Krimi am Frauen-Endspiel

Wegen Champions-League-Finale: FCB-Verantwortliche stinksauer auf ARD

Die ARD will viele hochkarätige Serien und Filme in Zukunft zuerst streamen. Foto: Britta Pedersen/dpa-zentralbild/dpa
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Die ARD zeigte den Tatort statt des Champions-League-Finals der Frauen.

Welche Bedeutung hat Frauenfußball in Deutschland? Eine Frage, bei der sich die Geister scheiden. Die Sportdirektorin des FC Bayern kritisiert die ARD für ihr Sonntagabend-Programm.

  • Am Sonntagabend fand in San Sebastian das CL-Finale der Frauen statt - der VfL Wolfsburg hatte das Nachsehen.
  • Auf ARD oder ZDF suchten Fans eine TV-Übertragung vergebens. Stattdessen lief im Ersten eine Folge Tatort.
  • Ist Frauenfußball den Öffentlich-Rechtlichen nicht wichtig genug? Die sportliche Leiterin der FCB-Frauen lässt ihrer Enttäuschung freien Lauf.
  • Wir haben bei Bianca Rech nachgefragt, was die 39-Jährige zu dem Statement getrieben hat.

San Sebastian/München - Chance verpasst! Die Frauen des VfL Wolfsburg haben das Triple nicht perfekt gemacht, verloren am Sonntagabend das Champions-League-Finale mit 1:3 gegen Olympique Lyon. Chance verpasst – das gilt auch für den Frauenfußball im Allgemeinen. Denn während in der ARD auf Wunsch der Zuschauer die Wiederholung eines Tatorts aus dem Jahr 2017 lief, war das Endspiel der Königsklasse nur bei Spartensender Sport1 zu sehen.

Tatort statt CL-Finale mit Wolfsburg: Frauenfußball für die ARD nicht wichtig genug?

Diese Tatsache stieß Bianca Rech (39), der sportlichen Leiterin der FC-Bayern-Frauen, sauer auf. Ein Twitter-Nutzer fragte bei ARD und ZDF nach, warum das CL-Finale der Frauen nicht im öffentlich-rechtlichen Fernsehen übertragen werde. Die Sportschau antwortete: „Ein anderer Free-TV-Sender hat die Rechte erworben – und das ist zu akzeptieren.“ Diesen Beitrag kommentierte Rech wie folgt: „Als wäre die ARD daran interessiert gewesen, die Rechte zu erwerben… wäre ja mal was ganz Neues.“

Wie kam es zu diesem deutlichen Statement? Die tz fragte bei Rech, deren Verein Bayern München bei dem Finalturnier im Viertelfinale die Segel streichen musste, nach. Sie erklärt: „Ich habe mich über die lapidare Aussage der Sportschau geärgert. Die Aussage, dass ein anderer Free-TV-Sender die Rechte erworben hat und das zu akzeptieren sei, ist ein wenig typisch für die Sportschau. Die ARD würde vermutlich nicht auf die Idee kommen, ein Champions-League-Finale der Frauen am Sonntag zur Primetime im Ersten zu zeigen.“

Der Blick auf die Einschaltquoten gibt dem Sender Recht – rund 6,6 Millionen sahen den ARD-Tatort im TV, das Frauen-Finale in der Spitze etwa 1,3 Millionen. „Wenn man sich die nackten Zahlen ansieht, hat die ARD mit ihrer Entscheidung nicht Unrecht, aber die ARD steht für Vielfalt“, meint Bayerns sportliche Leiterin. „Es heißt immer, Frauenfußball interessiert niemanden und die Einschaltquoten sind schlecht. Aber ich stelle mir die Frage: Was wäre, wenn die ARD das Champions-League-Finale mit deutscher Beteiligung am Sonntag um 20.15 Uhr gezeigt hätte? Wie viele hätten dann zugeschaut?“

Tatort statt CL-Finale: Haben ARD und ZDF eine Mega-Quote wie bei WM 2019 verschenkt?

Bianca Rech verweist in diesem Zuge auf die Erfahrungen der Weltmeisterschaft 2019. Die Spiele der deutschen Mannschaft sahen damals sechs bis acht Millionen TV-Zuschauer, auch beim Finale ohne das DFB-Team schalteten noch über fünf Millionen ein. Damals galt: Chance genutzt – im Gegensatz zu diesmal.

Vor dem Endspiel in Spanien sprach Alexandra Popp vom VfL Wolfsburg über die Austragung in dem von Corona geplagten iberischen Land:

Auch bei den Champions-League-TV-Rechten der Herren gibt es Wirbel: Der Streamingdienst DAZN wird ab der Saison 2021/22 so gut wie alle Spiele zeigen. Sky geht leer aus. Die ARD wagt einen revolutionären Schritt und verabschiedet sich bei Filmen und Serien vom klassischen Sende-Konzept.

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