Leichtathletik-Hallen-Meisterschaften

Tobias Unger verliert überraschend 200-Meter-Finale

Bei den Deutschen Hallen-Leichtathletik-Meisterschaften am Sonntag im Glaspalast in Sindelfingen gewinnt Stefan Kuhlee (l) aus Frankfurt das Finale über die 200 Meter der Männer. Favorit Tobias Unger (r) wird nur Dritter.
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Bei den Deutschen Hallen-Leichtathletik-Meisterschaften am Sonntag im Glaspalast in Sindelfingen gewinnt Stefan Kuhlee (l) aus Frankfurt das Finale über die 200 Meter der Männer. Favorit Tobias Unger (r) wird nur Dritter.

Sindelfingen - Tobias Unger hat bei den deutschen Leichtathletik-Hallen-Meisterschaften in Sindelfingen überraschend über 200 Meter verloren.

Der Olympia-Siebte vom LAZ Kornwestheim/Ludwigsburg wurde am Sonntag in 21,19 Sekunden nur Dritter. Es gewann der Frankfurter Stefan Kuhlee (21,00) vor Alexander Kosenkow (Wattenscheid/21,15). Ungers Trainer Micky Corucle führte die Niederlage seines Schützlings auf die Bahnverteilung zurück. “Es ist physikalisch einfach nicht möglich, auf Bahn drei mit 2,70-Meter-Schrittlänge zu laufen“, sagte er. Bei internationalen Hallen-Meisterschaften ist diese Disziplin inzwischen gestrichen.

Überzeugen konnten hingegen Deutschlands neue Hochsprung-Hoffnung Ariane Friedrich über 2,01 Meter und die Show der Stabartisten um Tim Lobinger. Ansonsten gab es bei den Hallenmeisterschaften der Leichtathleten mehr Schatten als Licht. Zwei Wochen vor den Hallen-Weltmeisterschaften in Valencia sahen die insgesamt 5900 Fans nur wenige Top-Leistungen.

Neben Friedrich überzeugte Stabhochsprung-Altmeister Lobinger (München) als Sieger einer spannenden Konkurrenz mit 5,80 Meter vor seinem höhengleichen Rivalen Danny Ecker (Leverkusen) - es war sein sechster Hallentitel. Gar der siebte Streich glückte Dreisprung-Oldie Charles Friedek (Leverkusen) und 3000-Meter-Läufer Jan Fitschen (Wattenscheid). “Es waren wenig Zuschauer, und das ist schade“, meinte Lobinger.

Bei den Frauen hatte sich Verena Sailer (Fürth/München) über 60 Meter in 7,23 Sekunden den Titel geholt und die WM-Norm erfüllt. Stabhochspringerin Julia Hütter (Bruchköbel) verteidigte ihren Titel mit 4,60 Meter. Danach scheiterte sie dreimal am deutschen Hallenrekord (4,71). 800-Meter-Olympiasieger Nils Schumann (Erfurt) war gegen das unwiderstehliche Finish des 19-jährigen Robin Schembera (Leverkusen) machtlos. Der Youngster gewann in 1:49,20 Minuten vor dem verblassenden Star (1:49,73). Ariane Friedrich (Frankfurt/Main) schraubte ihre persönliche Bestleistung nach zwei 2-Meter-Sprüngen in dieser Saison um einen Zentimeter - seit 13 Jahren die beste Hallenleistung einer deutschen Hochspringerin.

Die Stabhochsprung-Routiniers Lobinger und Ecker wehrten den Ansturm der Jugend um Fabian Schulze, Alexander Straub und Raphael Holzdeppe ab und buchten das Ticket für Valencia. Der DLV wird wieder ein Mini-Team zur Hallen-WM schicken. “15 + wenig x“ verkündete Jürgen Mallow als Formel. Der Leitende Bundestrainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) hatte “nur wenige Disziplinen gesehen, mit denen ich gar nicht zufrieden war“. Dass der Wert von Hallenstarts in einem Olympia-Jahr umstritten ist, weiß auch Mallow. Was wirklich zählt, ist der Sommer. “Ich hoffe und erwarte“, meinte der Chefcoach, “dass wir im Mai, Juni, Juli einen weiteren Aufwärtstrend erleben“.

Vier Monate nach seiner Leistenoperation springt Lobinger wieder so konstant wie zu seinen besten Zeiten. Der Hallen-Weltmeister von 2003 wird am Freitag noch in Chemnitz starten und dann seine Koffer für die WM packen. “Ich freue mich wirklich auf Valencia“, sagte der Vollprofi. Im Glaspalast überflog Lobinger zum 98. Mal seit 1996 mindestens 5,80 Meter. Doch davon sahen die Zuschauer im ZDF- Sportstudio nichts - die olympische Kernsportart war am Samstagabend eine “Nullnummer“, was Mallow gar als “böswillig“ empfand.

Quelle: DPA

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