Skandalöse Fehltritte

Tatort Bundesliga: DFB ermittelt

Bremens Diego wird von Schiedsrichter Helmut Fleischer vom Platz gestellt.
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Bremens Diego wird von Schiedsrichter Helmut Fleischer vom Platz gestellt.

München - Verbale Fouls, obszöne Gesten und rohe Gewalt - mit einer nicht alltäglichen Anhäufung fast schon skandalöser Fehltritte haben sich die Idole von Millionen Fußball-Fans daneben benommen und die Bundesliga in Verruf gebracht.

Die «Arschloch-Affäre» um Mario Gomez, die Platzverweise für Diego und Mark van Bommel und auch die zündelnden Radaubrüder beim Derby in Stuttgart sorgen nach dem 21. Spieltag für Schlagzeilen. Das Rennen um die Meisterschaft, der Kampf um die lukrativen Europapokalplätze und der Abstiegskampf zehren an den Nerven - Fairplay bleibt offenbar auf der Strecke.

Die Fußball-Prominenz warnt allerdings davor, das von anstößigen und unanständigen Auftritten begleitete Wochenende zu dramatisieren: «Gomez hat sich entschuldigt. Ich denke, man sollte sich anderen Themen zuwenden», sagte Franz Beckenbauer. DFB-Ehrenspielführer Uwe Seeler warnte vor vorschnellen Urteilen: «Natürlich haben Nationalspieler Vorbildfunktion, trotzdem kann einem das eine oder andere Wort mal entwischen.» Einen Sittenverfall kann FIFA- Schiedsrichter Herbert Fandel nicht feststellen. Aber: «Was uns Schiedsrichter am meisten ärgert, wenn verbal nachgetreten wird.»

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ist unteressen aktiv geworden. Kontrollausschuss-Vorsitzender Anton Nachreiner ermittelt bereits in der Sache Gomez und hat eine Stellungnahme angefordert. VfB-Stürmer Gomez bediente sich nach dem 3:1 gegen den KSC der Gossensprache und beleidigte seinen Gegenspieler Maik Franz als «Arschloch». Gomez hat sich inzwischen mehrfach entschuldigt, doch er wird sich vor dem DFB-Kontrollausschuss für seine Äußerungen verantworten müssen. Mindestens eine Geldbuße, aber auch ein Verfahren und eine höhere Strafe drohen.

DFB-Teammanager Oliver Bierhoff nahm den VfB-Profi in Schutz: «Die Wortwahl war verkehrt, aber man muss sehen, dass man direkt nach dem Spiel, sicherlich ein bisschen erbost, erregt ist und teilweise nicht die richtigen Worte findet.» Ähnliche Anteilnahme widerfährt Bremens Spielmacher Diego, der nach etlichen Rempeleien des Gegners und einem derben «Stand up and fuck you» seines Frankfurter Widersachers Sotirios Kyrgiakos die Nerven verlor. Der Brasilianer streckte den Griechen in bester Zinedine-Zidane-Manier mit einem Crosscheck zu Boden und kassierte die Rote Karte.

Auch Diego entschuldigte sich, aber eine Sperre von drei Spielen dürfte ihm sicher sein. Ein schwerer Verlust für Werder im Titelrennen, aber kein Grund, die Schuld für Diegos Ausraster bei anderen zu suchen. Die Annahme von Trainer Thomas Schaaf, eine Aussage von Bayern Münchens Profi van Bommel («Diego ist ein Schwalbenkönig») nach dem Liga-Gipfel vor zwei Wochen habe Stimmung gegen Diego gemacht, ist nicht nachvollziehbar.

Auch nicht die erneute Unbeherrschtheit von van Bommel im Schlagerspiel gegen den Hamburger SV. Hinter dem Rücken von Schiedsrichter Lutz Wagner zeigte der Niederländer dem Referee die «Stinkefaust». Zuvor hatte van Bommel wegen Meckerns und hämischen Beifalls die Ampelkarte gesehen. «Das war eine Undiszipliniertheit, die ich nicht dulden werde», sagte Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld und kündigte eine Geldstrafe für den Mittelfeldstar an.

Nürnbergs neuer Trainer Thomas von Heesen greift noch härter durch. Weil sich Torhüter Jaromir Blazek beim Kellerderby gegen Cottbus mit den eigenen Fans anlegte, droht dem Tschechen die Verbannung auf die Ersatzbank. Andere kommen zumindest intern ungeschoren davon. «Was soll er denn machen? Er ist ein aggressiver Spieler», verteidigte Schalkes Trainer Mirko Slomka Mittelfeldspieler Jermaine Jones, der erst nach dem dritten üblen Foul gegen Leverkusens Stephan Kießling Gelb-Rot sah.

Spieler wie Werders Tim Borowski («Irgendwann rastet man dann aus...») sehen den Täter als Opfer, der slowakische Nationalspieler Stanislav Sestak (VfL Bochum), der sich ähnlich wie Diego als «Freiwild» verfolgt fühlt, erklärt, dass in der Bundesliga «oft unnötig hart gespielt wird». Schiedsrichter Fandel hat dagegen ganz andere Erfahrungen gemacht: «In den Spielen, die ich gepfiffen habe, gab es keine größere Härte oder Brutalität. Auf dem Platz hat sich nichts geändert, die Spieler legen ein normales Verhalten an den Tag.»

Quelle: DPA

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