Fünfter in Oberstdorf / Favorit Ammann siegt

Martin Schmitt: Sensation verpasst!

Martin Schmitt flog in Oberstdorf knapp am Podest vorbei.
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Martin Schmitt flog in Oberstdorf knapp am Podest vorbei.

Oberstdorf - Bester Tournee-Start seit sechs Jahren, über 20.000 ekstatisch jubelnde Fans in Oberstdorf – doch so richtig freuen konnte sich Martin Schmitt über seinen fünften Platz beim Auftaktspringen der Vierschanzentournee am Montagabend nicht.

„Das tut schon ein bisschen weh, ich hatte mir mehr erhofft. Ich hatte die Chance, aufs Podest zu springen und habe im zweiten Sprung einen Fehler gemacht“, sagte der Schwarzwälder in der Interviewzone mit süß-sauer Miene: „Vielleicht wird die Freude heute Abend kommen, ich habe noch alle Chancen in der Gesamtwertung. Ich bin auf Augenhöhe mit der Weltspitze.“

Auf Augenhöhe mit Simon Ammann. Der Weltcup-Führende ließ sich das gelbe Leibchen am Schattenberg nicht ausziehen. Mit Sprüngen von 136,5 und 134,5m flog der Schweizer zu einem klaren Sieg vor dem Österreicher Wolfgang Loitzl (135 / 134m) und dem überraschend starken Russen Dmitri Wassiljew (134,5 / 136m). Martin Schmitt unterstrich seine Rückkehr in die Weltklasse mit Sprüngen von 134,5 und 129 Metern. Mit einem Traumflug hatte sich der Schwarzwald-Adler im ersten Durchgang eine gute Ausgangsposition verschafft. „Im zweiten Durchgang erwischte Martin den Absprung nicht ganz punktgenau. „Dadurch fehlte die Weite“, hatte Bundestrainer Werner Schuster beobachtet. Trotzdem war er zufrieden: „Ich kann Martin nur gratulieren. Er hat einen fantastischen Wettkampf gemacht.“

Und nicht nur er. Mit den Auftaktresultaten der 57. Vierschanzentournee kann sich das deutsche Team im Ganzen mehr als sehen lassen. Mit Michael Neumayer (133/125,5 m) und Michael Uhrmann (131,5/124 m) landeten zwei weitere unserer Adler auf den Plätzen neun und zehn – drei Deutsche unter den Top Ten hatte es zuletzt 2000 am Schattenberg gegeben.

„Ich kann mich gar nicht daran erinnern, wann ich so etwas das letzte Mal erlebt habe. Das muss zu Sven Hannawalds Zeiten gewesen sein“, freute sich DSV-Sportdirektor Thomas Pfüller. Hannawald selbst kam als Zuschauer im Stadion gar nicht mehr aus dem Jubeln heraus: „Absolut genial, was der Martin geleistet hat. Das war fast wie in alten Zeiten – das Stadion war voll und die Fans im Schmitt-Fieber!“

Die Fans, weniger die Kollegen. „Im zweiten Durchgang war es, schwerer zu springen. Es herrschte ein leichter Rückenwind. Aber auch damit muss man fertig werden“, ging Michael Uhrmann aus Rastbüchl sofort zur Tagesordnung über.

Ein tolles Stück führte der Oberhofer Stephan Hocke vor. Vom 27. Rang nach der ersten Serie flog er trotz des bremsenden Rückenwinds auf den 15. Platz vor. Für Bundestrainer Schuster war das Anlass zu einem Lob: „Eine Sprung über zwölf Plätze ist der Lohn für den Kampfgeist.“

Bei Lichte besehen, haben sich die deutschen Skiadler durchaus eine gute Ausgangsposition für den weiteren Tourneeverlauf gesichert. Und Schmitt hat nach der langen Durststrecke das Podest noch lange nicht aus den Augen verloren. Ex-Weltmeister Dieter Thoma freute sich als ARD-Experte auf das Neujahrs-Springen in Garmisch: „Ich denke, der Martin hat jetzt gesehen, dass bei ihm wieder etwas geht. Vielleicht sehen wir ihn schon in Garmisch auf dem Podest.“

Mit solchen Prognosen bleibt der Schwarzwälder vorsichtig: „Wir sind an Amman und den Österreichern wieder dran, erreicht haben wir sie noch nicht.“ Die Punktabstände fallen nach dem Auftakt noch so gering aus, dass selbst Doppel-Olympiasieger Thomas Morgenstern aus Österreich von dem derzeitigen elften Rang an die Spitze vorstoßen kann. Dementsprechend seine Reaktion: „Ich bin mit dem Platz zufrieden, denn ich werde noch einen Schritt nach vorn machen.“

Im Weltcup festigte Schmitt nicht nur seine Position, er rückte auch näher an den Fünften Morgenstern heran. Auf der Fahrt von der Schanze ins Oberstdorfer Müttergenesungsheim, wo die deutsche Mannschaft untergebracht ist, war Schmitts Ärger über den verpassten Podestplatz schon wieder verfolgen. „Ich bin Sportler genug, um nun das nächste Ziel anzugehen.“ An Neujahr in Garmisch. Guten Flug!

Manfred Hönel

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Quelle: tz

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