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Krimi-Jahresauftakt im Ersten: ARD zeigt Thriller-Serie „Schneller als die Angst“ mit Friederike Becht

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Von: Cornelia Schramm

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Dämonen im Kopf: Verbissen jagt Sunny Becker (Friederike Becht) einen entflohenen Serienmörder.
Dämonen im Kopf: Verbissen jagt Sunny Becker (Friederike Becht) einen entflohenen Serienmörder. © Stephan Rabold/Degeto

Als ein Frauenmörder aus dem Gefängnis türmt, setzt Zielfahnderin Sunny Becker alles daran, ihn zu stellen. Wie sie dabei mit ihren ganz eigenen Dämonen ringt, zeigt die ARD-Serie „Schneller als die Angst“.

Zuerst vergewaltigt er sie stundenlang. Dann bringt er sie um. Zwölf Frauen, mindestens, hatte André Haffner (Felix Klare) schon grausam ermordet, bis er überführt wurde. Als der Serienmörder dann nach Jahren auf spektakuläre Weise aus der Haft türmt, ist den Ermittlern des LKA Magdeburg rund um die aufstrebende Zielfahnderin Sonja „Sunny“ Becker (Friederike Becht) klar: Haffner muss Hilfe gehabt haben. Die Zeit drängt.

So bleibt auch dem Zuschauer in den ersten 20 Minuten der neuen ARD-Serie „Schneller als die Angst“, die am Neujahrstag im Ersten startet, nicht viel Zeit, um mit der Handlung Schritt zu halten. Nicht nur Haffners diabolisches Wesen illustriert der „Tatort“-erfahrene Regisseur Florian Baxmeyer schon ganz zu Beginn schauerlich-kryptisch und bildstark, er führt auch die zahlreichen Ermittler samt ihren Hintergrundgeschichten und gar nicht so heldenhaften Charakterzügen rasant ein.

Alle Figuren haben also emotional einiges im Gepäck, als die Handlung einsetzt – und so fällt die in den sechs dreiviertelstündigen Folgen umso vielschichtiger aus. Ermittlerin Sunny beispielsweise verfolgt ein traumatisierendes Erlebnis: Sie wurde vergewaltigt. Mit eiskaltem Kalkül, denn der Täter hat alle Spuren gekonnt verwischt. Als Sunny nach einer „Lungenentzündung“ in die Arbeit zurückkehrt, übernimmt sie den Fall Haffner. Zielstrebig, tollkühn, verbissen. Ihren Kampf mit den Dämonen im Kopf spielt Becht haarsträubend gut. Nicht nur einmal möchte man die Ermittlerin packen und rufen: „Pass besser auf dich auf!“

ARD zeigt sechsteiligen Thriller „Schneller als die Angst“ am 1. Januar 2022

Das sagt Sunny auch ihr Freund Alex Reuter (Golo Euler), dessen Rolle die Drehbuchautoren Klaus Arriens und Thomas Wilke als einzige etwas monoton angelegt haben. Den anderen Charakteren im LKA-Team mangelt es nämlich nicht an Ecken und Kanten. Sunnys Kollegen, ja vielmehr Familie, sind unerträglich unprofessionell und damit herrlich menschlich: Gerade Christoph Letkowski und Oleg Tikhomirov liefern hier gekonnt ab, während Baxmeyer ihre Figuren Markus Fechner und Jakub „Kuba“ Kasakow auf dem Präsidium Unmengen an Energydrinks vernichten lässt. Thorsten Wächter, ein Beamter des LKA Berlin, den Andreas Döhler famos linientreu spielt, schüttelt bei diesen Zuständen nur den Kopf.

Sendehinweis:

Die ersten beiden Folgen, „Dämonen“ und „Ratten“, zeigt das Erste am 1. Januar nach dem „Tatort“ ab 21.45 Uhr. Die Folgen 3 und 4, „Inferno“ und „Vergeltung“, laufen am 2. Januar ab 21.45 Uhr, Nummer 5 und 6 („Treibjagd“ und „Freiheit“) sind dann am 9. Januar ab 21.45 Uhr zu sehen. Schon ab heute (30. Dezember) sind alle sechs Folgen in der ARD-Mediathek abrufbar.

Bei ihren zahlreichen persönlichen Konflikten scheint es fast unmöglich, dass die Beamten den flüchtigen Frauenmörder fassen – auch weil es plötzlich Hinweise auf undichte Stellen in den eigenen Reihen gibt, die Haffner helfen. Und so entspinnt sich ein ausuferndes Katz- und Mausspiel, bei dem der tätowierte Exzentriker Ermittlerin Sunny, ihre Kollegen und sogar seine eigenen Eltern permanent schachmatt setzt.

Nur gemeinsam sind wir stark? Zielfahnderin Sunny Becker vermutet eine „Ratte“ in ihrem eigenen Ermittlerteam.
Nur gemeinsam sind wir stark? Zielfahnderin Sunny Becker vermutet eine „Ratte“ in ihrem eigenen Ermittlerteam. © ARD Degeto/MDR/Stephan Rabold

Mordende Psychopathen gab es in der Fernsehgeschichte schon viele, dennoch vermag es Klare, einem eiskalte Schauer über den Rücken laufen zu lassen – immer dann, wenn Haffner schmunzelt, umgarnt, manipuliert. Ob Sunny, zugleich Jägerin und Gejagte, Kommissarin und Opfer, wohl am Ende triumphiert?

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