Salami-Spieltage: Profis profitieren, Amateure kritisieren

Frankfurt/Main - Die Profis kassieren, die Amateure kritisieren: Die von der Saison 2009/10 an gültigen “Salami- Spieltage“ der Fußball-Bundesligen haben zu unterschiedlichen Reaktionen geführt.

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Während die meisten der 36 Mitglieder des Ligaverbandes das neue Modell begrüßen, schimpfen Vertreter unterklassiger Vereine vor allem über die beiden neu eingeführten Erstliga-Spiele am Sonntagnachmittag. “Bisher gab es eine klare Absprache zwischen den Profis und den Amateuren, dass der Sonntag dem Amateurfußball gehört. Das ist nun eine grundlegende Änderung unserer Beziehungen zueinander“, sagte der Präsident des Württembergischen Fußball-Verbandes, Herbert Rösch, am Mittwoch der Deutschen Presse- Agentur dpa.

Die Amateure fürchten durch den neuen Spielplan einen weiteren Zuschauerschwund. “Dem Amateurfußball wurde damit ein Bärendienst erwiesen“, kritisierte Stefan Pralle, Manager des Fünftligisten SC Langenhagen, in der “Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ (Mittwoch- Ausgabe). “Dadurch, dass alle Zeitfenster vom Profifußball belegt werden, wird es für uns nicht gerade einfacher.“ Ähnlich äußerte sich Jürgen Scholz von Arminia Hannover zu den zwei Sonntagsspielen um 14.45 Uhr: “Dieses Tabu ist jetzt auch gefallen. Uns fehlt einfach die Lobby in der Spitze des deutschen Fußballs.“

Im Gegensatz zu den Vereinsvertretern sieht der für die Amateure zuständige DFB-Vizepräsident Hermann Korfmacher die neue Regelung weniger kritisch. “Grundsätzlich erwarte ich keine großen Probleme“, sagte Korfmacher der dpa. “Die These, der Sonntag ist für die Amateure und die Kirche, gilt nicht mehr.“ Bei Gesprächen mit Amateurvertretern sei es zu keinen großen Protesten gekommen, berichtete er. “Allerdings waren da die genauen Anstoßzeiten der Sonntagsspiele noch nicht bekannt.“ Jetzt sei “natürlich eine neue Situation eingetreten, über die wir auf unserer DFB-Präsidiumssitzung am Freitag sicher noch einmal reden werden“.

Einige kritische Stimmen gab es auch aus der 2. Liga. “Demnächst können wir doch direkt nach dem Frühstück spielen. Das gefällt mir überhaupt nicht“, wird Uwe Stöver, Manager des SV Wehen Wiesbaden, in der “Bild-Zeitung“ zitiert. “12.30 Uhr ist natürlich ein schlechte Zeit“, klagte Helmut Hack, Vereinschef der SpVgg Greuther Fürth.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) verteidigte die bereits beschlossene Aufteilung mit zehn verschiedenen Anstoßzeiten von Freitag bis Montag und verwies darauf, dass nur noch 36 Prozent aller Amateurspiele am Sonntag stattfinden. “Wir können manche Kritik nachvollziehen, aber man kann es nicht allen gerecht machen“, sagte Ligapräsident Reinhard Rauball der dpa. “Die 2. Liga hat auch einige Vorteile von dem neuen Spielplan-Modell“, erklärte Rauball: “Das Montagsspiel bleibt unangetastet, es gibt ein zusätzliches Live-Spiel am Samstag - und vor allem werden anders als in anderen europäischen Ländern zeitliche Überlappungen mit der Spitzenliga vermieden.“

Zufrieden scheinen die Erstligisten. “Ich halte das für ein sehr ausgewogenes und gutes Konzept“, kommentierte HSV-Chef Bernd Hoffmann. Stuttgarts Manager Horst Heldt sagte: “Wir müssen Geld generieren, um international wettbewerbsfähig zu bleiben.“ Man müsse “auch Kompromisse eingehen, um allen gerecht zu werden“. Er könne aber “den Ärger der Amateurfußballer verstehen“, sagte Heldt. Die Einnahmen der Profivereine steigen durch den neuen TV-Vertrag von rund 430 Millionen Euro auf durchschnittlich 500 Millionen Euro.

Quelle: DPA

Quelle: tz

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