Gomez trifft und leidet: Liebesentzug frustriert

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Mario Gomez ist frustriert

Mönchengladbach - Eigentlich hätte Mario Gomez ganz zufrieden sein können: Ein Startelf-Platz gegen Australien, ein wunderschönes Tor, Lob vom Bundestrainer. Doch der Münchner ist unglücklich im DFB-Team.

Auf den Jubel über sein Tor hatte Mario Gomez verzichtet, unten im Bauch des Borussia-Parks konnte er sein Leid nicht mehr für sich behalten. “Das ist ja frustrierend“, beschrieb der 25-Jährige seine Stimmung. “Es ist für mich in der Nationalmannschaft, speziell bei Heimspielen sehr schwierig“, sagte er leise. Auch beim 1:2 gegen Australien in Mönchengladbach hatte Gomez wieder Pfiffe von einigen Fans bekommen; seine Auswechslung wurde sogar beklatscht. “Ich weiß nicht, was in den Leuten vorgeht“, erklärte Gomez in den Stadionkatakomben fast verzweifelt.

Nicht weit entfernt bei der Pressekonferenz zeichnete Joachim Löw ein ganz anderes Bild vom Bayern-Knipser Gomez, dessen bisherige Laufbahn im DFB-Team alles andere als glücklich gelaufen ist. “Er hatte eine Phase in der Nationalmannschaft, da ist vieles nicht gelaufen. Aber jetzt befindet er sich auf dem Weg, dass er in der Nationalmannschaft regelmäßig trifft, und da bin ich mit ihm zufrieden, absolut“, sagte der Bundestrainer. Nur weil Gomez “ein bisschen angeschlagen war“, habe er ihn nach 73 Minuten vom Rasen geholt, berichtete Löw von einer verdrehten Kapsel in Gomez' Fuß.

Dem Stürmer selbst aber schmerzte nicht so sehr der Fuß, sondern vielmehr die Seele. “Das tut weh“, sagte Gomez. “Ich bin in Top-Verfassung, vielleicht so gut wie noch nie. Ich weiß auch nicht, was die Leute veranlasst, mich auszupfeifen.“ Beim 4:0 in Kaiserslautern hatte er schon bei seiner Einwechslung ein Pfeifkonzert ertragen müssen. “Es ist schwierig, das abzustreifen. Ich bin topfit, aber im Kopf nicht voll da“, gestand Gomez, der sich nach dem Abpfiff gegen Australien passend zum eng anliegenden dunklen T-Shirt eine schwarze Mütze übergestreift hatte.

Natürlich weiß auch Löw um die Sensibilität seines Angreifers Nummer zwei hinter Miroslav Klose, auch wenn er Gomez nach dem Australien-Test demonstrativ stärkte: “Er ist schon zufrieden. Er hat sein Tor gemacht. Das spricht für ihn und seine Torgefährlichkeit.“ In Gomez selbst sah es ganz anders aus. “Mein großer Konkurrent ist Miroslav Klose“, sagte der Münchner zur Situation im Nationalteam: “Mein größter Konkurrent ist derzeit ein Teil der eigenen Fans.“

Über die Gründe hat Gomez offenbar viel gegrübelt. “Ich weiß nicht, ob es der Schuss von 2008 ist“, meinte er. Bei der EURO hatte Gomez im letzten Gruppenspiel gegen Gastgeber Österreich aus zwei Metern nicht ins leere Tor getroffen - “aber drei Jahre danach muss das ja mal vorbei sein“, flüsterte der Angreifer und ergänzte. “Miro ist in den vergangenen Jahren ganz klar die Nummer eins in der Nationalmannschaft. Nichtsdestotrotz habe ich auch mein Bestes gegeben, habe auch einige Tore gemacht.“ Aufgeben aber wird er “auf keinen Fall“, zumindest mit der Mannschaft hat Gomez “viel Spaß“.

dpa

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