Im Wiener Sumpf

Tatort-Kritik: Der 20. Fall von Adele Neuhauser und Harald Krassnitzer

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Gutes Team: Neuhauser, Krassnitzer.

Wenn die beiden zusammen spielen, wird der Fall zur Nebensache. Adele Neuhauser als äußerlich abgehärtet wirkende, innerlich aber so verletzliche Bibi Fellner und Harald Krassnitzer als Moritz Eisner, Bärchentyp mit Beschützerinstinkt.

Autor und Regisseur Thomas Roth hat ihnen auch für den gestrigen „Tatort: Wahre Lügen“ ein paar hübsche Sprüche notiert, die sie mit unnachahmlicher Wiener Färbung in der Stimme zum Klingen bringen. Wenn sie, die so schlecht zwischen Arbeit und Privatleben trennen kann, fragt: „Eine verzweifelte junge Frau, die gerade ihre Lebenspartnerin verloren hat – ich meine, was erwartest du dir?“ Und er trocken antwortet: „Lass sie trotzdem nicht gleich wieder bei dir einziehen“, sind das herrliche Frotzeleien, von denen die Filme aus Wien leben. Hinzu kommen prächtige Aufnahmen des Wolfgangsees, an dem eine junge Frau im Auto tot aufgefunden wurde, eine Waffe in der Hand mit Klebeband befestigt.

Weil die Art des Todes an den nie aufgeklärten (Selbst-)Mord des ehemaligen österreichischen Verteidigungsministers Karl Lütgendorf erinnert, sind Fellner und Eisner plötzlich mittendrin in einem System aus Korruption und Waffenschiebergeschäften, das bis in Polizeikreise hineinreicht. Das ruft Maria Digruber (Franziska Hackl), Generaldirektorin für Innere Sicherheit, auf den Plan. Ab hier nimmt sich die Regie heraus, mit Klischees zu spielen: Wie in Agentenfilmen tauchen Digruber und ihr Kollege im Trenchcoat auf und geben den Kommissaren oder ihrem Vorgesetzten Ernst Rauter (Hubert Kramar) Anweisungen, nicht weiter nachzuforschen.

Insofern ist dieser „Tatort“ ein politischer, denn den Fall Lütgendorf gibt es tatsächlich – und er ist bis heute ungeklärt. Im Film war’s am Ende dann doch ein Mord aus Eifersucht; allerdings – es geschieht ein zweiter. Warum? Die Antwort darauf bleibt offiziell offen. Wie im wahren Fall. Oder: Wie im echten Wiener Sumpf.

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