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„Das kalte Haus“: Spannende Ausgangslage, zu wenige Fragezeichen

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Von: Mayls Majurani

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Cholerischer Ehemann: Christian Bayer (r.) brilliert in seiner Rolle und macht auch dem Kommissariatsleiter (Martin Brambach) das Leben schwer.
Cholerischer Ehemann: Christian Bayer (r.) brilliert in seiner Rolle und macht auch dem Kommissariatsleiter (Martin Brambach) das Leben schwer. © Hardy Spitz/MDR/MadeFor/dpa

Der neue „Tatort“ aus Dresden, „Das kalte Haus“ beginnt recht spannend, wird dann aber fast nur noch durch eine schauspielerische Leistung interessant. Unsere garantiert Spoiler-freie Kritik.

Eine verschwundene Frau, viel Blut im Haus, ein sichtbar mitgenommener Ehemann, der die Polizei verständigt und wenig später zum Hauptverdächtigen wird. Die Ausgangslage von „Das kalte Haus“ erinnert stark an den David-Fincher-Film „Gone Girl“. Die Umsetzung leider nicht. Natürlich geht es in diesem Dresdner „Tatort“ nicht um die Rolle der Medien, auch wenn Soziale Netzwerke eine Rolle spielen, sondern um die Ermittlungen in einem Kriminalfall.

Dabei legt sich die Kommissarin Karin Gorniak (Karin Hanczweski) schnell auf den Ehemann Simon Fischer (Christian Bayer) als Verdächtigen fest, allerdings nicht anhand von Beweisen oder Indizien, sondern aufgrund ihrer Gefühle und persönlichen Vergangenheit. Diesen Verdacht nährt vor allem, oder fast ausschließlich, der grandios spielende Bayer als Ehemann der Verschwundenen. In seiner Rolle vereint er gemischte Gefühle, Überlegenheitskomplex und Minderwertigkeitsgefühl eindrucksvoll und trägt die Geschichte, die ansonsten nicht genug ausgearbeitet wirkt.

Die komplexen Strukturen einer toxischen Beziehung analysiert Regisseurin Anne Zohra Berached auf lange Strecken etwas zu vorsichtig – wohl auch, um die großen Fragen in diesem Fall nicht zu schnell aufzulösen. Doch große Fragen stellen sich während den Ermittlungen nur wenige.

Die Spannung wird dafür hauptsächlich getragen vom Kontrast eines Mord- oder Entführungsfalls und einer Geburtstagsfeier: Kommissarin Gorniak wollte eigentlich mit ihrer Partnerin Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) feiern, bekommt dann aber einen Anruf und macht sich auf den Weg in das kalte Haus. Immer wieder rückt der Geburtstag in den Fokus, etwa als die Beamten auf einmal am Tatort „Happy Birthday“ singen und dabei den Fall und den draußen verzweifelnden cholerischen Ehemann für ein paar Momente komplett vergessen.

Mit der Musik spielt die Regisseurin ohnehin oft und erfolgreich in diesem Streifen. Immer wieder schaltet der Sprachassistent des Luxushauses Musik ein, die die Ermittlerinnen bei der Arbeit stört und beim Zuschauer ein Gefühl der Beklemmung auslöst – ein bisschen vergleichbar mit dem ständig klingelnden Telefon in „Der Gott des Gemetzels“ von Roman Polanski. Doch an die Spannung dieses Films, oder auch an „Gone Girl“ kommt „Das kalte Haus“ einfach nicht ran.

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