Nächstes widerliches Kapitel nach EM-Ärger

Schon wieder ein Skandal-Spiel: Abscheuliche Szenen bei WM-Quali - BVB-Star mittendrin

Im WM-Qualifikationsspiel zwischen Ungarn und England kam es einmal mehr zu einem Skandal. Unter anderem musste Jude Bellingham rassistische Anfeindungen über sich ergehen lassen.

Budapest - Es war der 19. Juni 2021. Europameisterschaft*, Gruppenphase. Frankreich trifft in Budapest auf Ungarn. Mit dabei: Mehr als 50.000 Fans in der Puskas Arena. Der Großteil von ihnen feiert nach einer langen Corona-Pause ein rauschendes Fußballfest, die Stimmung ist gigantisch. Aber: Einige Fans sorgen für einen handfesten Skandal.

So hörte man immer wieder Affenlaute von der Tribüne, wenn Frankreichs Superstar Kylian Mbappé am Ball war. Nach Angaben der L‘Équipe kam es auch dann zu diesen abscheulichen Szenen, wenn N‘Golo Kanté und Paul Pogba die Kugel führten. Auch Karim Benzema soll angepöbelt worden sein. Die Berichte stützen sich auf Schilderungen von Journalisten, die im Stadion dabei waren und die rassistischen Anfeindungen somit hautnah miterlebten. Diese seien von einem schwarz gekleideten Mob ausgegangen, der sogenannten „Carpathian Brigade“. Diese „Fans“ sorgten während der kompletten Europameisterschaft für Aufsehen und fielen immer wieder negativ auf.

Rassismus-Skandal in der WM-Quali: Ungarn-Fans feinden England-Stars an

Nun schreiben sie ein neues, widerliches Kapitel: Ungarn traf am Donnerstag in der WM-Quali auf den Vize-Europameister. Als England-Star Raheem Sterling das 1:0 für die Three Lions erzielte, kam es von der Tribüne im Budapester Stadion wieder zu Affenlauten. Englischen Medienberichten zufolge soll es sich dabei wieder um die „Carpathian Brigade“ gehandelt haben. Auch Dortmund*-Star Jude Bellingham, der gar nicht zum Einsatz gekommen war, soll während des Spiels Opfer der Anfeindungen geworden sein. Schon unmittelbar vor dem Anpfiff gab es Pfiffe und Buhrufe, als die Engländer auf ihre Knie gingen. Seit Monaten setzen Sportler rund um den Globus mit dieser Geste ein Zeichen gegen Rassismus, Diskriminierung und Ausgrenzung.

Der Weltverband FIFA leitete nun ein Disziplinarverfahren gegen den ungarischen Verband ein, der zwar das Verhalten von einigen Fans verurteilte, aber nicht auf die mutmaßlichen Beleidigungen einging. BVB-Mittelfeldspieler Bellingham* entschied sich dazu, selbst ein Statement abzusetzen. Über Twitter schrieb er, die Beschimpfungen seien „Teil des Spiels und werden es immer sein, bis angemessene Strafen von denen, die die Macht dazu haben, in Kraft gesetzt werden“. Und weiter: „Wir können Hass nicht siegen lassen, keep smiling!“

Ungarische Fans fallen schon wieder mit Affenlauten auf - BVB-Star Bellingham mittendrin

Bálint Josá, Gründer der ungarischen Organisation „Szubjektív Értékek Alapítvány („Stiftung für subjektive Werte“) sagte 2016 dem Vice-Magazin über die „Carpathian Brigade“: „Das ist eine paramilitärische Gruppe, die aus Neonazis besteht.“ Die Brigade sei die „gewalttätigste und auch einflussreichste Gruppe in der Kurve“. Die Mehrheit der Menschen im Stadion seien keine Neonazis, erklärte der Experte, „aber das große Problem ist, dass die lautesten, die stärksten und die sichtbarsten Hooligans und Ultras alle Neonazis sind“.

Auch in England gibt es ein Rassismus-Problem: In den sozialen Medien waren die drei schwarzen englischen Fehlschützen im Elfmeterschießen des EM-Finals anschließend rassistisch beleidigt worden. Am Sonntag spielten die Three Lions zum ersten Mal seit der Niederlage im EM-Finale gegen Italien wieder im Londoner Wembley-Stadion. Nationaltrainer Gareth Southgate sagte vor der Partie, dass er eine uneingeschränkte Unterstützung der Fans erwarte. „Ich habe keine Zweifel, dass die Spieler am Sonntag einen fantastischen Empfang erhalten werden.“

Zwar seien nach dem Finale einige „lächerliche“ Dinge passiert, und manche Menschen hätten furchtbare Sachen gesagt, sagte Southgate. Aber die Welle der Unterstützung nach diesen Angriffen sei enorm gewesen. „Man darf nicht alle über einen Kamm scheren. Wir sollten nicht die ungarischen Fans über einen Kamm scheren und das ist definitiv auch der Fall mit unseren Fans“, sagte Southgate. (akl/dpa) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © ATTILA KISBENEDEK / AFP

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