogen ergänzt.

Familiengeheimnis: Chris’ Mutter (Anja Kling, re.) hat ihrer Tochter Chris (Svenja Jung, li.) nie von deren im Westen lebender Zwillingsschwester erzählt.

Der Berliner Friedrichstadtpalast ist berühmt für seine Girl Line: Svenja Jung tanzt mit

Sie tanzen seit Ihrer Kindheit. Dennoch ist es sicher eine Herausforderung, in der berühmten Girl Line des Friedrichstadtpalastes aufzutreten?

Ich habe erst neulich wieder davon geträumt, ich müsste in der Kick Line auftreten! (Lacht.) Klar, ich habe viel dafür trainiert. Denn obwohl ich viel tanze, ist das, was die Profitänzer leisten, noch mal etwas anderes. Es braucht ja nicht nur die Bewegung, sondern auch enorme Ausdauer. Das ist der Körper nicht gewohnt. Zum Glück habe ich kurz vor dem „Palast“ den Tanzfilm „Fly“ mit den Flying Steps gedreht, darauf konnte ich aufbauen.

Sie mussten oft nachts drehen, weil der Friedrichstadtpalast renoviert wird. Sind Sie eine Nachteule?

Gar nicht. Alle Szenen, die im Palast zu sehen sind, auch in den Fluren, Backstage oder in den Masken, sind zwischen acht Uhr abends und sieben Uhr morgens gedreht worden – dann kam die Bühnenbauabteilung des Friedrichstadtpalastes. Und wenn du morgens um drei noch mal eine Choreografie tanzen musst und noch mal und noch mal – dann ist das für alle Beteiligten herausfordernd. Aber es hat sich gelohnt: Nachts auf der Bühne zu tanzen hat etwas Magisches, Freies, etwas Grenzenloses – und das spürt man in den Szenen.

Das Gespräch führte Katrin Basaran.

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