Hinfallrudolf Scharping – von der BRD zum BDR

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Rudolf Scharping, Präsident des BDR.

tz-Kolumnist Jörg Heinrich über den wiedergewählten Präsidenten des Bundes Deutscher Radfahrer.

Man möchte am liebsten mit dem Radfahren aufhören. Und mit dem Radlertrinken. Oder sich wenigstens eine Protestnote aufs Trikot pappen: „Ich fahre Rad. Trotz Rudolf Scharping.“ Damit könnte man dann durch die Landschaft pedalieren. Und so seinem Ärger Luft machen, dass der Mann, der sich Jan Ullrich bevorzugt rektal näherte, der Doping-Kuschler, der Polit-Absteiger, weitere vier Jahre deutscher Ober-Radfahrer bleibt. Oder besser: Radlfahrer, wie wir in Bayern sagen. Rad-Präsident Scharping – da möchte man jungen Radsportlern zurufen: Spielt’s lieber Minigolf! Denn die Zukunft eures Sports schaut stockfinster aus.

Rudolf Scharping, Master of Desaster – wo soll man anfangen? 1994 wollte er als Kanzler die BRD regieren – 2005 langte es dann bloß noch zum BDR, zum Bund Deutscher Radfahrer, der ihn jetzt wiederwählte. Gut, da kann er weniger Schaden anrichten. Aber es langt immer noch für erhebliche Verwüstungen. 2007 drückte er nach Erik Zabels viertelherziger Doping-„Beichte“ den Start seines Spezis bei der WM in Stuttgart durch. „Im so genannten Kampf gegen Doping hat Scharping nichts als Luftblasen fabriziert“, schimpft Mountainbike-Olympiasiegerin Sabine Spitz. „Natürlich ist es gut und wichtig, über Doping zu schreiben, aber es bringt nichts“, vertraute der rote Radler einmal der Welt an.

Das Problem: Scharping ist Fan, bleibt Fan, führt seinen Zweirad-Verein als Fan. Jahrelang turnte er als magentafarbenes Groupie durch die Szene und platzte vor Stolz, wenn er mit Ullrich und Zabel spazierenradeln durfte. Erst als klar war, dass sein Ulle nun wirklich nicht mehr zu retten ist, seilte er sich flugs ab. Politiker-Reflex. Und brachte Ullrich damit einmal, wenigstens ein einziges Mal, dazu, einen klaren Gedanken zu äußern: „Der Mann, der den Abstieg vom Verteidigungsminister zum Radpräsidenten hinter sich hat, war einer meiner größten Schulterklopfer und hat meine Popularität für sich genutzt. Solche Menschen hasse ich.“

Was für Scharping spricht: Wenigstens hat sich der Boris Becker unter den Sport-Funktionären (abzüglich Wimbledon) nicht bei Gottschalk auf der Couch verlobt. Was gegen ihn spricht: Die Pool-Nummer mit Gräfin Pilati auf Mallorca, gerade, als sich seine Soldaten auf ihren Mazedonien-Einsatz vorbereiteten, war noch weitaus dämlicher. Da entwickelte sogar Angela Merkel Humor-Talent: „Wenn der Herr Scharping noch vier Jahre Verteidigungsminister ist, dann ist das einzige funktionierende Kettenfahrzeug sein eigenes Fahrrad.“ Mit dem legt sich der Herr Scharping übrigens gern mal in die Heide. „Hinfallrudolf“, taufte ihn die SZ, als er 1996 ohne Helm vom Rad purzelte und vorübergehend das Bewusstsein verlor. Die Medizin weiß: Beileibe nicht jeder Schlag auf den Hinterkopf erhöht das Denkvermögen.

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