Der tiefe Fall der Superstars

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Nannte sich selbst eine "Gefahr": Ex-Basketballer Dennis Rodman.

Frankfurt - Sexskandale, wilde Partynächte, die Prügelaffären und Heroinvorwürfe – die Eskapaden gestrauchelter Sportstars häufen sich. Aber was macht die Helden der Sportarenen so anfällig?

Die jüngsten Exzesse dieser ehemaligen Idole sind für den Sportpsychologen Henning Haase von der Frankfurter Johann-Wolfgang-Goethe-Universität alarmierend. „Es ist zu einem ernsthaften Gesellschaftsproblem geworden, dass berühmte Persönlichkeiten mit den Folgen ihres schnellen Aufstiegs nicht zurechtkommen“, bestätigt Haase, „die einen flüchten in den Alkohol, andere nehmen Drogen oder werden gewalttätig. Das dahinter stehende Muster ist aber dasselbe.“

Junge Sportler seien überfordert, wenn sie so früh bewundert werden. „Sie sind noch gar nicht auf das normale Leben eingestellt und werden durch ihre Prominenz verführt. Sie benehmen sich dann wie kleine Götter“, erklärt Haase.

So wie jetzt auch Ronaldinho: Der Ballzauberer von Barcelona spielte zuletzt am 9. März! Seitdem ging es für ihn bergab: Formkrise, Stammplatzverlust, Übergewicht, rätselhafte Verletzungen.

Sein Kollege Ronaldo lieferte sogar einen Sexskandal mit Transvestiten und verlor daraufhin einen Millionen-Werbevertrag – und seine Freundin. Das Bizarre daran: Ronaldo selbst sieht sich auch noch als Opfer eines Erpressungsversuchs, dabei hatte er die vemeintlichen Damen selbst angesprochen – und die schwangere Freundin saß daheim.

„Bei Ronaldo ist es der Übermut, der ihn zu solchen Aktionen verleitet. Er ist nicht in der Lage zu reflektieren, wem er seinen Erfolg zu verdanken hat“, sagt Haase. „In solchen Fällen fehlt es an der Gesamtpalette der sozialen Entwicklung und den nötigen Korrektiven“, so Haase.

Basketball-Legende Dennis Rodman dagegen genießt sein „Bad-Boy-Image“ sogar in vollen Zügen. „Es ist ein Wunder, dass ich bei meinem Drogenkonsum das vergangene Jahrzehnt überlebt habe“, sagt Rodman. Vor wenigen Tagen soll er seine Frau im betrunkenen Zustand verprügelt haben. Seitdem hat er sich in ein Therapiezentrum begeben.

Eine Haftstrafe von bis zu 46 Monaten droht dem ehemaligen 100-Meter-Weltrekordler Tim Montgomery, der sich vor Gericht wegen Heroinhandel und Scheckbetrug verantworten muss. „Diese Sportler haben nicht gelernt, dass in der Gesellschaft andere Regeln als auf dem Sportplatz gelten“, sagt Haase, der die Athleten aber auch in der Opferrolle sieht. Vieles hänge von der richtigen Betreuung und Beratung ab, meint der Sportpsychologe.

„Die Fremdbestimmung hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen“, so Haase. Zudem sei der Druck auf die Sportler im Vergleich zu früheren Jahren enorm gestiegen. „Als ‚Global Player‘ in einem internationalen System tragen sie eine große Verantwortung, schielen aber häufig nur nach den süßen Früchten.“

Quelle: tz

Quelle: tz

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