"München 7" bleibt bairisch

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Zurück am Viktualienmarkt: Andreas Giebel (re.) als Xaver Bartl und Kollege Florian Karlheim in der Rolle des Felix Kandler

München - Die Kultserie "München 7" läuft ab Mittwochabend auch im Ersten. Die ARD scheut dabei auch nicht davor, die Sendung bundesweit in allerfeinstem bairisch auszustrahlen. Den Regisseur freut's.

In diesem Fall muss Xaver Bartl (Andreas Giebel) zeigen, welche Fähigkeiten in einem gestandenen Münchner Polizisten stecken - und das ohne Hilfe seines Kollegens Felix Kandler (Florian Karlheim): Bartl sitzt am Bett seines kleinen Neffen Maxi und soll ein Schlaflied singen.

Erst ziert sich der Sheriff vom Marienplatz. Dann legt er inbrünstig los: „There is a house in New Orleans, they call the Rising Sun …“ Das Ende des Lieds: ein Sechsjähriger, der ein zufriedenes „Schee“ seufzt und nach Bartls Hand greift. Es sind Szenen wie diese, auf die "München-7"-Fans lange warten mussten: Nach knapp sechs Jahren kehrt Franz Xaver Bogners Erfolgsserie heute zurück. Auch, wenn die acht Folgen jetzt im Ersten unter der Dachmarke Heiter bis tödlich bundesweit laufen - "München 7" bleibt bairisch! „Am Dialekt hat sich nichts geändert“, verspricht Regisseur Bogner im tz-Gespräch.

Bei der Premiere gibt es nur ein Problem: Die Zuschauer müssen sich entscheiden, ob sie Luise Kinseher als Revierchefin Thekla sehen wollen - oder als Bavaria am Nockherberg. Während Bartl und Kandler von 18.30 bis 19.15 Uhr in der ARD dem Event-Charly und seinen verrückten Flashmobs hinterherjagen, beginnt um 19 Uhr im Bayerischen Fernsehen der Starkbieranstich. Ungünstig für Bogner beziehungsweise für die Quoten der Auftaktfolge: „Das ist meine erste Serie, die im Ersten kommt - da ist die Aufregung natürlich ein gutes Stück größer.“

Dabei könnte sich der Regisseur entspannt zurücklehnen. Die Fans wird er kaum enttäuschen. Bogner hat bei den neuen Folgen auf das Erfolgsrezept gesetzt, mit dem er schon in den ersten 13 Folgen (2004 bis 2006) punktete: Rund um den Viktualienmarkt geht es nicht um actionreiche Verfolgungen, sondern um den alltäglichen Wahnsinn. Um eifersüchtige Standlfrauen, die sich bekriegen, oder um die Rentnerin, die den fiesen Vermieter kidnappt, weil er ihre Toilette abmontieren ließ. Die großen und kleinen dienstlichen und vor allem privaten Dramen im Herzen Münchens eben.

Bogner liebt es, in der Gegend zu drehen: „Es gibt nichts Schöneres. Mittlerweile erregen wir kaum noch Aufsehen, die Leute haben sich an uns gewöhnt.“ Daneben hat er wieder auf die charmante musikalische Untermalung eines Münchner „Caribbean-Trash-Orchesters“ gesetzt - die Band nennt sich G.Rag y los Hermanos Patchekos. Von ein paar Figuren beziehungsweise Institutionen hat sich Bogner allerdings verabschiedet, etwa dem Polizisten-Stammitaliener, der Trattoria "30 Prozent". Sonst sind die Gesichter weitgehendst die gleichen geblieben - und ja, auch der Dialekt. Mag sein, dass sich der eine oder andere Zuschauer aus dem hohen Norden nicht auskennt, wenn Christine Neubauer als Standlfrau Elfi über die „Bixlmadam“ und Bartl-Gschpusi Moni (Neuzugang Monika Gruber) herzieht. Aber: „Mit Dialekt hat man viel bessere Möglichkeiten, sich auszudrücken“, findet Bogner. „Es gab keinerlei Vorgaben, dass wir in Hochdeutsch drehen müssen.“

Seiner Meinung nach könnten die anderen Krimis der Heiter bis tödlich-Reihe (die bisher bei den Zuschauern nicht so gut wegkam) ruhig mehr Mundart vertragen. Die Münchner machen’s halt mal wieder vor.

Eva Hutter

Die zwei Polizisten im tz-Verhör

Durchschnittlich 530 000 Zuschauer haben von 2004 bis 2006 die ersten 13 Folgen von München 7 mit Andreas Giebel (53) und Florian Karlheim (35) verfolgt. Am Dienstag haben sich die Schauspieler noch mit der tz zum letzten Interview vor der Premiere der neuen Staffel getroffen.

Herr Giebel, Herr Karlheim, Nockherberg oder „München 7“ – was läuft bei Ihnen heute im Fernsehen?

Andreas Giebel: Ich würde gerne München 7 schauen, aber ich bin beim Nockherberg vor Ort, um Luise Kinseher und die anderen Kollegen seelisch zu unterstützen.

Florian Karlheim: Ich sehe mir die Serie an – einer von uns muss ja schauen. Ich bin schon sehr gespannt!

Haben Sie die Folge noch nicht gesehen?

Karlheim: Nein, die erste nicht. Aber zwei andere Episoden gemeinsam mit meiner Familie. Die war natürlich sehr neugierig.

Gab’s Kritik?

Karlheim: Natürlich haben wir diskutiert, ob der Dialekt abgeschwächt oder die Dramaturgie geändert wurde – so nach dem Motto: Gefällt die Geschichte jetzt auch einem Hamburger? Da waren wir uns sehr schnell einig, dass es keinen großen Unterschied zu früher gibt. Die Geschichten sind noch genauso stark.

Mussten Sie sich beim Drehen mit dem Dialekt nicht zusammenreißen?

Giebel: Es wurde nur über ein paar wenige Wörter diskutiert – zum Beispiel „Leid“. Damit kann „das Leid“ gemeint sein oder „die Leute“.

Wie haben sich die Cops mit den Jahren verändert?

Giebel: Bartl und Kandler sind keine zeitlosen Comicfiguren, sondern älter geworden. Das merkt man an einem tieferen Verständnis für einander. Sie müssen manchmal nicht mal mehr groß Worte wechseln.

Sind die beiden nicht einfach maulfaul?

Giebel: Höchstens in dem Sinne, wie es der Münchner an sich sein kann.

Allerdings mussten Sie sich von ein paar Figuren und Institutionen verabschieden.

Giebel: Das ist natürlich ein kleiner Wermutstropfen, dass etwa die Trattoria 30 Prozent fehlt. Was auch dem geschuldet ist, dass wir jetzt keine 60 Minuten, sondern nur noch 45 bekommen. Wir haben uns dafür stärker auf wenige Baustellen konzentrieren können.

Interview: EH

Quelle: tz

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