Nach dem überraschenden Einzug ins DFB-Pokal-Halbfinale

Pokalschreck Jena träumt vom FC Bayern

Die Jenaer Spieler (v.l.) Patrick Amrein, Nils Petersen und Kosi Saka freuen sich nach dem Spiel mit den Fans über den 4:5-Sieg im Elfmeterschießen.
+
Die Jenaer Spieler (v.l.) Patrick Amrein, Nils Petersen und Kosi Saka freuen sich nach dem Spiel mit den Fans über den 4:5-Sieg im Elfmeterschießen.

Stuttgart/Jena - Nach dem Viertelfinal-Sieg über den VfB Stuttgart träumen die Pokalhelden vom FC Carl Zeiss Jena bereits vom Finale. Der Wunschgegner des Zweitligisten ist der FC Bayern München.

Mit Selters und Saft statt Sekt stießen Jenas Spieler während der feucht-fröhlichen fünfstündigen Heimfahrt im Bus auf ihren Coup an. Schampus hatten die Vereins- Verantwortlichen nicht eingepackt, weil keiner so richtig an eine Sensation des krassen Außenseiters beim VfB Stuttgart glaubte. “Das ist ein unerwarteter Segen - auch finanziell“, umschrieb Carl-Zeiss- Präsident Rainer Zipfel das dritte Pokal-Wunder, nachdem die Thüringer morgens um vier völlig platt, aber überglücklich zu Hause angekommen waren. Sieben Stunden später ließ Trainer Henning Bürger seine Schützlinge schon wieder locker um den Fußballplatz traben, um die Müdigkeit aus Kopf und Körper zu vertreiben.

“Für einen gebeutelten Zweitligisten wie uns ist das eine echte Sensation, wenn man beim deutschen Meister weiterkommt“, brachte Sportdirektor Carsten Linke die unglaubliche Leistung beim 7:6 (2:2, 1:1, 1:0) nach Verlängerung und Elfmeterkrimi auf den Punkt: “Spätestens beim Blick in die Zeitungen ist uns klar geworden, was die Mannschaft in Stuttgart geleistet hat.“

Jetzt hofft der abgeschlagene Tabellen-Vorletzte auf einen doppelt positiven Effekt: Im sportlichen Überlebenskampf der Liga soll dieser Triumph neue Energie freisetzen, um den drohenden Abstieg abwenden zu können. Und dank der unerwarteten Mehreinnahmen von mindestens 1,5 Millionen Euro durch den Halbfinal-Einzug soll der Etat für kommende Saison aufgestockt werden. Für die Profis fiel auch etwas ab: Zipfel kündigte spontan eine Prämie an. Sollte der Pokal-Schreck, der zu DDR-Zeiten viermal den FDGB-Pokal holte, sogar ins Endspiel gelangen, würden insgesamt rund vier Millionen Euro in die Kasse fließen.

Manche Spieler träumen bereits von Berlin. “Ich wünsche mir Bayern München - aber erst im Finale“, sagte Stefan Kühne keck. “Wenn man Stuttgart im Viertelfinale überstanden hat, denkt man natürlich ans Endspiel“, räumte Linke ein, dass ein bisschen träumen nun erlaubt sei. “Aber egal wie der Gegner heißt, wir sind auch im Halbfinale wieder krasser Außenseiter. Doch für uns ist das keine schlechte Ausgangsposition.“ Schließlich musste das nach Arminia Bielefeld und Pokalsieger 1. FC Nürnberg nun im VfB bereits der dritte Große schmerzlich erfahren. Bürger hätte nichts dagegen, wenn Borussia Dortmund als Vierter dran glauben müsste: “Ich möchte im Halbfinale in Dortmund vor 80 000 Leuten spielen.“

Der Trainer ließ sich von der allgemeinen Euphorie allerdings am wenigsten anstecken: “Ich persönlich würde lieber mit drei Punkten in der 2. Liga tauschen.“ Angesichts der acht Zähler Rückstand zum rettenden Ufer wies Bürger nüchtern auf das schwere Spiel am Sonntag hin. “Wir haben den deutschen Meister geschlagen, aber unser nächster Gegner Koblenz ist genauso wichtig. Ich hoffe, dass unser Erfolg Kräfte freisetzt.“

Das hoffen auch die Spieler. “Das gibt uns einen Energieschub“, sagte Abwehrchef Robert Müller, der in der Nachspielzeit der Verlängerung (120.+1) zum 2:2 traf und damit das Elfmeterschießen erst ermöglichte. Zuvor hatte Tobias Werner zur überraschenden, aber verdienten Führung eingeköpft (32.) und VfB-Torjäger Mario Gomez mit seinen beiden Treffern (81./94.) das Blatt vorübergehend wenden können. “Jetzt müssen wir den Schwung für den Abstiegskampf mitnehmen“, forderte Nils Petersen, was laut Kühne auch der Fall sein wird: “Wir fahren mit breiter Brust nach Koblenz.“

Quelle: DPA

Auch interessant:

Kommentare