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„Polizeiruf 110“-Stars Sarnau und Beckmann: Das sind die Powerfrauen aus Rostock

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Von: Stefanie Thyssen

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Szene aus dem „Polizeiruf 110: Seine Familie kann man sich nicht aussuchen“ mit Anneke Kim Sarnau und Lina Beckmann.
Das neue Duo aus dem Rostocker „Polizeiruf 110“: Anneke Kim Sarnau bekommt als Katrin König (li.) Unterstützung von Melly Böwe (Lina Beckmann). © ARD/Schröder

Das Ende war hart, aber der Neuanfang ist richtig gut! Nach dem von Millionen Zuschauern (zu Recht!) heftigst betrauerten Ausstieg von Charly Hübner alias Sascha Bukow aus dem Rostocker „Polizeiruf 110“ ermittelt Anneke Kim Sarnau als Katrin König nun mit neuer Kollegin: Melly Böwe.

Melly Böwe ist die Halbschwester von Bukow und wird gespielt von Lina Beckmann, der Ehefrau von Charly Hübner. Im Interview mit unserer Zeitung sprechen Sarnau (50) und Beckmann (41) über diese irre Konstellation, ihren ersten Fall „Seine Familie kann man sich nicht aussuchen“ (Sonntag, 24. April 2022, 20.15 Uhr, ARD), die Arbeit unter Frauen und Bukows Schatten.

Frau Sarnau, wer vermisst wen mehr – Katrin König den Sascha Bukow oder Anneke Kim Sarnau den Charly Hübner?

Anneke Kim Sarnau: (Lacht.) Ich als Anneke habe ja das Glück, mit Lina Beckmann jetzt eine Person an meiner Seite zu haben, die auch dem Charly sehr nahesteht. Dadurch ist er irgendwie immer noch da. Katrin König hingegen vermisst Bukow schon sehr. Also sehr! Es war eine große Liebe. Das muss man erst mal verdauen, wenn die sich so aus dem Staub macht.

Szene mit Charly Hübner als Sascha Bukow aus dem „Polizeiruf 110: Der Tag wird kommen“.
„Polizeiruf 110“ aus Rostock: Im Januar 2022 hatte Charly Hübner seinen letzten Auftritt als Sascha Bukow. © ARD/Schröder

Allerdings! Die Fans haben richtig aufgeschrien, als Bukow gegangen ist. Können Sie diese heftige Reaktion verstehen?

Sarnau: Ich kann das verstehen, ja. Ich war früher großer Schimanski-Fan, fand auch Thanner und Hänschen super. Als die aufgehört haben, habe ich auch gesagt: Oh Mann! Was soll das denn jetzt? In Bezug auf Charly haben wir den „Protest“ aber auch als Bestätigung für unsere Arbeit gesehen. Wir als Team wurden gemocht.

Wie ging Ihnen das, Frau Beckmann?

Lina Beckmann: Ich habe dieses Paar und dieses ganze Team auch wahnsinnig gemocht. Ihr habt da etwas sehr Schönes und Bleibendes geschaffen, Anneke. Und ich habe natürlich mitbekommen, wie aufmerksam die Zuschauer waren, wie verletzt dieser Ausstieg beobachtet wurde. Da hat man schon eine Verantwortung als Schauspieler, und für Charly war das heftig. Ich habe seinen Ausstieg ja eher aus der Sicht der Ehefrau begleitet, weniger als Kollegin.

Als klar war, Charly Hübner steigt aus – haben Sie, Frau Sarnau, auch daran gedacht, Abschied vom „Polizeiruf“ zu nehmen?

Sarnau: Kurz. Weitermachen ohne ihn schien mir falsch, die Filme standen und fielen ja mit uns beiden. Andererseits fand ich, dass die Figur Katrin König nicht auserzählt ist. Und Gott sei Dank fanden das die Verantwortlichen auch.

Und dass ausgerechnet Charly Hübners Ehefrau nun Ihre neue Partnerin ist…

Sarnau: Ist das abgefahren?! Mega! Ich habe Lina auf der Bühne gesehen und finde sie gigantisch. Oder in dem Film „Fühlen Sie sich manchmal ausgebrannt und leer?“ – das ist so großartig, so schräg und so eigen. Mir fällt wirklich nichts ein, was mir besser gefallen könnte, als den „Polizeiruf“ mit ihr weiterzumachen. Es macht so viel Spaß mit dieser wilden Frau.

Haben Sie sofort zugesagt, Frau Beckmann? Sie sind nicht bekannt dafür, in Reihen oder Serien zu spielen.

Beckmann: Ja, das stimmt. Aber je mehr ich in den vergangenen Jahren gedreht habe, desto öfter dachte ich: Schade, dass ich das immer nur für drei oder vier Tage habe. (Lacht.) Ich möchte gern mehr lernen übers Drehen. Und mit dem „Polizeiruf“ habe ich mich jetzt selbst ein bisschen herausgefordert. Das ist für mich, wie den Beruf noch weiter abzuklopfen. Was da noch drin schlummert. Das reizt mich.

Wie verändert sich der „Polizeiruf“ jetzt, wo zwei wilde Frauen an der Spitze stehen?

Beckmann: Mir war es vor allem wichtig, den Krimis aus Rostock etwas ganz Neues entgegenzusetzen. Das Gegenteil von Bukow sozusagen. Wir wollten also eine Figur schaffen, die ganz hell und licht ist und so auch auf die Menschen zugeht. Und die Melly Böwe ist so jemand. Sie schaut einen offen an, sucht die Gespräche und dadurch verändert sich auch etwas im Team. Abgesehen davon ist natürlich keine Liebesbeziehung mehr im Spiel. (Lacht.)

Sarnau: Das stimmt. (Lacht.) Wir zwei wollten unbedingt Frauen spielen, die sich nicht (!) anzicken. Keine Bitch-Geschichte, keine Konkurrenz. Weil: Das sind wir Frauen ja auch im echten Leben nicht. Spätestens in unserem Alter hat man das doch geschnallt, dass es viel schöner und angenehmer ist, miteinander solidarisch zu sein. Und liebevoll. Und zugewandt. Daraus kann so viel Schönes entstehen. Das heißt ja nicht, dass Katrin König und Melly Böwe nicht auch mal aneinandergeraten oder befremdet sind voneinander. Wir Frauen tanzen im echten Leben ja auch nicht den ganzen Tag im Kreis zusammen und backen Kuchen.

Am Anfang ist König alles andere als begeistert, dass ausgerechnet Melly Böwe kommt.

Sarnau: Die ist echt abgeturnt, dass da überhaupt jemand kommt, dass das dann auch noch eine Verwandte von Bukow ist und dass dieser Blödmann ihr auf diese Art und Weise immer noch ins Herz klatscht. Na ja, aber dann nähern sich die beiden an – und das bietet viel Raum für mehr.

Arbeiten Frauen anders zusammen als Männer?

Beckmann: Ja, das glaube ich schon. Ich merke selbst, dass ich mich ganz anders verhalte, wenn nur Frauen im Raum sind, als wenn auch Männer da sind. Gar nicht blöd, nur anders.
Sarnau: Das kommt immer auf den Typen an, der mit im Raum ist, oder? Wenn der auch nur ansatzweise eine erotische Komponente hat und eine der Frauen, sagen wir, andocken will, dann wird’s manchmal mühsam. Aber ich denke, je älter man wird, umso entspannter wird es auch in dieser Hinsicht. Also hoffe ich wenigstens. (Lacht.)

Und Bukow? Welche Rolle spielt er in den Filmen künftig – als Schatten?

Beckmann: Er bleibt schon allein dadurch, dass Melly Böwe seine Halbschwester ist. Und das finde ich wichtig: dass diese Idee, diese Bande, nicht verschwindet, sonst wäre die Konstellation überflüssig. Die beiden Frauen sind verbunden durch einen Menschen, den beide wahnsinnig lieben, der aber weg ist. Vielleicht finden wir einen Weg, dass Melly Frau König ab und zu an Bukow erinnert, dass sie denkt: Ach, das macht der Bukow genauso. Eine Geste, etwas Kleines, so etwas. Das fänd ich ganz schön.

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