Einhundert Prozent!

Garmisch jetzt steilste Strecke der Welt

Peter Strodl vom SC Partenkirchen beim Abfahrts-Training. Hinterher wird er sagen: „Die Strecke ist sicher nicht einfacher geworden…“
+
Peter Strodl vom SC Partenkirchen beim Abfahrts-Training. Hinterher wird er sagen: „Die Strecke ist sicher nicht einfacher geworden…“

Garmisch-Partenkirchen - Er war der Allerallererste! ARD-Reporter und Ex-Skirennläufer Tobias Barnerssoi machte die Jungfernfahrt auf der neuen Kandahar in Garmisch-Partenkirchen.

Noch vor den Weltcup-Startern ging er beim Training auf die Piste und raste mit der Kamera runter, um den TV-Zuschauern einen Eindruck von der Abfahrt zu verschaffen. Mit einem Jubelschrei kam Tobi im Zielraum an. Einmal kurz durchschnaufen, dann dieser begeisterte Kommentar: „Wahnsinn! Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie gut diese Piste ist.“ Die wartenden Reporter-Kollegen waren – abhängig vom eigenen Können – teils neidisch und teils heilfroh, dass sie diese Abfahrt nicht selber gemacht hatten.

Garmisch: Kamerafahrt auf neuer Weltcup-Piste

Da ist insbesondere diese eine Stelle… „Freier Fall“ heißt eine Passage kurz vor dem Ziel – und der Name ist Programm! Das Gefälle: genau 100 Prozent. Damit hat Garmisch-Partenkirchen jetzt die steilste Stelle des gesamten Weltcup-Zirkus. Den bisherigen Rekord hielt Kitzbühel mit der Mausefalle. Dort beträgt das Gefälle 85 Prozent.

Bedeutet das, dass Garmisch jetzt 15 Prozent gefährlicher ist als Kitzbühel? Nein – ganz im Gegenteil! Denn der freie Fall ist ein Sprung. Wer in steiles Gelände reinspringt, hat kein Problem, weil die Kräfte nicht so hoch sind. Wer dagegen ins Flache springt, muss eine harte Landung abfedern.

Deshalb sind die Rennläufer auch begeistert von der neuen Kandahar. Der Amerikaner Erik ­Fisher, der als erster offizieller Starter auf die Strecke ging, schwärmte: „Wow, das hat Spaß gemacht – und ich bin butterweich gelandet.“

Video: Wie gefährlich ist die neue Kandahar-Piste?

Die Höchstgeschwindigkeit dürfte im Rennen ungefähr bei 130 km/h liegen. In den nächsten Jahren wird’s nochmal 10 km/h schneller. Denn: Dann wird von noch weiter oben gestartet. Das geht aber erst, wenn ein Spezial-Tunnel unter der Piste fertig ist – und das ist jetzt noch nicht der Fall.

Die neue Kandahar: Sie ist ein langfristig ausgelegtes Projekt. Geplant wurde sie insbesondere für die WM 2011. Der Clou daran: Es gibt jetzt in Wirklichkeit eigentlich sogar zwei Kandahars. Die neue Strecke für die Herren – und die bisherige Piste mit leichten Änderungen für die Damen.

Ein Mords-Spektakel für die Zuschauer – und gleichzeitig eine Freude für den deutschen Alpin-Chef Wolfgang Maier. Er schwärmt: „Das ist ein extrem überraschend positives Projekt geworden. Vor allem, wenn man sieht, wie sonst immer tröpfchenweise gearbeitet wird… Jetzt haben wir in Deutschland eine Speed-Strecke mit Welt-Niveau, auf der wir trainieren können.“

Jetzt ist aber erst mal Schluss mit Training, jetzt ist Wettkampf! Am Samstag um elf beginnt die Abfahrt der Herren. Zu den Favoriten gehört Ösi-Star Hermann Maier, der die Trainings-Bestzeit hinlegte. Ebenfalls in Top-Form: Marco Büchel. Er grinste: „Ich hätte nichts dagegen, wenn der Sprung beim freien Fall noch weiter ginge.“

So oder so: Das Samstags-Rennen wird spannend. Und der TV-Kommentator wird genau wissen, wovon er spricht. Diesen Job übernimmt nämlich Tobias Barnerssoi.

hei

Quelle: tz

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Kommentare