Striezel Stuck schreibt in der tz

"Dann fahrt doch Carrera-Bahn!"

+
Da dachten alle noch, der Herr in der Mitte hätte gewonnen.

Spa - Ich bin sauer! Als Formel-1-Fan fühle ich mich nach dem Urteil in Sachen Lewis Hamilton richtig verarscht.

Ich habe mir mehrere Male die Szene angeschaut, um die es ging. Kurz gefasst: Hamilton hat nichts falsch gemacht. Er ließ Räikkönen wieder vorbei und startete dann einen neuen Überholversuch. Für mich legal, weil die alte Situation beendet war. Die drei Kommissare bestraften Hamilton nach Paragraph 16.3 des Formel-1-Sportgesetzes. Der besagt sinngemäß: „Wer sich durch Auslassen einer Schikane einen Vorteil verschafft, wird mit einer Durchfahrtsstrafe belegt. Wenn er die nicht antreten kann, werden ihm nach dem Rennen 25 Strafsekunden auferlegt.“ Das sind die Paragraphen. Aber die Frage ist eine andere: Hat sich Hamilton einen Vorteil verschafft? Meiner Meinung nach ist das nur mit einem klaren Nein zu beantworten.

Ich fordere schon lange professionelle Schiedsrichter, am besten ehemalige Piloten, die eine Situation im Rennen aus Cockpitperspektive bewerten können. Persönlich habe ich ja nichts gegen die Herren Nicholas Deschaux aus Frankreich, Surinder Thatti aus Kenia und Yves Bacquelaine aus Belgien – aber ich glaube nicht, dass die in Spa genau wussten, was da unten auf der Strecke so alles passieren kann. Ehemalige Piloten müssen sich ja auch nicht einig sein, aber die wissen immer, worum es geht. Mir ist zu Ohren gekommen, dass es auch aktuelle Piloten in Spa gab, die Hamilton bestraft hätten. Aber die Mehrheit findet die Strafe lächerlich.

Ich kann beweisen, wozu es führt, wenn bei jedem Rennen drei andere Kommissare entscheiden müssen. Erinnern Sie sich an Valencia, als Massa in der Boxenausfahrt fast mit Adrian Sutil zusammengekracht wäre? Das Ferrari-Team wurde mit einer Strafe von 10 000 Dollar belegt. Aber nicht Massa – zum Glück –, der seinen Sieg behalten durfte. Die gleiche Situation gab es jetzt beim GP2-Rennen mit Bruno Senna. Er bekam eine Durchfahrtsstrafe. Ergebnis: Sieg futsch, die Meisterschaft kann er vergessen. Dass immer wieder mit zweierlei Maß gemessen wird, ist das Problem – und bringt die Formel 1 in Verruf. Ganz ehrlich: Wäre ich Mercedes-Chef Dieter Zetsche, ich würde mich fragen, ob mein Engagement in der Formel 1 überhaupt noch Sinn macht. Man kann schon langsam den Eindruck haben, dass ein Formel-1-Rennen ungefähr 90 Minuten dauert – und am Ende muss Ferrari gewinnen.

Die Kommissare haben eines der besten Rennen aller Zeiten kaputt gemacht. Die Fahrer werden in Zukunft eingeschüchtert, besonders wenn sie nicht im Ferrari sitzen, größere Risiken einzugehen. Da können wir die Rennen doch gleich auf der Carrera-Bahn austragen. Der Sport wird durch einige wenige Herren in Verruf gebracht, das steht für mich fest. Man kann sich sogar langsam die Frage stellen: Wird die Formel 1 von oberster Stelle manipuliert? Der Verdacht liegt nahe, wenn man eine Woche vor dem Rennen in Monza, dem Heimrennen Ferraris, solche Entscheidungen trifft.

Striezel Stuck

Quelle: tz

Quelle: tz

Auch interessant:

Meistgelesen

MMA brutal: Junge Kämpferin (26) stirbt
MMA brutal: Junge Kämpferin (26) stirbt
Michael Schumacher: Tochter Gina veröffentlicht bemerkenswerte Fotos
Michael Schumacher: Tochter Gina veröffentlicht bemerkenswerte Fotos
Die Formel E spricht nun Deutsch: Alles vor dem Saisonstart der E-Motorsportserie
Die Formel E spricht nun Deutsch: Alles vor dem Saisonstart der E-Motorsportserie
„Hätte ihn töten können“: Rekord-Strafe nach Football-Skandal - Kommentator fassungslos
„Hätte ihn töten können“: Rekord-Strafe nach Football-Skandal - Kommentator fassungslos

Kommentare