Manipulation: Klose-Klub unter Verdacht

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Miro Klose spielt bei Lazio Rom

Rom - Italiens Fußball versinkt im Manipulationssumpf. Jetzt ist auch der Verein von Nationalstürmer Miroslav Klose, Lazio Rom, unter Verdacht, weil ein Ex-Spieler im Knast ausgepackt hat.

Immer umfangreichere Ermittlungen gegen Spieler und Vereine, mehrere Festnahmen und besonders Geständnisse korrupter Profis machen die Macht asiatischer und osteuropäischer Wettmafia-Organisationen Tag für Tag deutlicher und lassen die Befürchtungen der Tifosi immer mehr zu Gewissheit werden: Durch das illegale Millionengeschäft sind auf dem Apennin Absprachen für Spiele bis hinauf zur Serie A Teil des Alltags und längst nicht mehr die oft beschworenen Einzelfälle.

Aufgrund von Aussagen des inhaftierten Ex-Zweitligaspielers Carlo Gervasoni muss der deutsche Nationalspieler Miroslav Klose beim Erstligisten Lazio Rom unruhige Zeiten für seinen Klub fürchten. Lazio steht inzwischen im Verdacht, vor Kloses Wechsel nach Rom an zwei von angeblich drei manipulierten Spielen der vergangenen Serie-A-Saison beteiligt gewesen zu sein.

Über ein Jahrzehnt beim DFB: Die Bilder des Miro Klose

Äußerlich hat er sich kaum verändert. Auch mehr als zehn Jahre nach dem Beginn seiner DFB-Karriere im Jahr 2001 wirkt Miroslav Klose noch immer jung und frisch. In dieser Dekade wurde Klose zwei Mal WM-Dritter ein Mal Vize-Weltmeister sowie ein Mal Vize-Europameister. Sehen Sie nun eine Rückschau auf die ereignisreiche DFB-Karriere von Klose. © getty
Miroslav Klose bei seiner ersten Pressekonferenz am 26.2.2001 für den DFB. Ungefähr einen Monat später darf er dann sein erstes Pflicht-Länderspiel bestreiten. © getty
Am 24.3.2001 ist es dann soweit: Miroslav Klose wird in der 73. Minute für Oliver Neuville ins Spiel gebracht. Beim Spielstand von 1:1 im WM-Qualifikationsspiel gegen Albanien feiert er sein Debüt. © getty
Exakt 15 Minuten nach seiner Einwechslung darf Klose auch schon sein erstes Tor für die Nationalmannschaft feiern. Sein 2:1 bringt den Sieg in der WM-Qualifikation und sorgt für einen sensationellen Einstand. © getty
Am 13. Februar 2002 steht Miroslav Klose gegen Israel bei einem Freundschaftsspiel zum ersten Mal in der Startelf. © getty
Es ist erst sein achtes Länderspiel: Aber schon erzielt der damalige Lauterer den ersten von insgesamt vier Dreierpacks im Dress des DFB. © getty
Der damals 23-Jährige (m.) wird von seinen Teamkollegen Mehmet Scholl (r.) und Sebastian Kehl (l.) gefeiert. © getty
Das WM-Debüt 2002 in Japan und Südkorea ist nicht minder beeindruckend. Im ersten Spiel gegen Saudi-Arabien erzielt Klose ebenfalls drei Buden. © getty
Das war der Auftakt von seinen mittlerweile insgesamt 14 WM-Toren. 2002 wurde er mit fünf Treffern Zweiter in der Torjägerliste hinter Brasiliens Ronaldo. © getty
Der berühmte Klose-Salto. Durch das erste Spiel bei der WM wird die ganze Welt auf den Torjubel des damaligen Lauterers aufmerksam. © getty
Kloses erstes Jubiläum, hier gegen Gallas (l.). Sein 50. Länderspiel am 12.11.2005 in Paris gegen Frankreich. © getty
Allerdings blieb Klose in diesem Spiel trotz kämpferischen Einsatzes torlos, hier gegen Reveillere (r.). © getty
Nach einer blamablen EM 2004, bei der Klose nur zweimal eingewechselt wurde, kommt eine überragende Heim-WM 2006. Im Eröffnungsspiel gegen Costa Rica erzielt der damalige Bremer zwei Tore beim 4:2. © getty
Zu diesem Zeitpunkt weiß er nicht, dass er später in der Münchner Arena regelmäßig auf Torejagd gehen soll. © getty
Auch von zwei Gegenspielern lässt sich Klose nicht hindern, um zum 1:0 gegen Ecuador zu treffen. Hier lässt er E. Tenorio (m.) keine Chance. © getty
Beim dritten Gruppenspiel gegen Ecuador erzielt Miro zwei Treffer. Fünf Treffer reichen zum WM-Torschützenkönig. © getty
Trotz zahlreicher Bedenken von Knie-Spezialisten durfte auch der Klose-Salto bei der Heim-WM nicht fehlen. © getty
Allerdings schätzt man an Klose nicht nur seine Torgefährlichkeit. Auch seine mannschaftsdienliche Spielweise kommt bei Trainern, Mitspielern und Fans an. © getty
Ein besonders gutes Beispiel ist das WM-Achtelfinalspiel gegen Schweden, in dem er beim 2:0 zwei Mal für seinen Sturmpartner Lukas Podolski auflegt. © getty
Das letzte Tor bei der Heim-WM war zugleich das Wichtigste ... © getty
Mit seinem 1:1-Ausgleich gegen Argentinien bescherte er den Deutschen die Verlängerung und ein Elfmeterschießen, das dank Jens Lehmann gewonnen wurde. Für den Titel reichte es aber aufgrund der Halbfinalniederlage gegen Italien nicht. © getty
Das 70. Länderspiel ist auch ein ganz Besonderes. Der Stürmer führt zum ersten Mal in seiner Karriere die DFB-Elf als Kapitän aufs Feld. © getty
Beim 2:0 gegen Wales am 8. September 2007 geht er als Käpt´n voran erzielt beide Treffer und bringt die Nationalelf einen Schritt näher in Richtung EM 2008. © getty
Obwohl Miroslav Klose nicht der größte Stürmer ist, erzielt er sehr viele Tore per Kopf. Das liegt an seiner unglaublichen Sprungkraft, hier köpft er das 2:0 (Endstand 3:2) bei der EM 2008 gegen Portugal. © getty
Sein 80. Länderspiel ist das Halbfinale gegen die Türkei bei der EM 2008. Auch dort trägt er sich in die Torschützenliste ein. Bei dem kuriosen Spiel macht er das 2:1 in der 79. Minute. Die Partie endet 3:2. © getty
Das Tor zur WM 2010 in Südafrika erzielte ebenfalls der in Polen geborene Mittelstürmer. Am 10. Oktober 2009 macht der 31-Jährige das 1:0 gegen die starken Russen. © getty
Sein bisher einziger Platzverweis im Trikot des DFB: Durch zwei kleine Fouls holt sich der Stürmer im zweiten Gruppenspiel bei der WM 2010 gegen Serbien die Ampelkarte ab. © dpa
Trotz einer wechselhaften Saison beim FC Bayern rechtfertigt Klose seine Nominierung von Joachim Löw. Gegen England erzielt er sein zweites Tor bei der WM 2010 und ist dadurch nur noch drei Treffer von Rekord-WM-Torschütze Ronaldo entfernt. © getty
Gegen Argentinien bestätigt der gebürtige Pole seine Turnierform. Bei insgesamt fünf Turnieren (2x EM, 3x WM) erzielte er 16 Tore. Damit beweist Klose immer wieder, dass er sich auf den Punkt konzentrieren kann. © getty
In seinem 100. Länderspiel spielt der Stürmer eine starke Partie und erzielt zwei Tore. Damit steht er mit vier Treffern wieder im vorderen Bereich der Torjägerliste. Somit hat er bei drei WM-Turnieren konstant getroffen. © getty
Nach einem Treffer im Jubliäumsländerspiel zeigt Klose einen seiner selten gewordenen Saltos. Nur noch besonderen Toren widmet er diesen Torjubel. © dpa
Das 106. Länderspiel ist ein "unbedeutendes" Freundschaftspiel gegen Italien am 9.2.2011. Allerdings sehen es viele Fans und Spieler als "Revanche" für die Niederlage im Halbinfale 2006. © getty
Wie bei der WM spielen die Mannschaften wieder in Dortmund. Der einzige Torschütze beim 1:1 ist, natürlich, Miroslav Klose. Somit fehlen dem Mittelstürmer nur noch neun Treffer, um den Rekord vom "Bomber" Gerd Müller einzustellen. © getty
26.3.2011: Das 107. Länderspiel in der EM-Qualifikation wird eröffnet durch ein Klose-Tor. In einer starken ersten Halbzeit erzielt Klose früh die Führung und schießt kurz vor Ende der Partie seinem zweiten Treffer.  © getty
Dadurch kommt Miro immer näher an Gerd Müller heran. Zu diesem Zeitpunkt sind es nur noch sieben Tore, die die beiden in der ewigen Torjägerliste trennen. © getty

Kloses Verein ist jedoch nicht der einzige Klub, der bei den bezeichnenderweise „Last Bet“ genannten Untersuchungen im Fokus der Staatsanwaltschaft steht. Die Ermittler prüfen Dutzende von Spielen auf allen höheren Ebenen seit 2009, darunter auch 20 Erstliga-Begegnungen mit Spielen des FC Genua, des FC Bologna, US Cagliari, des SSC Neapel und Aufsteiger Atalanta Bergamo. Der Rückkehrer in die Serie A ist durch das Geständnis seines nach Untersuchungshaft unter Hausarrest stehenden Ex-Kapitäns Cristiano Doni, in der vergangenen Aufstiegssaison an der Manipulation von drei Atalanta-Spielen beteiligt gewesen zu sein, ins Zwielicht geraten.

Mehr aber noch als Doni entpuppt sich der ebenfalls geständige Gervasoni für die Behörden scheinbar als wertvolle Informationsquelle. Nach den Vernehmungen des früheren Verteidigers des FC Piacenza nahmen die Ermittler schon sieben Personen fest und suchen zehn weitere Verdächtige per Haftbefehl. Zittern dürften wohl auch einige von Gervasonis einstigen Kollegen: Neben acht Managern stehen auch insgesamt 20 Profis, darunter zehn Erstliga-Kicker zum Teil mit Nationalspieler-Status, unter Manipulationsverdacht.

Der Vorwurf gegen alle lautet auf Sportbetrug und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung. Sollten die Beweise ausreichen, drohen den Beschuldigten bis zu 17 Jahren Gefängnis.

Als Schlüsselfiguren in dem Skandal, in den auch eine Mitarbeiterin aus der Liga-Zentrale verstrickt scheint, kristallisieren sich inzwischen immer mehr zwei bereits verhaftete Drittliga-Spieler heraus. Das Duo soll mehrfach mit sechsstelligen Geldsummen versucht haben, einzelne Profis zur Manipulation von ausgesuchten Begegnungen zu bewegen.

Bei allen Teilerfolgen ist der leitende Staatsanwalt Roberto di Martino, der bereits im vorigen Sommer die erste Welle der Anti-Manipulations-Ermittlungen mit der spektakulären Verhaftung von Ex-Nationalspieler Giuseppe Signori und 16 weiterer Personen durchführte, in Bezug auf die Chancen zur Trockenlegung des Sumpfes eher skeptisch: „Die führenden Köpfe, die den Geldfluss steuern, sitzen in Singapur.“

Di Martinos Einschätzung zufolge offenbart sich in Italien allerdings nur die Spitze eines Eisbergs. Der Chefermittler geht nach seinen bisherigen Erkenntnissen davon aus, dass die Mafia-Banden in weiteren europäischen Ländern, darunter auch Deutschland, aktiv sind.

sid

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