ARD, 20.15 Uhr

Tatort aus Köln: "Gefangen“  über Schuldgefühle und Verlust - ein kühn konstruierter Krimi

Tatort aus Köln: "Gefangen" führt die Tatort-Ermittler diesmal in die Psychiatrie. Kommissar Ballauf wird mit einem Trauma und Schuldgefühlen konfrontiert. Ein starker Tatort.

  • Tatort aus Köln: "Gefangen läuft um 20.15 Uhr in der ARD.
  • Kommissare Ballauf und Schenk ermitteln in einer Psychiatrie.
  • Ballauf wird mit einem eigenen Trauma konfrontiert.

Update vom Sonntag, 17.05.2020, 21.45 Uhr: Wie lassen sich Traumata verkraften? Was tun, wenn einen Schuldgefühle verfolgen? Wie umgehen mit Verlusten, Enttäuschungen?  

Solche Fragen verhandelte der „Tatort: Gefangen“ aus Köln in verschiedenen Konstellationen: Kommissar Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) wird nicht damit fertig, eine Kollegin erschossen zu haben. Das Opfer eines Vergewaltigers wird mit einer Schweigegeld-Zahlung ruhig gestellt. Julia (Frida-Lovisa Hamann) hat der Unfalltod der Eltern aus der Bahn geworfen, sie wird, obwohl wieder gesund, weiter in der Geschlossenen festgehalten – bis sie den Chefarzt erschießt. Der Pfleger, den sie benutzt und später abblitzen lässt, erhängt sich.

Tatort aus Köln (ARD): Ein kühn konstruierter Krimi

In Köln: Freddy Schenk (Dietmar Bär), Max Ballauf (Klaus J. Behrendt).

Christoph Wortberg hat mit dem Tatort aus Köln "Gefangen" (ARD) einen kühn konstruierten Krimi geschrieben, den Isa Prahl spannend umgesetzt hat – mit Inkonsistenzen: Da schicken Ballauf und Freddy Schenk (Dietmar Bär) ihren Assistenten in den Feierabend, um zum Schießtraining zu gehen. 

Plötzlich folgt eine Klinikszene, ehe Ballauf am Schießstand zusammenbricht. Da blickt die Polizeipsychologin (die in Kassel aufgewachsene Juliane Köhler) nur ganz kurz in die Akten, da deckt sie die falsche Diagnose des Kollegen auf. 

Tatort aus Köln (ARD): "Gefangen" ist ein starker Tatort

Aber sei’s drum – der verwickelte „Tatort“ aus Köln war stark. Eine Schlüsselfigur: der Schwager der Täterin, Vater ihres Kindes, Tennisfreund des Opfers. „Moral ist kein juristisch belastbares Kriterium“, ließ dieser Anwalt die Ermittler wissen. Ein Satz, der sich einprägt.

Erstmeldung vom Sonntag, 17.05.2020, 15.21 Uhr: Die Wurstbraterei ist wieder aufgesperrt. Bei der Kölner „Tatort“-Folge „Niemals ohne mich“ vom Krieg um die Kinder*, die im März 2020 ausgestrahlt wurde,  lag sie einsam und verlassen, als habe der WDR ganz schnell auf die coronabedingten Schließungen reagiert. 

Die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) könnten sich also, wie so oft seit 1997 im Tatort aus Köln, bei Pommes und Kölsch austauschen und ihre Ermittlungen sacken lassen.

Tatort aus Köln (ARD): Ermittler steht in "Gefangen" völlig neben sich

Wenn Ballauf dazu aufgelegt wäre. Doch der erfahrene Ermittler steht in der Episode „Gefangen“ völlig neben sich. Er wird zerfressen von Schuldgefühlen. Ihn verfolgt, dass er – in der Kölner „Tatort“-Folge „Kaputt“ *2019 – eine Kollegin erschossen hatte.

Die sieht er immerzu vor sich, er hört dauernd ihre Stimme. Das quält und lenkt ihn ab. Aber Gesprächen mit der Polizeipsychologin (Juliane Köhler) verweigert er sich.

Tatort aus Köln (ARD): In "Gefangen" ermitteln die Kommissare in einer Psychiatrie

„Lass uns einfach unseren Job machen“, fordert er den hilflosen Schenk auf. Auch der Fall im Tatort aus Köln (ARD) hat es in sich. In "Gefangen" wird der Chefarzt einer Psychiatrie, eine Koryphäe, zu Hause erschossen.

„Wegen Julia. Komm vorbei. Ich kann nicht mehr“, hat er kurz vor seinem Tod in einer SMS an seinen Tennisfreund geschrieben, einen Anwalt – und Schwager seiner Langzeit-Patientin Julia (Frida-Lovisa Hamann). Die droht in der geschlossenen Abteilung, eine Rasierklinge zu schlucken, wenn sie nicht sofort mit dem Arzt sprechen kann. Sie fühlt sich zu Unrecht gefangen in der Klinik.

Am Boden: Tatort-Kommissar Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, links) bricht zusammen, Kollege Freddy Schenk (Dietmar Bär) will helfen.

Tatort aus Köln (ARD): Die Folge  "Gefangen" zeigt einen wendungsreichen Fall

Christoph Wortberg (Buch) und Isa Prahl (Regie) haben im aktuellen Tatort aus Köln (ARD) bei ihrer Darstellung der Psychiatrie auf Klischees nicht verzichtet. Doch ist ihnen mit "Gefangen" ein wendungsreicher Fall geglückt. Nach einer guten Stunde haben Ballauf und Schenk ein kompliziertes Beziehungsgeflecht aufgedröselt und den Täter überführt. 

Nur um festzustellen, dass sie noch mal ganz neu nachdenken und in eine völlig andere Richtung ermitteln müssen.

Beim Tatort aus München (ARD) "Lass den Mond am Himmel steh'n" erwartet die Zuschauer ein toter Teenager, ein gefühlloser Verdächtiger und eine Villa voller Eidechsen.

Von Mark-Christian von Busse

*hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © WDR/Thomas Kost

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