Positive Doping-Probe: Sinkewitz suspendiert

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Patrik Sinkewitz

Aigle - Der Kronzeuge hat offenbar erneut gedopt. Radprofi Patrik Sinkewitz ist nach einem positiven Dopingtest vom Weltverband UCI am Freitag vorläufig suspendiert worden.

Ihm droht als Wiederholungstäter damit eine lebenslange Sperre. „Wenn jemand so entsetzlich unbelehrbar ist, gehört er aus dem Verkehr gezogen“, sagte Rudolf Scharping, Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), dem Sport-Informations-Dienst (SID), und sprach von einem „hohen Maß an Beklopptheit“. 

Doping: Die merkwürdigsten Ausreden

Doping: Die merkwürdigsten Ausreden

Alberto Contador erklärte seine positive Doping-Probe mit verunreinigtem Essen. Er wurde daraufhin freigesprochen. Es ist nicht die erste merkwürdige Erklärung in der Geschichte des Dopings. © AP
Doping - die dümmsten Ausreden
Ex-Sprinter Dennis Mitchell nutzte seinen positiven Dopingbefund, um sich als Sexprotz zu outen. Das viele Testosteron komme von einer wilden Partynacht, in der er seine Frau verwöhnt habe. „Fünf Flaschen Bier und mindestens vier Mal Sex mit seiner Frau. Es war ihr Geburtstag. Die Lady hatte es verdient“, so lautete sein Statement. © Getty
Der Klassiker: Wer hat die Dopingmittel in Dieter Baumanns Zahnpastatube deponiert? © ots/dpa/Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Adrian Mutu: Der rumänische Fußballspieler sagte 2004 nach einer positiven Dopingprobe, er habe lediglich ein Mittel zur “Steigerung der sexuellen Leistungsfähigkeit“ genommen. Zuvor hatte er zugegeben, Kokain genommen zu haben, dieses Geständnis wenige Tage später jedoch widerrufen. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Die Lebensmittelvergiftung der anderen Art: Ex-Sprinter Linford Christie beteuert: „Ich habe nicht gedopt, ich habe nur Avocados gegessen!“ © Getty
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Die wohl abgefahrenste Ausrede für Blutdoping hatte Radsportler Tyler Hamilton: “Ich bin ein Mischwesen. Die fremden Zellen in meinem Körper werden von den Stammzellen meines vor der Geburt gestorbenen Zwillingsbruders produziert." © Getty
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Gefährliche Mitbringsel: Die aus Südamerika importierten Bonbons sollen mit Koks verseucht gewesen sein, meint Straßenrad-Star Gilberto Simoni. © Getty
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Johann Mühlegg soll eine Spezial-Diät gemacht haben, wegen der in seinem Kreislauf eine EPO-ähnliche Substanz nachgewiesen wurde... © Getty
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Auf den Hund gekommen: Frank Vandenbroucke behauptete, als bei ihm Anabolika und EPO sichergestellt wurden, die Mittel seien für seinen asthmakranken Hund bestimmt gewesen. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Justin Gatlin gab einem Masseur die Schuld. Der soll ihn nämlich mit einer testosteronhaltigen Salbe bearbeitet haben. Es soll sich sogar um eine fiese Retourkutsche des Profikneters gehandelt haben, meint Gatlin. © Getty
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Christian Henn, ehemals Radprofi, wollte eigentlich nur der eigenen Libido auf die Sprünge helfen. Ein Spezialtee wurde ihm zum Verhängnis. © Getty
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Ex-T-Mobile-Fahrer Matthias Kessler nahm angeblich Präparate zu sich, auf denen chinesische Schriftzeichen standen. Nur doof, dass er kein Chinesisch kann. © Getty
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Zu tief ins Glas geschaut und damit den Testosteronspiegel erhöht. Floyd Landis schiebt‘s auf den Whiskey © Getty
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Keiner war über einen positiven Dopingtest so verwundert wie Patrik Sinkewitz: "Ich? Das kann nicht sein", wunderte er sich. Und das ist noch nicht mal eine Ausrede... © Getty
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Martina Hingis, die Schweizer Version von Zahnpasta-Dieter Baumann: Jemand soll ihr Koks in den Fruchtsaft gemischt haben. Sieht ja auch aus wie Süßstoff... © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Ex-Radprofi Rolf Aldag gibt dem System die Schuld. Ohne EPO-Missbrauch hätte er im T-Mobile-Team keinen neuen Vertrag bekommen. © Getty
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Erik Zabel sagte, er habe nur einmal EPO probiert. Die Substanz habe aber nicht mit seinem Körper und Geist harmoniert. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Jan Ullrich ließ sich in einer Disco Ecstacy andrehen. „Ulle“ schluckte die Tabletten, ohne sich dabei etwas gedacht haben zu wollen. “Ich war den Abend ziemlich mies drauf. Das waren zwei Tabletten, wo mir bestätigt wurde, (...) und dass das eigentlich harmloses Zeug ist.“ Wer ihm die Tabletten gab, sagte er nicht. “Zu den Tabletten kann ich gar nichts sagen, ich kenn' kein Ecstasy. Ich weiß nicht wie das aussieht. Ich bin um die Ecken gezogen und war in verschiedenen Läden. Ich möchte keinen Unschuldigen da mit reinziehen.“ © Getty
400-Meter-Olympiasieger LaShawn Merritt wurde nach positiven Dopingproben gesperrt. Die positiven Tests ließen sich mit der Einnahme eines frei erhältlichen Produkts zur Vergrößerung des männlichen Geschlechtsteils erklären, sagte sein Berater. © dpa
Claudia Pechstein: “Ich weiß nun, dass ich eine Blutmacke habe, aber nicht krank bin“, sagte die Eisschnellläuferin. Die Sportlerin war 2009 wegen auffälliger Blutwerte gesperrt worden. Später erklärten Ärzte, ein von ihrem Vater vererbter Gen-Defekt sei für die hohen Retikulozyten-Werte verantwortlich. © dpa
Ivonne Kraft: Den positiven Test auf das Asthma-Mittel Fenoterol erklärte die Mountainbikerin 2007 mit einer explodierten Sprühflasche. Ihre Mutter habe Asthma-Spray benutzen wollen, dann sei die Flasche explodiert und sie habe die Substanz offenbar eingeatmet. © Getty

Dem 30-Jährigen Sinkewitz wurde bei einer Wettkampfkontrolle nach dem Grand Prix von Lugano am 27. Februar in der A-Probe ein Wachstumshormon nachgewiesen. Scharping verwies auf das funktionierende System der Dopingfahnder: „Die UCI hatte Sinkewitz auf ihrer Überwachungsliste, wie man sieht, zu Recht. Das System greift.“

Patrick Sinkewitz war bereits am 8. Juni 2007 positiv auf Testosteron getestet worden, drei Tage nach seinem schweren Sturz im Anschluss der achten Etappe der Tour de France. Der Fall hatte damals für große Aufregung gesorgt. Die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender zogen sich daraufhin mit sofortiger Wirkung aus der Live-Berichterstattung zurück.

Sinkewitz hatte in der Folgezeit ein umfangreiches Geständnis abgelegt und auch über Dopingpraktiken im T-Mobile-Team bis 2006 ausgesagt. Daraufhin profitierte der frühere Deutschland-Tour-Sieger von der Kronzeugenregelung und wurde ebenso wie sein Kollege Jörg Jaksche nur für ein Jahr gesperrt.

Ex-Profi Rolf Aldag, zur damaligen Zeit Sportlicher Leiter beim Team Telekom, war von der Nachricht am Freitag nicht sonderlich überrascht: „Sinkewitz ist ein Thema für sich. Es gibt Radfahrer, da sage ich: Ich wundere mich nicht mehr.“ Weiter sagte Aldag dem SID: „Es gibt Leute, die verstehen es nie. Letzten Endes entscheidet der Rennfahrer, ob er verbotene Mittel nimmt.“

Sinkewitz ist der erste Radprofi, der den Dopingfahndern durch ein neues Testverfahren ins Netz ging. Durchgeführt wurde die Analyse im IOC-Labor in Lausanne. Die Suspendierung bleibt so lange in Kraft, bis eine Anhörung geklärt hat, ob es sich um einen Dopingverstoß handelt. Sinkewitz kann nun die Öffnung der B-Probe beantragen.

Patrik Sinkewitz hatte am 27. Februar 2009 sein Comeback nach 594 Tagen Rennpause gegeben. Damals fuhr er für das das zweitklassige Team PSK Whirlpool. Vor seinem Comeback bei PSK hatte Sinkewitz in der Radsportszene einen Spießrutenlauf hinter sich. Da er Kollegen, Ärzte und Teamchefs belastet hatte, galt er im Radsport als Nestbeschmutzer.

Später wechselte er zum italienischen Team ISD. Ex-Profi Jörg Ludewig den Kontakt zu ISD hergestellt. Bei dem Rennstall arbeitet der frühere Starsprinter Mario Cipollini als PR-Manager. Im August erhielt Sinkewitz einen Anschlussvertrag für dieses Jahr. Es war der Lohn für seine guten Leistungen: Bei der Portugal-Rundfahrt 2010 hatte er als Vierter das Podium lediglich um sieben Sekunden verpasst.

Vor seinem Comeback hatte Patrik Sinkewitz erklärt: „Kein Sportler betreibt Doping als Hobby, er wird durch Erfolgsdruck und Angst vor Versagen dazu getrieben.“ Die Vergangenheit scheint ihn nun wieder eingeholt zu haben.

sid

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