„Aus Privacy-Sicht bedenklich“

ZDF-„Traumschiff“, „heute Journal“, ARD-„Tatort“: TV-Sendungen ermöglichen massive Smartphone-Spionage

Wer gemütlich „Traumschiff“, „Polizeiruf“ oder das ZDF-„heute Journal“ ansieht, muss aufpassen. Das Smartphone kann dadurch zur Wanze im Wohnzimmer werden.

  • Beliebte TV-Formate können dafür sorgen, dass das Smartphone zur Wanze wird. 
  • Sprachassistenten reagieren leicht auf Sätze aus dem Fernseher und schalten sich ungewollt ein. Dann hört der Hersteller mit. 
  • Die Geräte von Apple, Microsoft, Amazon, Google und Co. wurden darauf getestet.

Bochum - Die Ruhr-Universität Bochum hatte einen Verdacht und fördert mit einer Studie nun beklemmende Erkenntnisse zutage. Smartphones und Smartspeaker können schnell zu Wanzen im Wohnzimmer werden. „Wenn Sprachassistenten zuhören, obwohl sie gar nicht sollen“, betiteln die Forscher ihre Untersuchungen. Gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut beleuchtete man, wie die Privatsphäre geschützt wird. 

Offenbar leider sehr schlecht. Geräte mit Spracherkennung lauschen immer mit. Ganz ausgeschaltet sind sie eigentlich nie. Alexa“, „Siri“ und Google sind permanent auf Abruf. Bestimmte „Keywords“ sollen sie erst gänzlich aktivieren, doch sie „verhören“ sich offenbar gerne

„Alexa“, „Siri“ und Google: Sprachassistenten aktivieren sich oft unbeabsichtigt

Die Sprachassistenten werden absichtlich sehr offensiv programmiert. Sie springen eher einmal zu viel als zu wenig an, erläutert Expertin Thea Kolossa. Forscher zeigen, dass die vermeintlich intelligenten Lautsprecher oft mithören, obwohl sie nicht sollten, beschreibt die Süddeutsche Zeitung (Artikel hinter Bezahlschranke) die Forschungsergebnisse. 

Das heißt, die Programme reagieren auf Wörter und Sätze, die ähnlich klingen, wie das festgeschriebene Schlüsselwort. Oft wird also aufgezeichnet, obwohl der Nutzer das eigentlich gar nicht will und das bekommt er meistens auch nicht mit. So landen private Gespräche in den Händen der Konzerne. Auffällig wird es für den User erst, wenn der Sprachassistent auch einen Befehl missversteht* - und das kann peinlich enden.

Amazon, Apple, Google, Microsoft: Forscher testen alle großen Hersteller

Amazon, Apple, Google, Microsoft, Telekom, Xiaomi, Baidu und Tencent - die IT-Experten testeten alle großen Hersteller auf Herz und Nieren. Stundenlang wurden den Handys und Smartspeakern deutsches, englisches sowie chinesisches Audiomaterial vorgespielt. 

Die Forscher wählten dafür beliebte Serien und Sendungen, wie sie in vielen Haushalten eben laufen. Neben „Game Of Thrones“ und „Modern Family“ waren auch deutsche Formate im Fokus. „Tatort“„Polizeiruf 110“„Traumschiff“ und auch das ZDF-„heute Journal“, wo es kürzlich Zuwachs in der Moderatoren-Riege gab, wurden unter die Lupe genommen. 

ARD-„Tatort“, ZDF-„heute Journal“, „Traumschiff“: Deutsche Sendungen sorgen für viele Fehltrigger

Am Ende steht eine Liste von über 1.000 Aussprüchen, die die Software fälschlicherweise „wecken“. Google-Geräte reagieren beispielsweise auf „Ok, cool“, wenn sie „Ok, Google“ erwarten. Amazon aktiviert sich im Deutschen unter anderem durch „Am Sonntag“ oder „Daiquiri“. Im Englischen fällt Alexa auf Wörter wie „election“ und „unacceptable“ hinein.

ZDF-„Traumschiff“: Es ist gut möglich, dass Florian Silbereisen auch schon Ihr Smartphone eingeschalten hat.

Durch eine Diode konnte beobachtet werden, wann die Software anfängt zu arbeiten. Bei einer Folge „Traumschiff“ sorgte der Ausruf „Hey, was soll das“ dafür, dass einige Geräte in den Lauschmodus schalteten. Florian Silbereisen könnte also auch schon Ihr Smartphone eingeschalten haben. Das Wort „Computer“ triggert die Assistenten ebenfalls leicht.

Sprachassistenten hören immer mit: Datenschutz-Problematik geht noch darüber hinaus 

Die Problematik stellt sich als noch schwieriger heraus, wenn man darauf blickt, was Mitarbeiter der SZ berichten. Tausende Angestellte von Amazon, Apple, Google und Microsoft werten die Aufnahmen händisch aus, hören sie an und kategorisieren sie. So wurden einige bereits Ohrenzeugen intimer Momente. Arztgespräche, geschäftliche Unterredungen und sogar das Liebesspiel, nichts ist vor der Überwachung sicher. Die Mitarbeiter erzählen auch von Streitgesprächen, Bedrohungen und körperlichen Übergriffen, die sie auf einmal anhörten. 

„Alexa“, „Siri“ und Co. können vom TV-Gerät aktiviert werden: Dann hört der Konzern mit.

Aus Privacy-Sicht ist das natürlich bedenklich, weil teils sehr private Unterhaltungen bei Fremden landen können“, sinniert Fachmann Thorsten Holz über die Fehltrigger, „aus Engineering-Sicht ist das Vorgehen hingegen nachvollziehbar, denn die Systeme können nur mithilfe solcher Daten verbessert werden. Die Hersteller müssen einen Spagat zwischen Datenschutz und technischer Optimierung schaffen.“ Dafür schlagen die Wissenschaftler einen Privatsphäre-Modus vor. Mit ihm soll man „Alexa“ und Co. deaktivieren können und ihre Verbindung zur Cloud unterbrechen. Einen Ausschalt-Mechanismus kennt man ja schließlich bereits von beinahe allen anderen technischen Geräten.

Quelle: tz

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa / Axel Heimken

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