Hans-Jochens Vogel

München - tz-Kolumnist Jörg Heinrich hat sich mal Gedanken gemacht über die Kritiker, die gegen eine Austragung der Olympischen Spiele 2018 in München sind.

Der Bundesverband der Heckenschützen, die Werdenfelser Zwietrachtler sowie der bayerische Förderverein der Dagegenseier und Nichtmitunser leisten derzeit ganze Arbeit. Sie sind gegen die Austragung der Winterspiele 2018 in München, Garmisch und am Königssee – höchstwahrscheinlich, weil der Schutz des Florentiner Habichtskrauts und des rosablühenden grüngelbquergestreiften Rosmarin-Weidenröschens im Bewerbungskonzept nicht ausreichend erwähnt wird, und weil eine Trachtlerin im Bewerbungsvideo schiache Landhausmode trägt.

Spannende Frage: Hat es diese professionellen Dagegenseier eigentlich auch schon gegeben, als sich München für die Sommerspiele 1972 beworben hat?

Diese Wintersportarten sind olympisch

Diese Wintersportarten sind olympisch

Snowboard: In Sotschi werden in dieser Sportart in zehn Disziplinen Medaillen vergeben © dpa
Slopestyle: Diese Snowboard-Disziplin ist seit 2014 neu im Olympia-Programm. Die Fahrer müssen einen Parcours absolvieren und dabei Drehungen und Grabs zeigen. Die Jury gibt dafür Punkte. © dpa
Cross: Hier müssen mehrere Snowboarder gleichzeitig eine Abfahrtsstrecke bewältigen © dpa
Halfpipe: Auch in der Halfpipe können Snowboarder um Gold, Silber und Bronze kämpfen © dpa
Parallel-(Riesen-)Slalom: Hier geht es "Mann gegen Mann" beziehungsweise "Frau gegen Frau". Zwei Fahrer treten gegeneinander an. © dpa
Bob: Hier fallen drei Entscheidungen. Und zwar im Zweierbob (Damen und Herren) und im Viererbob © dpa
Curling: Für Außenstehende ein Rätsel - für die Spieler harte Arbeit. Beim Curling versuchen zwei Mannschaften zu je vier Spielern, ihre Steine näher an den Mittelpunkt des Zielkreises auf der Eisbahn zu spielen als das gegnerische Team. © dpa
Skeleton: Kopf voran in die Eisröhre! Zwei Garnituren Gold, Silber und Bronze werden hier vergeben. © dpa
Eiskunstlauf/Eistanz: Hier ist Eleganz auf Kuven gefragt. In fünf Disziplinen wird um Gold gekämpft - zum ersten Mal auch als Team-Wettbewerb. © dpa
Eisschnelllauf: 12 Mal Gold gibt es im Eisschnelllauf in Sotschi zu gewinnen. Die Distanzen reichen von 500 Metern bis 10.000 Metern. Auch die Teamverfolgung steht auf dem Programm. © dpa
Rennrodeln: Hier dominieren seit Jahren die Deutschen. Vier Medaillen werden in Sotschi vergeben, davon zwei im Einsitzer (Damen und Herren) und eine im Doppelsitzer. Die vierte Medaille wird in einer Disziplin vergeben, die neu bei Olympia ist. Und zwar im ... © dpa
Rennrodeln-Staffel: Sie feiert in Sotschi Premiere. Die Staffel besteht aus einem weiblichen und einem männlichen Einsitzer-Fahrer, sowie einem Doppelsitzer. Die Deutschen Felix Loch (l-r), Tobias Arlt, Tobias Wendl und Natalie Geisenberger sind haushoher Favorit. © dpa
Ski Alpin: Insgesamt zehn Mal Gold wird in den alpinen Disziplinen vergeben - in der Abfahrt, im Super G, im Riesenslalom, im Slalom und in der Kombination. © dpa
Eishockey: Zwei Goldmedaillen werden ausgespielt - jeweils eine bei den Herren und bei den Damen. © dpa
Langlauf: In der Loipe werden zwölf Goldmedaillen vergeben. Und zwar im Skiathlon (2 x 7,5 Kilometer), im Sprint, im Team-Sprint, über 10 und 30 Kilometer (Damen) und 15 und 50 Kilometer (Herren) sowie in der Staffel (4x5, bzw. 4x10 Kilometer). © dpa
Skispringen: Insgesamt wird im Skispringen in vier Wettkämpfen um den Sieg gekämpft, dabei werden drei bei den Männern vergeben (Normalschanze, Großschanze, Team) und einer beim ... © dpa
Skispringen der Damen: Auch das ist neu bei Olympia 2014. Die wagemutigen Damen dürfen allerdings "nur" von der Normalschanze hüpfen. © dpa
Ski-Freestyle: Die Artisten auf zwei Brettern kämpfen um insgesamt zehn Goldmedaillen. Für sie heißt es auf der  Buckelpiste alles geben, sowie im Ski Cross, Slopestyle, im Sprung und - ab 2014 ganz neu dabei - im ... © dpa
Ski-Freestyle Halfpipe: In der halbierten Röhre gilt es für die Frauen und Männer, hohe Sprünge und spektakuläre Tricks zu zeigen. Dafür vergibt die Jury Punkte - und am Ende Gold, Silber und Bronze. © dpa
Biathlon: Wer trifft und flink läuft, der hat im Biathlon große Chancen auf den Sieg. Elf Mal Gold wird ausgekämpft. Neben Sprint, Verfolgung, 15 bzw. 20 Kilometer, Massenstart und der Staffel, steht ab 2014 eine neue Disziplin auf dem Olympia-Programm. Es ist die ... © dpa
Biathlon Mixed-Staffel: Das gemischte Team aus zwei Frauen und zwei Männern feiert Premiere bei Olympia. © dpa
Nordische Kombination: In die Skisprungspur UND in die Langlaufloipe müssen die Nordischen Kombinierer. Die Athleten haben die Chance auf drei Goldmedaillen. © dpa
Shorttrack: Bei dieser Sportart werden in Sotschi acht Medaillen vergeben. Bei den Herren und Damen über 500, 1000 und 1500 Meter, sowie in der Staffel. © dpa

Wenn ja, hätte das ungefähr so ausgeschaut. Wir blenden knapp 45 Jahre zurück. Am 28. Oktober 1965 stellt NOK-Chef Willi Daume dem Münchner OB Hans-Jochen Vogel seine Olympiapläne vor. In den folgenden Monaten überschlagen sich die Proteste gegen Olympia samt Begleiterscheinungen. Die Ladenbesitzer in der Kaufinger- und Neuhauserstraße starten Demos gegen die geplante Fußgängerzone – wie bittschön sollen die Kunden ohne Trambahn und Auto zum Einkaufen kommen? Die Domgesellschaft ist auch strikt dagegen – sie hat in einem Gutachten herausfinden lassen, dass die Frauenkirche durch den U-Bahn-Bau in sich zusammenstürzen wird. Außerdem hat schon der Führer 1938 an der U-Bahn gegraben, ein Weiterbau ist daher aus moralischen Gründen abzulehnen.

Proteststurm auch gegen die Sportstätten am Oberwiesenfeld. Störung der Totenruhe am Schuttberg! Der „Freundeskreis Grünwalder Stadion“ macht gegen den Bau des „größenwahnsinnigen“ Olympiastadions mobil. Niemals werden 77 000 Leute zum Bundesliga-Aufsteiger FC Bayern gehen! Das geplante Zeltdach stößt auf massiven Widerstand – bayerische Apachen-Verbände klagen ihr Copyright zum Zeltbau ein. Pazifisten sind gegen die Schießanlage in Hochbrück: „Wir sagen Nein zur Olympischen Wiederbewaffnung!“

Fischschützer zeigen sich entsetzt über die Ruderstrecke in Oberschleißheim – der dort hausende südsibirische Spiegelkarpfen könnte von Ruderblättern erschlagen werden. Der Nudistenweltverband klagt auch – beim Bogenschießen im Englischen Garten drohen unschuldige Nackerte erlegt zu werden. Pferdeschützer schlagen wegen der Reitanlage in Riem Alarm – der Fluglärm macht die Viecher krank. Und was ist, wenn ein Flieger auf die Stallungen fällt?

Die Wiesn-Wirte sind eh strikt gegen Olympia, weil danach nämlich kein Mensch mehr Geld für Bier und Brathendl hat. Sie fordern eine Verlegung der Entscheidung zur Olympiabewerbung 1972 auf Frühjahr 1973. Gemeinsames Motto der Heckenschützen und Zwietrachtler: „Hans-Jochen hat einen Vogel!“ Schließlich gibt der OB entnervt auf. Es werden dann ganz wunderbare Sommerspiele 1972 in Detroit.

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