Interview mit Detlev Buck zum „Tatort: Alles kommt zurück“

ARD: Vogelwilder Weihnachts-“Tatort“ mit Udo Lindenberg

Udo Lindenberg bei den Dreharbeiten für den Tatort im fast menschenleeren Hotel Atlantic während der Pandemie
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Im fast menschenleeren Hotel Atlantic, in dem Lindenberg lebt, drehte das Team während der Pandemie.
  • Katja Kraft
    VonKatja Kraft
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Der „Tatort“ am zweiten Weihnachtsfeiertag wird für Udo-Lindenberg-Fans ein Fest: Der Panikrocker und mehrere Udo-Doubles verwirren Kommissarin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler). Ein Gespräch mit Regisseur Detlev Buck über diesen etwas anderen Krimi.

Mitte der Neunziger wollten sie es schon einmal tun. Udo Lindenberg (Lesen Sie hier unser Interview zum 70. Geburtstag von Udo Lindenberg) und Detlev Buck. Sänger und Regisseur. Beide vereint in ihrer Liebe zum Norden und gesegnet mit lässiger Schnodderigkeit. Udo sagt also zu Detlev: „Lass uns mal was zusammen machen.“ Aber Buck weiß selbst gerade nicht, was er als Nächstes machen will. So machen sie nichts zusammen – und jeder für sich sein Ding.

30 Jahre später pfeifen die coolen (grünen) Socken noch immer auf das, was die ander’n sagen, doch ziehen nun endlich ein Ding gemeinsam durch. Und was für eins. Den „Tatort: Alles kommt zurück“, noch dazu den, der am zweiten Weihnachtstag um 20.15 Uhr in der ARD laufen wird. Der Deutschen heilige Fernsehkuh am Geburtstag des Herrn. Weiß Buck eigentlich, auf was er sich da eingelassen hat? Kräftiges Lachen auf der anderen Seite der Leitung. Ein Interview per Telefon, wie so oft in diesen Tagen. Der Regisseur, bekannt durch Filme wie „Männerpension“ oder zuletzt „Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“, nimmt die Herausforderung Sonntagskrimi gelassen an, wie er alles gelassen zu nehmen scheint. „Das wird kein normaler Charlotte-Lindholm-Film. Man sollte da als Zuschauer offen sein für etwas weg vom klassischen Krimi-Schema. Wenn man nicht offen ist, sollte man nicht gucken.“

Charlotte Lindholm zeigt in „Tatort: Alles kommt zurück“ ihre verletzliche Seite

Das war schließlich der Wunsch des Senders: die Verletzlichkeit der Lindholm zum Vorschein zu bringen. „Das ist eine Frau über 50, die sagt: Ich weiß, da ist noch eine Leidenschaft in mir – die ich aber im Alltag unter Beobachtung von Mutter und Sohn nie leben könnte.“ Und deshalb schicken Buck und Drehbuchautor Uli Brée die Kommissarin (Maria Furtwängler) auf eine Reise. Ins Hotel Atlantic Hamburg. Genau, das Atlantic. In dem Udo Lindenberg wohnt. In der Realität und im Film.

Es war Buck und Brée eine sichtbare Freude, mit der Kultfigur Lindenberg zu spielen. „Der hat geschafft, was nur wenige schaffen. Wie Otto. Ein Mythos, besser: eine Konstante zu werden, die die Menschen beruhigt in dieser schnelllebigen Welt.“ Letztlich wie der „Tatort“ jeden Sonntag. Eine der letzten Sendungen im linearen TV, über die noch diskutiert, manches Mal leidenschaftlich gestritten wird. Buck findet’s herrlich. Sollen sie sich ruhig auch angesichts seines ersten Films der Reihe kräftig echauffieren. Ist doch ein gutes Ventil, wenn man schon seit drei Tagen weihnachtsbedingt aufeinander hockt.

Starkes Team: (v. li.) „Tatort“-Hauptdarstellerin Maria Furtwängler, Stargast Udo Lindenberg, Regisseur Detlev Buck und Jens Harzer, der im Film eine Liaison mit Charlotte Lindholm beginnt.

„,Tatort‘ ist ein Ritual. Das passiert immer zu einer bestimmten Zeit auf einem bestimmten Sender. Das mag ich, wenn die Leute sich so zusammentun. Und nicht nur vereinzelt schauen.“ Dann schraubt Buck seine Stimme in eine nervige Tonlage und imitiert einen der vielen „Bingewatcher“, die marathonartig bei Netflix und Co. Serien anschauen. „Ich hab’ das nachts bis vier Uhr durchgeguckt – ich darf dir aber nicht sagen, was mit der Omma in der letzten Folge passiert“, äfft Buck Seriengucker von heute nach und lacht dann wieder sein sympathisch lautes Lachen. „Wie Suchtpatienten, die immer neuen Stoff brauchen.“

„Tatort“ also. Im Atlantic. Gedreht während des Lockdowns. Das Haus an der Alster fast menschenleer. „Das war lustig irgendwie. Da schlumpt man so durch die Gänge und ab und zu trifft man Udo“, erzählt der Regisseur. Und verfällt wieder in die Imitation. Diesmal mit Lindenberg-Stimme: „Komm ma’ vorbeeei“, hätte der ihm bei ihren kurzen Begegnungen zugeraunt. „Dann geht man bei ihm vorbei, redet über Gott und die Welt und schlumpt danach wieder über die langen, leeren Gänge in sein Zimmer, guckt auf die Alster. Und denkt: Das ist schon echt schräg jetzt.“

Schrulliger Bordell-Chef: Detlev Buck übernahm auch selbst eine Rolle im „Tatort“ – in extravaganter Montur.

So schräg wie der Film. Etliche Lindenberg-Doppelgänger huschen darin durchs Hotel – und machen Lindholm konfus, der vorgeworfen wird, in einen Mord verwickelt zu sein, und die auf eigene Faust ermittelt, um ihre Unschuld zu beweisen. Der Star des Films ist neben Udo – als Schlagzeuger der „Tatort“-Titelmelodie von Beginn an mit der Reihe verbunden – das Hotel. Buck gelingt es, die Atmosphäre, die gerade in geschichtsträchtigen Häusern wie dem Atlantic herrscht, spürbar zu machen. „Im Hotel ist man weg, kann sich – und wenn auch nur für eine Nacht – neu erfinden. Ich liebe Hotelbars, was dort passiert, ist zufällig, denn das ist kein abgeschlossener Raum. Da kannst du beobachten und Fantastisches erleben“, schwärmt er.

Der „Tatort: Alles kommt zurück“ ist ein Mix aus Mystery, Thriller und Liebesdrama

Und dann die Nähe zu Bahnhof und Kiez, als Kontrast zum herausgeputzten Atlantic. Reeperbahn und ein Bordell im Umland gestaltet Buck als bunte Lollipop-Welt. Er selbst spielt einen schrägen Bordellbetreiber. Und sorgt damit für Witz in diesem Mix aus Mystery, Thriller, Liebesdrama. „Da halte ich es mit Hitchcock: ,Man braucht Komik, um das Brutale zu verarbeiten.‘“ Und: Musik. Die liefert Udo höchstselbst. So wird dieser unkonventionelle „Tatort“, den manche – Weihnachtsfriede hin oder her – verteufeln werden, zum Geschenk für alle, die den Panikrocker lieben. Und Hamburg. Und nordische Lässigkeit. Mit einer Spur Schrulligkeit. Und einem Schuss Eierlikör. Oh, du Fröhliche.

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