EHC mit Wut im Bauch in die Hauptstadt

Zweiter Meister-Puck: Bringt die 14.000 Berliner zum Verstummen, Red Bulls!

Beeindruckende Kulisse: Die Eisbären Berlin spielen in der Mercedes Benz Arena vor über 14.000 Fans.
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Beeindruckende Kulisse: Die Eisbären Berlin spielen in der Mercedes Benz Arena vor über 14.000 Fans.

Match- und Meister-Puck, die zweite: Nach der verpassten Titelfeier daheim will der EHC Red Bull München nun den Pott in Berlin einsacken.

Es hätte alles gepasst: Das Wetter, die Uhrzeit, das Heimspiel, sogar das Datum (vor genau zwei Jahren den ersten Titel eingefahren). Doch am Ende blieb die erhoffte Krönung in eigener Halle aus. 5:6 nach Verlängerung unterlag der EHC Red Bull München den Eisbären Berlin, die die Serie zurück in die Bundeshauptstadt holten. Erstmals seit 2015 verlor der EHC somit mehr als ein Spiel pro Playoff-Serie, zum ersten Mal überhaupt muss er in ein Spiel sechs.

0:2, 1:3, 2:4, 4:5 – die Red Bulls kamen immer wieder ins Spiel zurück. „Unser Comeback war extrem mutig bei dem Stress und dem Druck auf den Spielern“, befand Cheftrainer Don Jackson nach dem Spiel. Er war dennoch sichtlich angesäuert ob des Spielverlaufes. Von seinen Spielern wollte sich später niemand mehr persönlich äußern, sie seien zu sauer, hieß es. Nur Michael Wolf stellte sich in einem TV-Interview, wenn auch nur kurz angebunden: „Wir wollen das nächste Spiel gewinnen, das wollen wir am Dienstag schaffen.“ Es bleibt dabei: Ein Sieg und München ist trotzdem Meister.

Diskussionsstoff um Schiedsrichter-Entscheidungen

Es gab mehrere Gründe für die Münchner Verstimmung. Die Verschleppung der Meisterfeier war ärgerlich genug, das Zustandekommen aber umso mehr. Vor allem das entscheidende Berliner Tor sorgte für Diskussionsstoff. „Die Entscheidung ist korrekt“, erklärte Gerhard Lichtnecker, der DEB-Schiedsrichter-Obmann. Wolf habe Bukarts gepusht, in EHC-Keeper Danny aus den Birken hinein. Heißt, der Crash und die Torhüter-Behinderung gingen von München aus. Was aber war mit dem verschobenen Kasten? „Aus meiner Sicht war das Tor aus der Verankerung“, meinte Jackson. Das war es – doch der Schuss war bereits abgegeben. Lichtnecker: „Wir haben hier einen ‚act of shooting goal‘.“ Heißt: Der Spieler war im Begriff zu schießen, als das Tor verschoben wurde, entsprechend zählt es.

Doch über die gesamten 61:16 Minuten gab es strittige Szenen, beispielsweise wurde EHC-Crack Jaffray oft grenzwertig aber ungeahndet vor dem Berliner Tor angegangen, auch der Penalty zum zwischenzeitlichen 4:5 für Berlin war kein glasklarer.

200 EHC-Fans reisen mit - Abschlussfeier sicher am Samstag

Aber alles Hadern bringt nichts, am Dienstag geht es für den EHC wieder um den Titel. Auf ein alles entscheidendes Spiel sieben im Olympiapark am Donnerstag hat beim EHC keiner Lust. Statt vor über 6000 Münchner Fans daheim soll der Pott jetzt eben vor rund 200 nach Berlin reisenden EHC-Fans eingepackt werden. 

Meisterfeier auswärts, wie anno 2016 in Wolfsburg? Der EHC hat es in der eigenen Hand.

Dort wird sich zeigen, wer nach diesem hitzigen Spiel den kühleren Kopf bewahrt: Die Eisbären mit dem Schwung dieses unglaublichen Erfolgserlebnisses und den 14.000 Fans im Rücken? Oder es sind die Münchner, die mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch anreisen und sich sagen: Wir sorgen hier für Ruhe!

Die Saison-Abschlussfeier des EHC steigt in jedem Fall am Samstag auf dem Platz vor dem Olympia-Eisstadion – mit oder ohne Pokal.

Florian Weiß

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