Klose und Gomez - und dann kommt nichts

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Mario Gomez (l.), führender der Bundesliga-Torjägerliste und Miroslav Klose (2.v.l.) bester Torschütze in der Nationalmannschaft, sind Deutschlands beste Stürmer - danach sind nichts.

Düsseldorf - Für Bundestrainer Joachim Löw gibt es keine Sturmkrise, obwohl nach Klose und Gomez lange nichts mehr kommt. Auch die Jugendauswahlen sind nicht reich an guten Mittelstürmern besetzt.

Hätte sich Rene Adler nicht verletzt, hätten im Aufgebot für das EM-Qualifikationsspiel am vergangenen Samstag gegen Kasachstan und am Dienstag in Mönchengladbach gegen Australien mehr Torleute als Stürmer gestanden. Unter der Rubrik Angriff findet man gerade mal die Namen Miroslav Klose und Mario Gomez, dagegen tummelten sich im ursprünglichen Kader zehn Spieler in der Kategorie Mittelfeld und immerhin acht in der Abteilung Abwehr.

Bei der WM in Südafrika sah das noch anders aus: „Mit Lukas Podolski, Thomas Müller und Cacau haben wir drei Angreifer, die auch aus der Tiefe und über die Außen kommen können. Miroslav Klose, Mario Gomez und Stefan Kießling sind eher zentrale Stürmer“, hatte der Bundestrainer im vergangenen Sommer erläutert.

Doch weder die WM-Teilnehmer Kießling und Cacau noch die ehemalige Stürmerhoffnung Patrick Helmes spielen in den Planungen von Löw für die EM 2012 in Polen und der Ukraine derzeit eine Rolle. Podolski ist wie schon am Kap der guten Hoffnungen für die linke Seite im Mittelfeld vorgesehen.

Über ein Jahrzehnt beim DFB: Die Bilder des Miro Klose

Äußerlich hat er sich kaum verändert. Auch mehr als zehn Jahre nach dem Beginn seiner DFB-Karriere im Jahr 2001 wirkt Miroslav Klose noch immer jung und frisch. In dieser Dekade wurde Klose zwei Mal WM-Dritter ein Mal Vize-Weltmeister sowie ein Mal Vize-Europameister. Sehen Sie nun eine Rückschau auf die ereignisreiche DFB-Karriere von Klose. © getty
Miroslav Klose bei seiner ersten Pressekonferenz am 26.2.2001 für den DFB. Ungefähr einen Monat später darf er dann sein erstes Pflicht-Länderspiel bestreiten. © getty
Am 24.3.2001 ist es dann soweit: Miroslav Klose wird in der 73. Minute für Oliver Neuville ins Spiel gebracht. Beim Spielstand von 1:1 im WM-Qualifikationsspiel gegen Albanien feiert er sein Debüt. © getty
Exakt 15 Minuten nach seiner Einwechslung darf Klose auch schon sein erstes Tor für die Nationalmannschaft feiern. Sein 2:1 bringt den Sieg in der WM-Qualifikation und sorgt für einen sensationellen Einstand. © getty
Am 13. Februar 2002 steht Miroslav Klose gegen Israel bei einem Freundschaftsspiel zum ersten Mal in der Startelf. © getty
Es ist erst sein achtes Länderspiel: Aber schon erzielt der damalige Lauterer den ersten von insgesamt vier Dreierpacks im Dress des DFB. © getty
Der damals 23-Jährige (m.) wird von seinen Teamkollegen Mehmet Scholl (r.) und Sebastian Kehl (l.) gefeiert. © getty
Das WM-Debüt 2002 in Japan und Südkorea ist nicht minder beeindruckend. Im ersten Spiel gegen Saudi-Arabien erzielt Klose ebenfalls drei Buden. © getty
Das war der Auftakt von seinen mittlerweile insgesamt 14 WM-Toren. 2002 wurde er mit fünf Treffern Zweiter in der Torjägerliste hinter Brasiliens Ronaldo. © getty
Der berühmte Klose-Salto. Durch das erste Spiel bei der WM wird die ganze Welt auf den Torjubel des damaligen Lauterers aufmerksam. © getty
Kloses erstes Jubiläum, hier gegen Gallas (l.). Sein 50. Länderspiel am 12.11.2005 in Paris gegen Frankreich. © getty
Allerdings blieb Klose in diesem Spiel trotz kämpferischen Einsatzes torlos, hier gegen Reveillere (r.). © getty
Nach einer blamablen EM 2004, bei der Klose nur zweimal eingewechselt wurde, kommt eine überragende Heim-WM 2006. Im Eröffnungsspiel gegen Costa Rica erzielt der damalige Bremer zwei Tore beim 4:2. © getty
Zu diesem Zeitpunkt weiß er nicht, dass er später in der Münchner Arena regelmäßig auf Torejagd gehen soll. © getty
Auch von zwei Gegenspielern lässt sich Klose nicht hindern, um zum 1:0 gegen Ecuador zu treffen. Hier lässt er E. Tenorio (m.) keine Chance. © getty
Beim dritten Gruppenspiel gegen Ecuador erzielt Miro zwei Treffer. Fünf Treffer reichen zum WM-Torschützenkönig. © getty
Trotz zahlreicher Bedenken von Knie-Spezialisten durfte auch der Klose-Salto bei der Heim-WM nicht fehlen. © getty
Allerdings schätzt man an Klose nicht nur seine Torgefährlichkeit. Auch seine mannschaftsdienliche Spielweise kommt bei Trainern, Mitspielern und Fans an. © getty
Ein besonders gutes Beispiel ist das WM-Achtelfinalspiel gegen Schweden, in dem er beim 2:0 zwei Mal für seinen Sturmpartner Lukas Podolski auflegt. © getty
Das letzte Tor bei der Heim-WM war zugleich das Wichtigste ... © getty
Mit seinem 1:1-Ausgleich gegen Argentinien bescherte er den Deutschen die Verlängerung und ein Elfmeterschießen, das dank Jens Lehmann gewonnen wurde. Für den Titel reichte es aber aufgrund der Halbfinalniederlage gegen Italien nicht. © getty
Das 70. Länderspiel ist auch ein ganz Besonderes. Der Stürmer führt zum ersten Mal in seiner Karriere die DFB-Elf als Kapitän aufs Feld. © getty
Beim 2:0 gegen Wales am 8. September 2007 geht er als Käpt´n voran erzielt beide Treffer und bringt die Nationalelf einen Schritt näher in Richtung EM 2008. © getty
Obwohl Miroslav Klose nicht der größte Stürmer ist, erzielt er sehr viele Tore per Kopf. Das liegt an seiner unglaublichen Sprungkraft, hier köpft er das 2:0 (Endstand 3:2) bei der EM 2008 gegen Portugal. © getty
Sein 80. Länderspiel ist das Halbfinale gegen die Türkei bei der EM 2008. Auch dort trägt er sich in die Torschützenliste ein. Bei dem kuriosen Spiel macht er das 2:1 in der 79. Minute. Die Partie endet 3:2. © getty
Das Tor zur WM 2010 in Südafrika erzielte ebenfalls der in Polen geborene Mittelstürmer. Am 10. Oktober 2009 macht der 31-Jährige das 1:0 gegen die starken Russen. © getty
Sein bisher einziger Platzverweis im Trikot des DFB: Durch zwei kleine Fouls holt sich der Stürmer im zweiten Gruppenspiel bei der WM 2010 gegen Serbien die Ampelkarte ab. © dpa
Trotz einer wechselhaften Saison beim FC Bayern rechtfertigt Klose seine Nominierung von Joachim Löw. Gegen England erzielt er sein zweites Tor bei der WM 2010 und ist dadurch nur noch drei Treffer von Rekord-WM-Torschütze Ronaldo entfernt. © getty
Gegen Argentinien bestätigt der gebürtige Pole seine Turnierform. Bei insgesamt fünf Turnieren (2x EM, 3x WM) erzielte er 16 Tore. Damit beweist Klose immer wieder, dass er sich auf den Punkt konzentrieren kann. © getty
In seinem 100. Länderspiel spielt der Stürmer eine starke Partie und erzielt zwei Tore. Damit steht er mit vier Treffern wieder im vorderen Bereich der Torjägerliste. Somit hat er bei drei WM-Turnieren konstant getroffen. © getty
Nach einem Treffer im Jubliäumsländerspiel zeigt Klose einen seiner selten gewordenen Saltos. Nur noch besonderen Toren widmet er diesen Torjubel. © dpa
Das 106. Länderspiel ist ein "unbedeutendes" Freundschaftspiel gegen Italien am 9.2.2011. Allerdings sehen es viele Fans und Spieler als "Revanche" für die Niederlage im Halbinfale 2006. © getty
Wie bei der WM spielen die Mannschaften wieder in Dortmund. Der einzige Torschütze beim 1:1 ist, natürlich, Miroslav Klose. Somit fehlen dem Mittelstürmer nur noch neun Treffer, um den Rekord vom "Bomber" Gerd Müller einzustellen. © getty
26.3.2011: Das 107. Länderspiel in der EM-Qualifikation wird eröffnet durch ein Klose-Tor. In einer starken ersten Halbzeit erzielt Klose früh die Führung und schießt kurz vor Ende der Partie seinem zweiten Treffer.  © getty
Dadurch kommt Miro immer näher an Gerd Müller heran. Zu diesem Zeitpunkt sind es nur noch sieben Tore, die die beiden in der ewigen Torjägerliste trennen. © getty

„Ich mache mir hinsichtlich unserer Besetzung im Sturm für die kommenden Jahre keine Sorgen. Miroslav ist zwar schon 32, aber er wird noch einige Zeit auf diesem hohen Niveau spielen können. Er ist super drauf und trifft regelmäßig für die Nationalmannschaft. Und Mario hat seine alte Klasse, die ihn auszeichnet, wiedergefunden und ist eine echte Alternative. Ich bin froh, dass ich so ein Luxusproblem habe“, sagte Löw, der sein System ohnehin auf ein Spiel mit nur eine Spitze ausgerichtet hat.

Falls Klose nach der EURO seine Karriere in der DFB-Auswahl beenden sollte, würde die Last im Angriff wohl zunächst auf den Schultern des 25-jährigen Gomez liegen. Denn im Gegensatz zu anderen Mannschaftsteilen, für die sich immer mehr Konkurrenz aufdrängt, ist der sogenannte Stoß- oder Zentralstürmer eine ganz besondere Art. „Bei den meisten Bundesligamannschaften ist diese Stelle mit ausländischen Spielern besetzt“, sagte Löw, dem deshalb aber nicht angst und bange wird.

„In den Junioren-Nationalmannschaften haben wir für diese Position viele Talente, die wir beobachten, die aber noch reifen müssen. Da kommt noch einiges nach“, sagte Löw, der aber einschränkte: „In der U21, U20 und der U19 sind derzeit auch nicht die ganz überragenden Stürmer zu finden.“ Mit den DFB-Trainern und auch mit Sportdirektor Matthias Sammer steht Löw im engen Austausch: „Wichtig ist, dass wir auch bei den Junioren ein einheitliches System spielen, so können die Talente diese Spielweise schon einmal verinnerlichen.“

Das bedeutet aber nicht, dass das zurzeit praktizierte 4-2-3-1-System in Stein gemeißelt ist, wie Löw erläuterte. „Wir könnten auch jederzeit wieder mit zwei Spitzen agieren“, sagte der Bundestrainer, dem aber für die Zukunft auch andere Varianten vorschweben. „Eine Möglichkeit wäre, dass Thomas Müller als spielender Mittelstürmer agiert, oder auch Lukas Podolski, der ja während der WM 2006 gemeinsam mit Klose im Angriff gespielt hat“, sagte der 51-Jährige.

Dass Klose (2006) der einzige deutsche Stürmer ist, der seit 2002 die Torjägerkanone in der Bundesliga gewonnen hat, gibt dem Bundestrainer aber schon zu denken. „Ehrlich gesagt, habe ich dafür keine plausible Erklärung. Es war ja schon in den letzten Jahren so, dass meistens ein Ausländer Torschützenkönig wurde. Es wäre schön, wenn sich das mal wieder ändern würde“, sagte Löw. Mario Gomez könnte ihm in diesem Jahr diesen Gefallen tun.

sid

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