Rodel-Weltmeister Felix Loch im tz-Interview

Ohne Hackl geht nichts

Felix Loch will wieder angreifen.
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Felix Loch will wieder angreifen.

Berchtesgaden - Der Champion kehrt zurück: Am Sonntag feiert Rodel-Weltmeister Felix Loch (19) beim Heimrennen am Königssee mit Verspätung sein Saisondebüt.

Die Bänderrisse im Schultereckgelenk sind überstanden. „Das verknorpelt. Es schaut ein Eck oben raus, aber das ist kein Problem, nicht einmal aerodynamisch“, erklärt Loch im Interview, zu dem ihn die tz in Berchtesgaden traf – und in dem er verrät, wie er mit BMW-Power endlich seinen ersten Weltcup-Sieg feiern will.

Hallo Herr Loch, Sie sind 2008 sensationell Weltmeister geworden, waren aber im Weltcup bisher noch nie auf dem Podium. Das erinnert an einen Handwerker, der erst seine Meisterprüfung macht und danach in die Lehre geht.

Loch: So ungefähr. Aber was will ich machen? Du hast halt manchmal einen sehr guten Tag, und dann kann so etwas passieren. Ich denke mir: Wer weiß, wann du die Chance wieder kriegst – den Titel kann mir schon mal keiner mehr nehmen. Ich beschwere mich nicht.

Der zweifache Weltmeister David Möller meinte, in Zukunft wird es für Sie schwerer, weil Sie vielleicht nicht mehr so unbekümmert drauflosfahren können wie bisher.

Loch: Das glaube ich nicht, dass es schwieriger wird. Kein Mensch erwartet von mir, dass ich jetzt als Weltmeister alles in Grund und Boden fahre. Ich will konstant vorne dabei sein, das erste Mal aufs Stockerl kommen – daran hat sich null geändert, bloß weil jetzt WM-Gold daheim liegt.

Schorsch Hackl meinte nach dem WM-Sieg, er hätte sich gefreut wie ein Schnitzel, auch wenn sein Anteil sicher der geringste gewesen sei.

Loch: Der Schorsch untertreibt gern. Ich habe die ganze WM-Woche mit ihm am Material gearbeitet, ohne ihn hätte das nie funktioniert.

Sie gelten auch in Sachen Basteln und Tüfteln als legitimer Hackl-Nachfolger. Merken Sie auf der Bahn jede kleine Veränderung sofort?

Loch: Und ob, das ist brutal. Der Schorsch kann mir den Schlitten so einstellen, dass ich in einem Lauf zwei Sekunden hinterherfahre – nur durch winzige Veränderungen. Aber das ist eben die Kunst, dass man für die richtigen Eisverhältnisse immer genau das richtige Gerät unter dem Hintern hat.

Führen Sie Aufzeichnungen, auf die Sie dabei zurückgreifen können?

Loch: Ich habe alles im Computer drin, die Daten zu jedem einzelnen Rennen stehen in einer Excel-Tabelle.

Ist diese Arbeit mit dem Computer auch die Welt vom Hackl?

Loch: Mal so, mal so. Durch sein Studium an der Sporthochschule in Köln sitzt er mittlerweile oft am Computer, aber der Herr Hackl macht auch noch viel handschriftlich… (lacht, weil Hackl zufällig dazukommt und zuhört)

Hackl: Wos moch i? Du bleder Hund, i bin nur noch am Computer. Ich lehne es ab, ein Blattl Papier auch nur mehr in die Hand zu nehmen, das ist eine Verschwendung von Ressourcen. Aber im Ernst: Der Felix ist irrsinnig fit in solchen Sachen. Es gibt andere, die beherrschen nur Computerspiele.

Sie waren vor der Saison erstmals im BMW-Windkanal.

Loch: Super spannend. Am Ende war ich über zwei Stunden drin. Wir haben einiges an meiner Fahrposition und am Schlitten gefunden, das wir jetzt am Königssee ausprobieren wollen. Wir waren sogar mit den Kufen im BMW-Wärmebehandlungszentrum. Und wir haben komischerweise festgestellt: Ich bin trotz meiner 1,90 Meter der aerodynamischste der deutschen Fahrer – warum auch immer.

Machen Sie am Start eigentlich Paddler oder Pinguine?

Loch (lacht): Ich mach Paddler, so heißt das bei uns in Bayern. In Thüringen sagen sie Pinguine dazu.

Sie wissen, warum wir fragen. Sie haben ja quasi einen Migrations-Hintergrund und sind mit zwei Jahren mit Ihren Eltern aus Sonneberg nach Berchtesgaden gezogen.

Loch: Aber fühle mich zu 100 Prozent als Bayer, das hört man ja auch.

Auch wenn die Thüringer Zeitungen den Thüringer Weltmeister Felix Loch feiern.

Loch: Kein Problem, die dürfen sich gern mitfreuen. Und meine Großeltern, die alle in Thüringen leben, sind auch auf ihren bayerischen Enkel stolz.

Ihr Vater Norbert Loch ist seit dieser Saison Bundestrainer. Er muss Anfang 2010 schlussendlich darüber entscheiden, ob Sie mit zu Olympia nach Vancouver dürfen.

Loch: Ich habe ja schon bei den Junioren unter ihm trainiert, deshalb ist das keine neue Situation. Ich versuche einfach, so gut zu fahren, dass ihm bei der Olympia-Quali niemand einen Gewissenskonflikt unterstellen kann. Wir haben drei Startplätze und sieben Top-Rodler, das wird brutal hart. Wenn da meine Leistung nicht stimmt, dann hilft mir auch der Papa nichts.

Interview: Jörg Heinrich

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Quelle: tz

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