Heinrich heuer: Sexig, drugs, kein Rock’n’Roll

Wieviel Einfluss Torben Hoffmann wohl darauf hat, dass die Löwen-Fans glücklicher sind als die Bayern-Fans?
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Wieviel Einfluss Torben Hoffmann wohl darauf hat, dass die Löwen-Fans glücklicher sind als die Bayern-Fans?

Wie tz-Kolumnist Jörg Heinrich das Jahr 2008 erlebt hat.

Große Freude im Heinrich-heute-Hochhaus! Auch im Jahr 2008 haben uns die Sportstars zuverlässig mit Stoff für die tägliche Heinrich-heute-Kolumne versorgt. Ob Klinsi, Poldi, Jogi oder der Franz – die Belieferung klappte zuverlässig, wenigstens die Läster-Industrie boomt noch. Wir blicken zurück: Das war Heinrich heuer.

Januar: Jan Ullrich schreibt ein Buch: „Ich bin dann mal fett. Gedopt auf dem Jakobsweg.“ Der FC Bayern überlässt sein Schicksal der US-Unternehmensberatung McKlinsi. „We are we“ statt „Mir san mir“. In Österreich wird eine Blutbank ausgehoben. Reklamespruch: „Spritzen Sie. Wir kümmern uns um die Details.“ Im Zusammenhang mit der Allianz-Arena stellen wir fest, dass die Löwen mit dem FC Bayern einen sehr komischen Blausparvertrag abgeschlossen haben.

Februar: Hossa, Klinsi hat einen Co gefunden! Wir preisen Martin Vasquez, „den Bayern-Trainer von Mexiko“, und singen ihm ein Lied: „Keiner kannte ihn, doch man sah ihn gern. Und viele kamen von nah und fern.“ Jogi Löw sucht einen Top-Torwart mit Stammplatz im Verein. Unser Vorschlag: Antreten, Nadine Angerer!

März: Wir erklären die US-Vorwahlen am Beispiel des FCB: Hitzfeld war Hillary. Klinsi ist Obama. Fünf Monate vor Olympia in Peking rätseln wir: Foltern chinesische Funktionäre mit Yello-Strom? Im Rahmen einer Spa-Maßnahme modelt Klinsi den FC Bayern zum Premium Health Wellness Club um. Zur Brotzeit gibt’s künftig, wir ahnen es bereits im März: Buddha-Brot!

April: Nach den Löwen-Fans lässt sich jetzt auch Motorsport-Chef Max Mosley mit Begeisterung foltern. Ex-60-Trainer Werner Lorant wechselt innerhalb weniger Tage von Tennis Borussia Teheran über Glückauf Gibraltar und Kickers Kinshasa zu Cosmos Kochel. Nach dem Transrapid-Aus rechnen wir nach: Für nur elf Meter Strecke hätte man 1860 einen Stürmer um eine Million Euro kaufen können. Und wir enthüllen, dass die öffentlichkeitsscheuen Löwen den Chinesen Gie-sing verpflichtet haben – als ersten taubstummen Pressesprecher der Welt.

Mai: 60 wählt seinen neuen Papst, Rainer I. Wir stellen viele Ähnlichkeiten zwischen Vatikan und Löwen fest. Beide haben ihre Ketzer (Galilei, Ziffzer), ihre unlösbaren Probleme (Zölibat, Arena) und ein gemeinsames Motto: Lasset uns beten! Der neue Löwen-Vize heißt Hasenstab. Wir wundern uns – weil wir immer dachten: Ein Hasenstab sind die Mitarbeiter von Boris Becker, die ihm immer neue Schönheiten zutreiben, quasi ein libidinöser Krisenstab.

Juni: Nach Italiens 0:6 bei der EM gegen Holland klagt unser befreundeter Gastronom Beppe: „Madonna, wird sinde 1860 von Europa. Aber isse Strafe für Berlusconi, isse gerecht.“ Wir befürchten Zyankali im Nudelwasser. Nach dem deutschen Finaleinzug will OB Ude den immerwährenden Autocorso auf der Leo einführen: „Völker der Welt, fahrt durch diese Stadt! Und hupt dabei!“ Besonders beeindruckt in Sachen Hupen sind wir von Schweinis bei der EM allgegenwärtiger Flamme Sarah.

Juli: Vor Olympia in Peking ist die Luft so verräuchert, dass wir urteilen: Marlboro Country ohne Pferde! Bei Ballacks Hochzeit singt am zweiten Tag gegen zwei Uhr Elton John, Autor zahlreicher Nummer-2-Hits. Der gedopte Radfahrer Radlmann Faradzic wird bei der Serbien-Rundfahrt verhaftet. Deutschland gewinnt mit vielen Löwen die Fußball-Junioren-EM. Wir preisen den TSV 1860 Deutschland – aber nur kurz.

August: Bei Olympia dopen die deutschen Schwimmer mit Red Bull – das verleiht Schwimmflügel. Und obwohl Britta Steffen dann doch siegt, lässt das Olympia-Fieber in Deutschland zu wünschen übrig. Wir fordern den Britta-Steffen-Autocorso und Fabian-Hambüchen-Fähnchen an den Autos! Beim Stabhochsprung drücken wir Danny Ecker die Daumen – bis wir seine Startnummer sehen. Der arme Kerl muss mit der 1860 antreten und scheitert vorzeitig.

September: Klinsi startet schwach, der Kaiser analysiert: „Der FC Bayern ist ein bisserl verunsichert, weil er natürlich verunsichert ist.“ Teilweise verliert der FCB so oft, dass ihn viele schon die CSU der Bundesliga nennen. Motto des Monats: „Mir war’n mir.“ Wir wählen Hadern zum Münchner Stadtteil des Monats. Alles hadert. Bayern großhadert, 60 kleinhadert, Klinsmann neuhadert. Besonders als Hader-Blauer hat man’s nicht leicht.

Oktober: Bei Bayern bricht die Van-Bommel-Bankenkrise aus. „Wir rechnen weiter mit Mark“, schwindelt Klinsi standhaft, was aber ein Schmarrn ist, schließlich gibt’s seit 2002 den Euro. Kein Mensch rechnet mehr mit Mark. Dafür siegt 60 plötzlich. Wir rechnen aus: Sechzger-Fans sind durchschnittlich 41,8 Prozent glücklicher als Bayern-Anhänger! Das geht aber schnell vorbei, als Göktan beim Drogentest durchfällt. Englands Zeitungen schreiben: „Sexig, drugs, kein Rock’n’Roll“ und „Göktan – die Amy Winehouse ohne Turmfrisur“.

November: Bayern gewinnt wieder. Unser Motto: „Erst hatten sie kein Pech, und dann kam auch noch Glück dazu.“ Horsti Seehofer wirft alle Sechziger aus dem Kabinett – klarer Fall von Löwen-Feindlichkeit! Barack Obama wird mit „Yes, I can“ US-Präsident, und Poldi schließt sich an: „Yes, I Köln.“ Massimo Oddo gesteht: „Yes, I penn.“ Ulle erklärt vor Gericht: „Mir sollen die Eier abfallen, wenn ich lüge.“ Wir fragen uns: Infertil oder infantil? Und wir wollen die TV-Quotenrenner Bauer sucht Frau und Biathlon fusionieren – zu Bauer schießt auf Frau oder Bauer sucht Biathletin. Am Ende heiratet Lena Neuner Schäfer Heinrich. Ein Musical schreiben wir auch noch – Das Phantom der Doper.

Dezember: Das Bayern-2:1 gegen Hoffenheim ist so dramatisch, dass es einen Western-Titel als Überschrift braucht: John Wayne kam nur bis Hoffenheim. Die Löwen präsentieren ihren Wunder-Ball namens Morpheus TF – benannt nach dem Gott des Traumes und des Todes. Kein Wunder, dass wir uns fragen: Wenn 1860 ein Mensch wäre – wann würde er Selbstmord begehen? Zentrales Thema gegen Monatsende sind die ganzen verheirateten Biathlon-Frauen mit ihren neuen Namen. Unser Vorschlag: Kati Wilhelm heiratet Herrn Tell, tritt als Wilhelm-Tell an – und schießt noch genauer.

Quelle: tz

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