Die Weimarer Kriminaler im Visier der eigenen Kollegen

TV-Kritik zum „Tatort“ in der ARD: Wie Bonnie & Clyde

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In Bonnie-und-Clyde-Manier versuchen Lessing (Christian Ulmen) und Dorn (Nora Tschirner), ihren Verfolgern im motorisierten Dreirad zu entkommen.

Der ARD-Tatort aus Weimar war ein gut komponierter Film voller Dynamik, in Szene gesetzt von einem hervorragenden Ensemble, meint Merkur-TV-Redakteur Rudolf Ogiermann.  

Dass der Ermittler selbst einmal unter Mordverdacht gerät, ist im „Tatort“ (ARD) nichts Neues. Ein paar Missverständnisse, eine verschwundene Dienstwaffe, aus der der tödliche Schuss abgegeben wurde – und schon wird auch der bravste Kommissar gnadenlos in Untersuchungshaft genommen. Nun erwischt es also auch den vornamenlosen Weimarer Kriminaler Lessing (Christian Ulmen). Ein Fall für die Interne Ermittlung, die aus genau einer unbestechlichen Beamtin (Nina Proll) besteht.

„Die harte Kern“ ist dieser Fall überschrieben – und man könnte als Zuschauer auf die Idee kommen, dass dieses Wortspiel allein die Mutter des Drehbuchs war. Doch dafür ist dieser Film zu gut komponiert – er bietet alles, was dazugehört zu einem Plot, in dem gleichzeitig die Unschuld des Ermittlers bewiesen und der wahre Täter gefunden werden muss.

Es geht um Loyalität (des Kommissariatsleiters zu seinem Team) und um alte Rechnungen, um mutmaßlich unheilbringende Statuen und den Traum vom großen Geld. Die Autoren Sebastian Kutscher und Deniz Yildizi sowie Regisseurin Helena Hufnagel zeichnen stimmige Milieus vom Schrottplatz über vollgestellte Wohnungen bis zum miefigen Theater, sie kreieren eine Geschichte, die bei allem wunderbaren Witz, der den Weimarer Fällen von Anfang an eigen ist, auch als Krimi funktioniert.

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Das Konzept geht auf dank des hervorragenden Ensembles. Man sieht die wie eine Löwin für die Rehabilitierung ihres Kollegen und (Ehe-)Partners kämpfende Kira Dorn (Nora Tschirner) auch einmal traurig, man lacht – aber nur ein bisschen – über den zwischen die Fronten geratenen Chef Kurt Stich (Thorsten Merten) und den verliebten Polizisten Lupo (Arndt Schwering-Sohnrey). Und man schaut fasziniert zu, wenn Lessing und Dorn in Bonnie-und-Clyde-Manier im motorisierten (Ex-DDR-)Dreirad der Marke Krause Duo ihren Verfolgern zu entkommen versuchen.

Und einen schönen Showdown gibt’s am Ende auch noch. Die wie immer vortreffliche Katharina Marie Schubert als Karikatur einer Schauspielerin ist der besondere Clou in diesem „Tatort“ des MDR, der es an Dynamik leicht mit so manchen der jüngsten ARD-Sonntagskrimifolgen aufnehmen kann.

Til Schweiger hat mit einem fiesen Vergleich über die neueste „Tatort“-Folge gelästert. Das dürfte den Hessen-Ermittler Ulrich Tukur nicht freuen.

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