Vizemeister sucht neuen Anführer

Halb Demokratie, halb Befehl: Wer wird Kapitän des EHC München?

+
Ginge es nach den Fans und würde per Akklamation abgestimmt, würde Kony Abeltshauser Kapitän.

Das „C“ für Captain muss beim EHC München neu vergeben werden, nachdem Michael Wolf seine Karriere beendet hat. Wer wird beim DEL-Vizemeister der verlängerte Arm von Trainer Don Jackson?

München – Fünf Jahre spielte Michael Wolf für den EHC München, er wurde 2014 aus Iserlohn verpflichtet und sofort zum Kapitän ernannt. Weil er der Star war und man in ihm eine besondere Fähigkeit erkannte: Er beherrsche, so sagte Trainer Don Jackson, das „Leading by example“. Michael Wolf: Kein Lautsprecher, aber einer, der einfach tut, was zu tun ist.

Michael Wolf hat sich als Spieler vom EHC München verabschiedet, was zu einer Vakanz auf der Position des Kapitäns beim Vizemeister der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) führt. Das „C“ für Captain muss neu vergeben werden.

Wolf selbst will sich nicht einmischen in die C-Frage, erläutert aber bereitwillig, wie die jährliche Wahl stattfindet. „Sie ist geheim. Don bekommt die Zettel und wertet sie dann aus.“ Don ist Don Jackson, der Trainer des EHC München. Er wird auf das Votum der Spieler hören, doch auch seine eigenen Beobachtungen einfließen lassen. Eine Kapitänswahl ist keine Klassensprecher-Wahl, der Kapitän soll nicht nur die Interessen der Mannschaft vertreten, sondern mehr noch verlängerter Arm des Trainers sein. Weswegen es im Eishockey üblich ist, dass der Trainer den Kapitän bestimmt oder zumindest das letzte Wort hat. Der EHC München pflegt also eine Mischform aus Demokratie und Befehl.

EHC München: Ginge es nach den Fans, würde der Kapitän feststehen

Und wer wird nun der neue Wolf? Bei der Teampräsentation hat Stadionsprecher Stefan Schneider ein paar Namen fallen lassen: In der Regel die von älteren Spielern, die schon einige Zeit im Club sind. Patrick Hager, Frank Mauer, Kony Abeltshauser, Mads Christensen, Yannic Seidenberg. Am Sonntag (16 Uhr) tritt der EHC zum ersten Testspiel an, bei seinem Kooperationspartner SC Riessersee – dann schon mit neuer Regierung?

Ginge es nach den Fans und würde per Akklamation abgestimmt, würde Kony Abeltshauser Kapitän. Der Verteidiger ist unkompliziert und volksnah und steht als Tölzer und Dialektsprecher für die Verwurzelung in der Region. Der Rosenheimer Patrick Hager wäre ebenfalls eine kernbayerische Variante – Handicap: Er zieht deutlich mehr Strafzeiten als der milde Abeltshauser. Ein Kapitän muss öfter den Dialog mit dem Schiedsrichter suchen; das fällt leichter mit kürzerem Sündenregister.

Frank Mauer geht in seine fünfte EHC-Saison, gehört also auch schon zum Inventar. Für ihn spricht, dass er vergangene Saison alle Partien bestreiten konnte, nie ausfiel. Mads Christensen, Däne mit deutschem Pass, ist langjähriger Vertrauter von Don Jackson (sie arbeiteten schon in Berlin zusammen) und nach Wolfs Karriereende erfolgreichster Münchner Torschütze.

Bald geht die CHL los: Nächste Gegner des EHC stehen fest

Zur Wahl wird auch Yannic Seidenberg stehen. Er kam 2013 nach München, ist dienstältester Akteur beim EHC. Der 35-Jährige steht bei aktuell 957 Partien in der DEL, bei verletzungsfreiem Saisonverlauf wird er in den „Club der Tausender“ eintreten. Das Trikot zum Event kann EHC-Manager Christian Winkler schon in Auftrag geben.

Kein C-Kandidat ist Senior Jason Jaffray, 38. Der Kanadier befindet sich am Red-Bull-Standort Liefering zum Reha-Training nach Hüft-OP. Winkler verspricht: „Er wird noch dieses Jahr zurückkehren.“ Ist es schwierig, Kapitän zu sein? Nicht in München, findet Wolf: „Wenn die Mannschaft funktioniert, muss man nicht viel sagen.“

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

„Meine Kindheit in der NHL-Kabine“ - EHC-Neuzugang Bourque stellt sich vor
„Meine Kindheit in der NHL-Kabine“ - EHC-Neuzugang Bourque stellt sich vor
EHC Red Bull München: Bekannter Premium-Sponsor aus der Region
EHC Red Bull München: Bekannter Premium-Sponsor aus der Region

Kommentare