Expertentipp für den Box-Knaller

Luan Krasniqi: „Wladimir wird den Knock bekommen“

WBA-Super-WM Schwergewicht Klitschko - Joshua
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Wladimir Klitschko hat sich einiges vorgenommen - sein Gegner auch.

Die Welt blickt auf den Schwergewichts-Boxkampf Wladimir Klitschko - Anthony Joshua. Was meinen Experten? Regina Halmich tippt auf Sieg Klitschko - und anschließenden Rücktritt.

München – Wladimir Klitschko ist ein unfassbar höflicher Mensch. Auf nahezu jede Frage antwortet er mit einer philosophischen Exkursion; er ist ein Geschenk für alle, die über Boxen berichten.

Doch es gibt einen Fragenkomplex, auf den er mit demonstrativer Schmallippigkeit reagiert: Ob er im Falle einer Niederlage diesen Samstag (RTL-Übertragung ab 22 Uhr, bei uns im Live-Ticker) gegen Anthony Joshua aufhören wird. „Nächste Frage“, sagt er dann – und schiebt vielleicht noch den Hinweis nach, dass für ihn nur der 29. April zähle. Der Kampf im Londoner Wembley-Stadion, die ganz große Nummer vor 90 000 Zuschauern. Ein 30. April ist im Kalendarium von Wladimir Klitschko nicht vorgesehen.

„Es ist ein 50:50-Kampf“, sagen beide Boxer. Die Argumente sind sortiert Für Klitschko spricht die Erfahrung aus 68 Profikämpfen, dass er schon oft vor großen Kulissen geboxt hat und nach der Pleite gegen Tyson Fury in Wiedergutmachungspflicht steht. Gegen ihn: das hohe Alter, 41, die Wettkampfpause von eineinhalb Jahren. Und die Klasse seines Gegners: Anthony Joshua ist 27, er war 2012 Olympiasieger, er hat alle 18 Kämpfe durch K.o. gewonnen, 16 von ihnen in den ersten drei Runden. Aber er hatte auch noch keinen großen Gegner.

Es machen sich viele Leute Gedanken, wie der Kampf Klitschko – Joshua enden könnte. Die Experten-Meinungen gehen auseinander.

Regina Halmich, 41, die ehemalige Box-Queen, die heute Motivationsvorträge hält oder wie zuletzt in Bad Füssing Kurgäste mit Boxübungen in Bewegung bringt, war lange Stallgefährtin der Klitschko-Brüder bei der Universum-Promotion. Man lebte zusammen im Hamburger Gym, „in den Räumen gab es Doppelstockbetten und Gemeinschaftsduschen“, erinnert sich Halmich. Sie war ein bisschen eher da als Vitali und Wladimir, „und als ich in Offenburg einen Kampfabend hatte, war Wladimir in meinem Vorprogramm“. 1997 war das.

„Von der Statur her sind Wladimir und Joshua sehr ähnlich, Anthony hat sogar noch einen Reichweitenvorteil“, weiß sie. Als Klitschko im November 2015 gegen Tyson Fury verlor, war sie erschrocken: „Wladimir ist dagestanden wie das Kaninchen vor der Schlange. Es war alles Kopfsache. Er war körperlich topfit, hat aber nichts abrufen können.“ Doch sie hat auch mitbekommen, „dass er auf seine Niederlagen immer mit einer Spitzenleistung reagiert hat“. Ihr Tipp darum: Klitschko wird sich die Gürtel zurückholen. „Danach würde ich ihm raten, zurückzutreten. Das Comeback wäre die Krone, was sollte danach noch kommen?“

Auch Luan Krasniqi ist ein alter Klitschko-Wegbegleiter. Als er 1995 bei den Amateuren, die drei Runden boxen, Vizeweltmeister wurde, schlug er Wladimir, „es war ein 6:2. Gut, ein paar Monate später habe ich dann verloren, wir haben uns oft auf Turnieren getroffen.“ Wladimir Klitschko wurde 1996 in Atlanta Olympiasieger, Krasniqi gewann Bronze.

Der Deutsch-Albaner macht keinen Hehl daraus, dass er die Klitschko-Company nicht sonderlich schätzt. „Sie sind Unternehmer, haben sich die Gegner ausgesucht, die passten, haben die Ranglisten bestimmt.“ Er glaubt, Wladimir habe die Schwergewichts-Welt zu lange beherrscht. Luan Krasniqi , der Europameister bei den Profis war, setzt auf den jungen Anthony Joshua: „Von ihm wird Wladimir den Knock bekommen.“ Voraussetzung: „Joshua muss in den Kampf hineingehen wie früher Mike Tyson. Es wäre ein Fehler, Wladimir in den ersten drei Runden Freiraum zu gewähren.“ Klitschko würde dann seine Klammertaktik anwenden. Und klar: Ein Schlag des langjährigen Champions könne noch immer entscheiden.

Krasniqi wünscht sich einen Wechsel im Schwergewicht und glaubt an ihn. „Allerdings“, sagt er, „liege ich mit meinen Prognosen meist daneben“.

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