„Die gibt‘s ja noch gar nicht so lange wie uns“

EHC schreibt Eishockey-Geschichte - Halbfinal-Frage: Wer ist die Nummer eins im Konzern?

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Trevor Parkes erzielte für den EHC drei Treffer.

Das war noch keinem deutschen Verein gelungen: Red Bull München steht unter den letzten vier Teams der Champions Hockey League und macht Werbung für das deutsche Eishockey. Im Halbfinale kommt es nun zu einem brisanten Konzern-Duell zwischen Red Bull und Red Bull.

Malmö - Nach dem atemberaubenden Sturm in die Geschichtsbücher setzte bei den Eishockey-Cracks des EHC Red Bull München schnell die Vorfreude auf das Familienduell ein. Das 5:5 bei den Malmö Redhawks sicherte dem deutschen Meister ja nicht nur die Halbfinal-Teilnahme in der Champions Hockey League und einen Platz unter den besten vier Teams des Wettbewerbs. Nachdem Dreifach-Torschütze Trevor Parkes den EHC am Dienstag in der Verlängerung ins Glück geschossen hatte, blickte Maximilian Kastner bereits auf ein „besonderes Halbfinale“ gegen Salzburg voraus, das sich „jeder gewünscht“ habe. Das Brisante daran: München gegen Salzburg bedeutet auch Red Bull gegen Red Bull. Die Teams gehören nämlich dem österreichischen Brause-Giganten, beide kämpfen nun im Januar um den Einzug ins Finale: am 8. in München und am 16. in Salzburg.

Im Eishockey, dem Vernehmen nach die Lieblingssportart von Mateschitz, ist alles eine Nummer kleiner als im Fußball, was aber an der Vormachtstellung der Red-Bull-Mannschaften nichts ändert: München, mit angeblich 13,5 Millionen Euro und damit dem vermeintlich höchsten Etat der Deutschen Eishockey Liga (DEL) alimentiert, ist Meister der Jahre 2016, 2017, 2018. Die Salzburger, Etat angeblich 7,5 Millionen Euro, gewannen vier der letzten fünf und acht der letzten zwölf Titel.

Der Salzburger Kapitän Matthias Trattnig bezeichnete die Filiale in München schon mal feixend als "kleinen Bruder", denn: "Die gibts ja noch gar nicht so lange wie uns." Stimmt: Beim Salzburger Klub stieg Red Bull 2000 ein, unterhält zudem im nahegelegenen Liefering eine grandiose Akademie für Fußball und Eishockey: Die Eishockey-Abteilung wird vom ehemaligen deutschen Nationaltorhüter Helmut de Raaf geleitet.

EHC-Held Parkes: Das war ein großer Sieg

„Das wird ein Kampf“, kündigte Matchwinner Parkes an. „Wir wollen zeigen, dass wir die besseren Red Buller sind“, sagte Kastner noch in Schweden in der Euphorie nach einem furiosen Abend. Bis einer der größten Vereinserfolge des deutschen Eishockeys perfekt war, hatten die Münchner ein turbulentes Spiel zu überstehen: Nach dem 2:1 im Hinspiel lagen die Gäste schnell 0:2 zurück, drehten das Match zur zwischenzeitlichen 3:2-Führung. Dann sorgten die Schweden für ein 4:3, Münchens Olympia-Silbermedaillengewinner Daryl Boyle gelang das 4:4 kurz vor der zweiten Pause. Weil Malmö im Schlussabschnitt wieder mit 5:4 in Führung ging, musste die Overtime entscheiden. In der war dann Parkes nach einem Konter erfolgreich. „Das war ein großer Sieg“, resümierte der kanadische Hattrick-Held.

Jubel pur bei den EHC-Stars nach dem Erfolg in Malmö.

Fünf Jahre lang habe er keinen Dreierpack mehr erzielt, erzählte der im Sommer verpflichtete Stürmer. Einen besseren Zeitpunkt hätte er sich nicht aussuchen können: Dank Parkes gelang dem EHC als erstem DEL-Team der Einzug in das Halbfinale der CHL. Der Wettbewerb ist zwar nicht zu vergleichen mit der Fußball-Champions-League, vor allem weil die starken Teams aus der osteuropäischen Eliteliga KHL fehlen.

Dass sich München gegen Gegner aus Schweden, Finnland und der Schweiz durchsetzte, ist aber aller Ehren wert. Zehn Monate nach den Winterspielen macht also auch ein Verein Werbung für das deutsche Eishockey. „Alle haben großartig gespielt“, sagte Coach Don Jackson. „Sie sind über uns hergefallen, aber wir haben reagiert.“

Historischer Erfolg für den EHC ohne vier verletzte Star-Spieler

„Ich glaube, dass wir es von Anfang an mehr gewollt haben als die anderen“, analysierte Kastner nach dem „sehr verrückten“ Match, in dem die Jackson-Truppe einmal mehr den personellen Problemen trotzte.

Neben den länger verletzten Michael Wolf, Patrick Hager, Jason Jaffray und Mads Christensen mussten die Münchner auch Maximilian Daubner ersetzen. Der Jung-Profi war als Co-Kommentator bei Sport1 im Einsatz und sagte Sätze wie: „Wir geben nie auf.“ Im Januar gegen Salzburg soll das bei Red Bull gegen Red Bull nicht anders sein.

dpa mit SID

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