tz-Interview zur Ski-WM

Höfl-Riesch: "Bin schon ein bisschen aufgeregt"

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2007 gewann Maria Höfl-Riesch den WM-Titel in Val d’Isère

München - Am Dienstag startet Maria Höfl-Riesch in Schladming in ihre fünften Weltmeisterschaften. Die Olympiasiegerin gibt im tz-Interview zu, schon ein bisschen aufgeregt zu sein.

Maria, was erwarten Sie vom Skispektakel in Schladming?

Höfl-Riesch: Die Aufmerksamkeit und die Begeisterung werden riesig sein, deswegen bin ich schon ein bisschen aufgeregt und freue mich sehr.

Zu Weltmeisterschaften haben Sie eine spezielle Beziehung. Wie wichtig war der Slalom-Titel 2009 in Val d’Isère?

Höfl-Riesch: Die Erwartungen an mich waren in allen Disziplinen sehr hoch, obwohl es während der Saison nur im Slalom richtig gut lief. In den Speeddisziplinen kam ich nicht zurecht, bei der Abfahrt bin ich sogar gestürzt, in der Super-Kombination wurde ich nur Vierte. Der Druck vor dem Slalom war immens hoch. Nach dem ersten Durchgang war ich nur Sechste, aber ich habe es mit dem zweiten Lauf noch umgebogen. Dieser WM-Titel war ein Schlüsselerlebnis in meiner Karriere. Seitdem weiß ich: Es geht immer was, und wenn es noch so aussichtslos erscheint.

Die Heim-WM 2011 war nicht weniger aufregend…

Höfl-Riesch: Meine Erkrankung kam damals aus heiterem Himmel. Nach dem Super-G habe ich schon im Ziel gemerkt, dass etwas nicht stimmt, ich hatte mir einen Virus eingefangen.

Und haben trotzdem zwei Bronzemedaillen geholt. Waren die goldwert?

Höfl-Riesch: Ich werde heute noch oft darauf angesprochen, dass die Heim-WM nicht gut lief. Ich sehe das anders, zwei Medaillen muss man erst gewinnen unter diesen Voraussetzungen. Natürlich wäre mit der Sieg lieber gewesen, aber das Es-zählt-nur-Gold finde ich falsch.

Welchen Wert haben WM-Medaillen?

Höfl-Riesch: Sie bedeuten immer sehr viel, danach bist du der König. Ich habe 24 Weltcupsiege, aber kein einziger davon gilt nur annähernd so viel wie die Goldmedaille in Val d’Isère. Eigentlich ist es ein Rennen wie jedes andere, aber eben nur eigentlich.

Was denkt man vor einem WM-Rennen im Starthäuschen?

Höfl-Riesch: Den Faktor WM sollte man am besten ausblenden, das ist nur leider schwer zu planen. Bei den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver ist mir das fast perfekt gelungen.

Wo sehen Sie jetzt in Schladming Ihre größten Chancen?

Höfl-Riesch: Ich könnte nicht sagen, in welcher Disziplin ich derzeit am stärksten bin. Am schwierigsten, denke ich, wird es, im Slalom um eine Medaille zu fahren. Weil dort im Moment so viele junge, schnelle Mädels sind, die nur Slalom fahren, oder höchstens noch Riesenslalom, und sich voll darauf konzentrieren können. Eigentlich läuft es zurzeit fast im Riesenslalom am besten.

Maria Höfl-Riesch: Die Ski-Strahlefrau

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Das wäre doch der Clou, die einzige Disziplin, in der Sie noch keinen Weltcupsieg haben.

Höfl-Riesch: Und die einzige Disziplin, in der ich noch keine Medaille gewonnen habe.

Was wäre Ihnen lieber, der Weltcupsieg oder die WM-Medaille?

Höfl-Riesch: Der Reiz, in jeder Disziplin einen Weltcupsieg zu schaffen, ist groß, aber wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich lieber die Medaille nehmen.

Auch weil es Ihre letzte WM sein könnte?

Höfl-Riesch: Vielleicht ist es die letzte, das weiß ich noch nicht. Im Moment habe ich noch die Form, überall vorne mitzufahren. Es ist sowieso unglaublich, wie lange ich jetzt schon dabei bin.

Was meinen Sie?

Höfl-Riesch: In der Vorbereitung auf die WM habe ich in Haus trainiert. Im Zielhang habe ich mich an meinen ersten Weltcupsieg dort 2004 in der Abfahrt zurückerinnert, das ist bereits neun Jahre her. Mittlerweile bin ich über 300 Weltcuprennen gefahren.

Sie hatten auch schwere Momente in Ihrer Karriere.

Höfl-Riesch: Stimmt, meinen ersten Kreuzbandriss hatte ich am 12. Januar 2005. Wahnsinn, auch das ist schon acht Jahre her.

Gibt es im DSV-Team überhaupt jemanden, der Sie die ganze Zeit begleitet hat?

Höfl-Riesch: Zu Beginn meiner Karriere waren noch Martina Ertl-Renz und Hilde Gerg die Stars. Vom DSV war nur Wolfi Maier schon dabei, der war damals Damentrainer. Zu ihm habe ich nach wie vor ein sehr gutes und enges Verhältnis.

Wer wird am Ende wen im Skizirkus überleben?

Höfl-Riesch: Wolfi ist jetzt 50, ich kenne seine Lebensplanung nicht, aber ich denke, er wird in den nächsten ein, zwei Jahren nicht zurücktreten. Von daher wird er wohl noch länger dabei sein als ich.

Interview: Mathias Müller

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