Doping auch im Schachsport?

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Im Schach gelten vor allem Psycho-Stimulanzien als mögliche Dopingmittel.

Vorbei sind die Zeiten, in denen Koffein im Schach als Doping-Mittel galt - angebrochen sind dagegen die Zeiten, in denen der Deutsche Schach-Bund (DSB) Doping-Kontrollen durchführt.

“Wir haben in Abstimmung mit der NADA ein Minimum an Kontrollen festgelegt“, sagt DSB-Sportdirektor Horst Metzing. “Bei einem ersten positiven Befund würden wir über dieses Maß aber auch hinausgehen.“ Seit dem 1. Januar unterwirft sich der DSB dem Code der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA). Bei vier Veranstaltungen - den deutschen Einzelmeisterschaften der Frauen, der Männer sowie der Juniorinnen und Junioren - gibt es je drei Kontrollen.

“Bislang sind keine positiven Ergebnisse aufgetreten“, sagte Metzing der Deutschen Presse-Agentur dpa. “Aus Sicht des Deutschen Schach-Bundes glaube ich sagen zu können, dass Doping im Schach keine große Rolle spielt. Es ist aber möglich. Es gibt genug Mittel, die unter das Dopingverbot fallen.“

Bei den vor fünf Wochen zu Ende gegangenen deutschen Einzelmeisterschaften hat der DSB erstmals kontrolliert. Darunter auch Herren-Sieger Arik Braun, den gleich zwei Offizielle zum Test begleiteten. Braun hält Doping im Schach für “relativ unproblematisch“ - dabei nimmt “Hirn-Doping“ in Studium oder Job mit Psycho-Stimulanzien wie Ritalin oder Modafinil zu.

Bereits 1979 unternahm der Großmeister und Internist Dr. Helmut Pfleger in einer Partie gegen den Ex-Weltmeister Boris Spasski einen Selbstversuch mit den damals legalen Beta-Blockern. “Es war eine der größten Torheiten meines Lebens“, sagt der 65-Jährige heute. “Träge“ habe er nach der Einnahme gespielt und verdient verloren. Richten sich heute Sportfachverbände nicht nach den NADA-Regeln, laufen sie gegebenenfalls Gefahr, Fördermittel durch das Bundesinnenministerium zu verlieren. Da der Weltverband FIDE den Status als olympische Sportart anstrebt und seit 2002 Kontrollen auf internationaler Ebene durchführt, sind auch keine Verbands-Ausnahmen gültig.

Im Schach gelten vor allem Psycho-Stimulanzien als mögliche Dopingmittel. Die einen sollen die Nervosität senken, die anderen bei den oft mehrstündigen Partien die Konzentrations-Fähigkeit steigern. “Daher ist es sinnvoll, nur bei Wettkämpfen zu kontrollieren“, sagt NADA-Sprecherin Ulrike Spitz. Erst im vergangenen Dezember hatte sich bei der Schach-Olympiade in Dresden der Spitzenspieler Wassili Iwantschuk einer Doping-Kontrolle entzogen - wegen eines Formfehlers wurde er jedoch nicht belangt. Und mittlerweile muss sich kein Schachspieler mehr wegen zu hohen Koffein-Genusses vor einer Doping- Strafe fürchten. “Ich bin froh, dass dieses Verbot vom Tisch ist“, sagt DSB-Sportdirektor Metzing erleichtert. Manch eine Tasse habe ihn vor Übermüdung bewahrt und so in einer Schach-Partie gehalten.

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